Marion Horn räumt ein, ihre Haltung gegen die AfD sei unjournalistisch
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Medienpolitik

Marion Horn räumt ein, ihre Haltung gegen die AfD sei unjournalistisch

Bild-Chefredakteurin Marion Horn sagt, ein „Fuck AfD“-Poster in ihrem Büro sei ihre Haltung – und räumt ein, das sei „unjournalistisch“. Nius-Chefredakteur Julian Reichelt nennt ihre Angaben zu den Leserzahlen „schlichtweg gelogen“.

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In Marion Horns Büro hängt ein Poster, auf dem ein Sportflugzeug eine Werbung durch die Luft zieht. Darauf steht: „Fuck AfD“. Die Chefredakteurin der Bild-Gruppe hat den Satz im Interview mit dem Branchenmagazin kress pro zu ihrer eigenen Haltung erklärt. Veröffentlicht wurde das Gespräch am 15. Oktober.

Auf die Frage, ob eine Chefredakteurin so etwas sagen dürfe, räumte Horn ein: „Ich sage selbstkritisch: Möchte ich, dass es auch nur ein Foto von mir mit Frau Weidel gibt? Nein. Ist das unjournalistisch? Leider ja.“ Horn ist 60 Jahre alt und führt als Vorsitzende die Chefredaktionen von Bild, Bild am Sonntag und Bild.de.

In ihrer Redaktion ist die AfD Dauerthema. Laut Horn gibt es „keine Konferenz mehr“, in der nicht diskutiert werde, ob eine Formulierung klinge, „als ob wir die AfD an der Macht haben wollten“. Damit bestätigt sie, dass ihre Redaktion AfD-Formulierungen laufend auf Wirkung prüft.

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Reichelt nennt die Zahlen „schlichtweg gelogen“

Horn behauptet, der Anteil der AfD-Wähler unter den Bild-Lesern liege „deutlich unter zehn Prozent“. Digital teile sich die Leserschaft fast paritätisch zwischen Schwarz und Rot. Wie Medien AfD-Anhänger beschreiben, ist ohnehin Streitthema: Focus und FAZ werfen der ARD den Exoten-Blick auf AfD-Wähler vor.

Widerspruch kommt aus der Medienbranche selbst. Der Nius-Chefredakteur Julian Reichelt nennt die Angaben „schlichtweg gelogen“. In seinem Nius-Text zu Horns Leserzahlen schreibt er: „Und Marion Horn weiß, dass es eine Lüge ist. Es ist einfach das, was man Propaganda nennt.“ Horns Äußerung sei zudem eine „selbstmörderische Äußerung für die Marke Bild“.

Der Publizist Alexander Wallasch wirft Reichelt und Nius Heuchelei vor. Er erinnert an die „Refugees Welcome“-Kampagne, die Reichelt bei Bild verantwortete. Nius hatte seinen Artikel „11 Jahre nach Refugees Welcome“ überschrieben; Wallasch hält Reichelt entgegen, er hätte die eigene Vergangenheit benennen müssen.

„Er schreibt nicht – und das hätte er eigentlich schreiben müssen – ‚elf Jahre nach Julian Reichelt‘.“
Alexander Wallasch, Publizist

Springer-Verlag wollte mitreden

Vor der Veröffentlichung gab es Ärger um die Autorisierung. Der kress-Chefredakteur Markus Wiegand berichtete in seinem Editorial von einem versuchten Eingriff des Axel-Springer-Verlags in das Verfahren. Bild gehört zu Springer – der Konzern wollte die Aussagen seiner Chefredakteurin vor dem Abdruck offenbar gegenlesen.

Shitstorm und eine beleidigende Leser-Mail

Am 16. Oktober griffen mehrere Medien die Aussage auf, darunter ein Bericht der Jungen Freiheit über das Poster, AUF1 und Deutschland Kurier. In sozialen Netzwerken entstand ein Shitstorm. Horn veröffentlichte auf LinkedIn eine beleidigende Leser-Mail und fragte nach den Erfahrungen anderer mit politischen Äußerungen.

Ob der Axel-Springer-Verlag nach dem Autorisierungsstreit Konsequenzen zieht und wie die Bild-Gruppe auf Reichelts Vorwurf reagiert, ist offen. Die Chefin der größten Boulevardmarke des Landes hat ihr Bekenntnis gegen die AfD jedenfalls nicht als Privatsache behandelt.