KfW sieht bis 2045 bis zu 6,4 Billionen Euro Investitionsbedarf
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Klima-Milliardenstreit

KfW sieht bis 2045 bis zu 6,4 Billionen Euro Investitionsbedarf

Die KfW beziffert den Investitionsbedarf für die Klimaneutralität bis 2045 auf sechs Billionen Euro. Die FDP nennt das Ziel unrealistisch, Ökonomen halten die Summe für die Untergrenze.

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Sechs Billionen Euro – so viel müsste Deutschland nach einer neuen Berechnung bis 2045 in die Klimaneutralität investieren. Das sind 270 bis 300 Milliarden Euro pro Jahr. Die FDP nennt genau diese Rechnung „regelrecht aberwitzig“.

Am 12. Oktober stellte die staatliche Förderbank KfW in Berlin die Prognos-Studie „Investitionen für Klimaschutz“ vor – vier Wochen vor der UN-Weltklimakonferenz COP31 in Antalya.

Laut der Pressemitteilung der KfW zur Klimaneutralitätsstudie summiert sich der Investitionsbedarf bis 2045 auf 5,7 bis 6,4 Billionen Euro.

Zwei Tage später legte FDP-Generalsekretär Martin Hagen nach. Der Bericht über die FDP-Kritik am Klimaziel zitiert ihn mit den Worten, das Ziel 2045 sei „unrealistisch“, die Vorstellung, dafür sechs Billionen Euro auszugeben, „regelrecht aberwitzig“.

Wo die Billionen hingehen

Der größte Posten ist der Verkehr: 45 Prozent des Bedarfs oder 2,6 bis 2,9 Billionen Euro entfallen auf ihn. Es folgen Energie mit 25 Prozent (1,3 bis 1,8 Billionen Euro), Gebäude mit 22 Prozent (rund eine Billion) und die Industrie mit acht Prozent (rund 500 Milliarden).

Investitionsbedarf für die Klimaneutralität nach Sektoren

Anteile am Gesamtbedarf von 5,7 bis 6,4 Billionen Euro bis 2045

Quelle: Prognos im Auftrag der KfW, Oktober 2026

Schon 2021 hatte Prognos den Bedarf mit fünf Billionen Euro beziffert. Die zusätzliche Billion erklärt das Beratungsunternehmen mit Preissteigerungen und dem anhaltenden Investitionsstau.

Im Gebäudesektor fällt der Sanierungsstau besonders ins Gewicht: Die anhaltend hohen Heizkosten seit 2021 sind ein sichtbarer Teil des Problems. Beim Strom steht dem Ökostrom-Rekord von 58 Prozent die geplante Streichung der Solar-Vergütung gegenüber.

Für Wintels ist das Ziel machbar

Ganz anders als die FDP liest KfW-Vorstandschef Stefan Wintels die Zahl. Er nennt sie eine „anspruchsvolle, aber machbare Herausforderung“ und verweist darauf, dass Deutschland zweitgrößter Exporteur von Klimaschutzgütern ist.

„Sechs Billionen Euro - das ist eine Zahl mit zwölf Nullen.“
Stefan Wintels, Vorstandschef der KfW

Die Studie verteilt den Bedarf auf jährlich 270 bis 300 Milliarden Euro – über die Jahre bis 2045 hinweg.

Experten nennen die Summe die Untergrenze

Fachmedien und Wirtschaftsportale rechneten am 13. Oktober nach: Die tatsächlichen Zusatzkosten gegenüber dem heutigen Kurs summieren sich auf rund 65 Milliarden Euro jährlich.

Der Energieökonom Manuel Frondel vom RWI Essen hält selbst die sechs Billionen für zu niedrig.

„Ich halte sechs Billionen Euro eher für die Untergrenze.“
Manuel Frondel, Energieökonom am RWI Essen

Ehrlichkeit beim Heizen, Fliegen, Autofahren

Auch Michael Eilfort, Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft, warnt vor höheren Kosten und Wettbewerbsnachteilen für die deutsche Wirtschaft. Die Energiewende der Bundesrepublik sei zudem ein weltweiter Sonderfall – der Ausstieg aus Kohle und CO2-freiem Atomstrom sei von keinem anderen Land kopiert worden.

„Der Bevölkerung müsste man ehrlich sagen: Ein ‚Weiter so‘ beim Heizen, Fliegen, Autofahren und Sozialstaatsniveau sowie Klimaneutralität 2045 schließen sich schlicht aus.“
Michael Eilfort, Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft

Nach Eilforts Lesart müsste die Politik den Menschen Einschnitte beim Heizen, Fliegen und Autofahren zumuten, wenn sie am Ziel 2045 festhält.

Streit um das Klimaziel 2045

Die Studie erscheint vier Wochen vor der UN-Weltklimakonferenz COP31 in Antalya. KfW und FDP ziehen daraus gegensätzliche Schlüsse.

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Für die KfW ist das Ziel machbar, für die FDP aberwitzig – und für Ökonom Frondel sogar noch zu niedrig angesetzt. Wie sich Deutschland auf der Konferenz in Antalya positioniert, ist die nächste offene Frage.