Bekennerschreiben zum Anschlag in Marzahn gilt nach zwei Wochen als echt
Bild: KI-generiert
Stromnetz-Sabotage

Bekennerschreiben zum Anschlag in Marzahn gilt nach zwei Wochen als echt

Nach dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Marzahn stufen die Behörden das Bekennerschreiben der Gruppe „Kinder des Zorns“ als authentisch ein. 19 Gewerbebetriebe waren zeitweise ohne Strom, die Ermittlungen des Staatsschutzes laufen gegen Unbekannt.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Das Bekennerschreiben zum Brandanschlag auf Stromkabel in Berlin-Marzahn ist echt. Rund zwei Wochen nach der Tat stufen die Behörden das Schreiben der Gruppe „Kinder des Zorns“ als authentisch ein – festgenommen wurde niemand, ermittelt wird weiter gegen Unbekannt.

In der Nacht zum Montag, 5. Oktober 2026, legten Unbekannte gegen 4 Uhr Altreifen und Gerümpel unter die Stromkabel der Kabelbrücke in der Boxberger Straße und zündeten sie an. Die Kabel wurden dabei beschädigt; die Polizei ermittelte wegen schwerer Brandstiftung. Von einer politisch motivierten Tat sprach sie am Tattag zunächst nicht.

Das änderte sich mit einem Bekennerschreiben, das noch am 5. Oktober auf der linken Plattform de.Indymedia erschien. Darin bekannte sich die bis dahin unbekannte Gruppe „Kinder des Zorns“ zu der Brandstiftung.

Was die Gruppe beansprucht

Nach Darstellung der Gruppe galt der Angriff nicht irgendeinem Kabel, sondern gezielt der Stromversorgung mehrerer Technologieunternehmen im CleanTech-Businesspark Marzahn. Am Tattag wurden 19 Gewerbebetriebe vorübergehend vom Netz getrennt und ab etwa 9 Uhr per Notstrom versorgt.

Wer hinter dem Bekennerschreiben steht, war damals offen. Am 7. Oktober berichteten die taz und das Portal Kontrapolis über das Schreiben und die darin genannten Unternehmen. Die Polizei bestätigte die Echtheit zunächst nicht – vier Tage später griff Kontrapolis das Bekennerschreiben erneut auf.

Neun Tage bis zur Einstufung

Erst am 14. Oktober meldeten rbb und tagesschau übereinstimmend, dass das Bekennerschreiben als authentisch eingestuft wird. Am 15. Oktober griffen Tagesspiegel, ZEIT, t-online, NIUS, B.Z. und WELT die Einstufung auf.

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin bestätigte, dass das Schreiben vorliegt und in die laufenden Ermittlungen einfließt. Ermittelt wird gegen Unbekannt – einen namentlichen Tatverdacht gibt es bislang nicht.

Ermittlungen gegen Unbekannt

Die Ermittlungen führt der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz des Landeskriminalamts (LKA). Bereits am 9. Oktober war bekannt, dass Staatsschutz im Fall der Stromkabel. Am Tattag selbst hatte die Polizei von einer politisch motivierten Tat noch nicht gesprochen – erst das Bekenntnis verschob den Fall zum Staatsschutz.

Festnahmen gab es bislang keine. Wer die Altreifen unter die Kabel legte und das Feuer entzündete, ist offen. Für die betroffenen Betriebe im CleanTech-Businesspark bleibt der Fall damit unaufgeklärt – das Bekenntnis ist bislang das einzige öffentlich bekannte Motiv.

Umfrage
Lädt

Berlin und seine Stromtrassen

Der Anschlag in Marzahn steht in einer Reihe. Am 3. Januar 2026 legten Unbekannte Feuer an einer Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde; der Stromausfall dauerte Tage. Rund 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbeeinheiten waren betroffen, zum Anschlag bekannte sich die „Vulkangruppe“, das Bundeskriminalamt setzte eine Million Euro Belohnung aus.

Schon im September 2025 war die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof angegriffen worden. Auch jenseits politisch motivierter Taten ist Berlins Strominfrastruktur störungsanfällig: Feuer in einem Umspannwerk legt 90 Ampeln lahm.

Anschläge auf Berlins Stromversorgung seit 2025

  1. September 2025
    Angriff auf Adlershof

    Unbekannte greifen die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof an.

  2. 3. Januar 2026
    Tagelanger Stromausfall in Lichterfelde

    Feuer an einer Kabelbrücke; rund 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbeeinheiten sind betroffen. Die „Vulkangruppe“ bekennt sich, das BKA setzt eine Million Euro Belohnung aus.

  3. 5. Oktober 2026, ca. 4 Uhr
    Brandanschlag in Marzahn

    Altreifen und Gerümpel brennen unter den Stromkabeln der Kabelbrücke in der Boxberger Straße.

  4. 5. Oktober 2026
    Bekenntnis im Netz

    Auf de.Indymedia erscheint das Bekennerschreiben der Gruppe „Kinder des Zorns“.

  5. 14. Oktober 2026
    Schreiben als authentisch eingestuft

    rbb und tagesschau melden die Einstufung; die Generalstaatsanwaltschaft bestätigt, dass das Schreiben in die Ermittlungen einfließt.

Am 16. Oktober berichtete die Berliner Morgenpost in ihrer Printausgabe über die Einstufung des Schreibens als echt – und über geplante Investitionen in das Stromnetz.

Bis dahin bleibt es bei der Ausgangslage: ein als echt eingestuftes Bekenntnis, 19 Betriebe, die vorübergehend ohne Netzstrom waren, und Ermittlungen gegen Unbekannt. Offen ist, wann die geplanten Investitionen in das Stromnetz greifen – und ob sie weitere Anschläge auf oberirdische Kabelbrücken verhindern können.