In Berlin stehen 194 Feuerwehrfahrzeuge und 159 Polizeiwagen still
In Berlin stehen 194 Feuerwehrfahrzeuge und 159 Polizeiwagen still. Weil Fahrzeuge fehlen, scheitern Abschiebungen – die Gewerkschaften fordern ein Fuhrparkmanagement nach Hamburger Vorbild.
Bei der Berliner Feuerwehr stehen 194 von 1.026 landeseigenen Fahrzeugen außerhalb des Katastrophenschutzes still – knapp 19 Prozent. Hinzu kommen 22 nicht einsatzbereite Fahrzeuge des Katastrophenschutzes. Bei der Polizei fehlen 159 von 3.304 Wagen, rund fünf Prozent. Die Zahlen stehen in der Senatsantwort auf eine Schriftliche Anfrage der Grünen mit Stichtag 31. August und 1. September 2026, die am 13. Oktober öffentlich wurde.
Frank Teichert, Landesvorsitzender der DPolG Berlin, schildert die Folgen: Geplante Rückführungen hätten mehrfach nicht durchgeführt werden können, weil morgens die Fahrzeuge fehlten. „Es kommt vor, dass Einsätze nicht gefahren werden können, weil die Fahrzeuge fehlen“, sagte er. Abschiebungen scheitern in Berlin auch an kaputten Polizeiautos – wie der WELT-Bericht über die gescheiterten Rückführungen zeigt.
Der Verschleiß schlägt sich in den Werkstattzahlen nieder: 2025 fielen 7.481 Werkstattaufträge für Polizeifahrzeuge an, 4.080 davon für Einsatzwagen. Von Januar bis Ende August 2026 kamen 4.600 weitere hinzu. Nach Einschätzung der DPolG erfüllt mehr als die Hälfte des Berliner Polizeifuhrparks mindestens ein Kriterium für die Aussonderung – Alter, Laufleistung oder technischer Zustand.
Feuerwehr zahlt 71 Prozent mehr für externe Werkstätten
Die Feuerwehr verlagert Reparaturen zunehmend nach außen. 2024 gab sie rund 4,7 Millionen Euro für externe Werkstätten aus, 2025 knapp acht Millionen Euro – ein Anstieg um rund 71 Prozent. Ein Grund: In der eigenen Feuerwehrwerkstatt sind sieben von 59 Stellen nicht besetzt.
Die Reparaturen dauern lange. Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeuge stehen im Schnitt knapp 34 Tage still, Tanklöschfahrzeuge rund 45 Tage und Rettungswagen etwa 21 Tage.
Wie lange Fahrzeuge in der Werkstatt stehen
Durchschnittliche Reparaturdauer in Tagen
Quelle: Senatsantwort auf eine Schriftliche Anfrage der Grünen, Stichtag 31. August/1. September 2026
Projektgruppe soll bis Ende März 2029 fertig werden
Die 2025 eingerichtete Projektgruppe zur Modernisierung des Fuhrparks soll erst bis Ende März 2029 fertig werden. Eigene Haushaltsmittel hat sie nicht, nennenswerte Personalausstattung ebenfalls nicht – aktuell arbeitet dort eine Vollzeitkraft.
Für 2026 sind 244 Neuanschaffungen vorgesehen. Die DPolG verlangt ein Fuhrparkmanagement nach Hamburger Vorbild. Ihr Landesvorsitzender begründet, warum der Zustand der Wagen über den Einsatzerfolg entscheidet:
„Polizeifahrzeuge sind keine gewöhnlichen Dienstwagen. Sie laufen im Schichtbetrieb, transportieren umfangreiche Ausrüstung und müssen gerade dann zuverlässig funktionieren, wenn jede Minute zählt.“
Frank Teichert, Landesvorsitzender der DPolG Berlin
GdP warnt vor verschlissenen Fahrzeugen im Dienst
Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt vor den Folgen des Sanierungsstaus. Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin hatten die Polizeigewerkschaften bereits Warnungen vor Sicherheitsverlusten formuliert. GdP-Sprecher Benjamin Jendro wird beim Fuhrpark deutlich:
„Der Fuhrpark wurde über Jahre kaputtgespart und ist für Friedenszeiten und nicht für die aktuellen globalen Krisen geplant.“
Benjamin Jendro, Sprecher der GdP Berlin
Jendro beschreibt einen Mechanismus, der den Fuhrpark zusätzlich belastet: Stark verschlissene Fahrzeuge blieben im Dienst, weil sie wegen bestehender Wartungs- und Gewährleistungsverträge und des Personalmangels in den polizeiinternen Kfz-Werkstätten sonst noch länger im Dienstbetrieb fehlen würden. Dass diese Wagen „nicht gerade ungefährlich“ seien, räumt er ein.
Innenverwaltung verweist auf Reservekapazitäten
Die Innenverwaltung hält dagegen. Pressesprecherin Sabine Beikler erklärte, die Einsatzbereitschaft der Berliner Feuerwehr werde „durch Reservekapazitäten sichergestellt“. Offen bleibt, ob 244 Neuanschaffungen und eine Projektgruppe, die erst 2029 fertig wird, den Sanierungsstau abtragen – und ob der Senat den Hamburger Weg übernimmt.