Zehn Jugendliche verprügeln 14-Jährigen vor Frankfurter Oberschule
Rund zehn Jugendliche umstellen einen 14-jährigen Schüler vor seiner Schule in Frankfurt (Oder), schlagen und treten auf ihn ein – die Tat ist gefilmt. Zwei Tage später nennt die Polizei zehn Tatverdächtige. Innenminister Redmann fordert Klartext zur Herkunft, Sozialminister Wilke droht mit Aufenthaltsbeendigung.
Ein 14 Jahre alter Schüler dreht seine leeren Hosentaschen nach außen, dann schlagen sie zu. Rund zehn Jugendliche umstellen ihn vor der Heinrich-von-Kleist-Oberschule in der Görlitzer Straße in Frankfurt (Oder), schlagen ihn und treten auf ihn ein – auch gegen den Kopf, auch als er längst am Boden liegt. Die Tat ist gefilmt.
Der Schüler erstattete am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, selbst Anzeige auf einer Polizeidienststelle; er wies Verletzungen im Gesicht auf, die Eltern wurden informiert. Zwei Tage später bestätigt die Polizeidirektion Ost zehn Tatverdächtige im Alter von 13 bis 15 Jahren. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung und Raub.
Ein Video, das die Täter selbst filmten
Aufnahmen der Attacke kursieren im Netz, ein Teil davon stammt nach Polizeiangaben von den mutmaßlichen Tätern selbst. Die Beamten halten das Material für authentisch. Was darauf zu sehen ist, beschreibt der Welt-Bericht über die Tritte gegen den Kopf.
Am Donnerstag, dem 15. Oktober, rückte die Polizei mit zahlreichen Einsatzkräften an der Ulrich-von-Hutten-Oberschule an, befragte sieben Jugendliche und nahm einen Teil der Tatverdächtigen noch während des Unterrichts fest. In der Nacht zuvor hatte sich Oberbürgermeister Axel Strasser gemeldet – und den Fall anders eingeordnet als eine gewöhnliche Schlägerei.
„Dieses Ausmaß an organisierter Jugendgewalt hatten wir bisher in Frankfurt (Oder) nicht. Und wir werden das in unserer Stadt nicht dulden.“
Axel Strasser, Oberbürgermeister Frankfurt (Oder)
Zehn Verdächtige, vier Staatsangehörigkeiten
Die Polizeidirektion Ost nennt für die zehn Beschuldigten die Staatsangehörigkeiten deutsch, polnisch, russisch und syrisch. Eine tschetschenische Staatsangehörigkeit führt die Behörde nicht auf, obwohl sie in Teilen des Netzes behauptet wird. Festgenommen wurde ein Teil der Gruppe noch während des Unterrichts.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) verlangt, die Herkunft der Tatverdächtigen klar zu benennen: „Sie erklärt nichts und entschuldigt nichts. Wer sie aber verschweigt, verspielt das Vertrauen der Menschen.“ Am selben Mittwoch debattierte der Landtag in einer Aktuellen Stunde über Jugendgewalt; Redmann verwies auf eine Serie von Angriffen in Potsdam mit rund 25 überwiegend migrantischen Tatverdächtigen.
Wilke droht mit Entzug des Schutzstatus
Sozialminister René Wilke (SPD) ging weiter. „Wer für Unsicherheit in unserem Land sorgt, kann sich nicht auf die Unsicherheit in seinem Herkunftsland berufen“, sagte er und drohte mit der Aberkennung des Schutzstatus und mit Aufenthaltsbeendigung. Unter den Beschuldigten sind nach Polizeiangaben auch deutsche, polnische und russische Staatsangehörige – bei ihnen ist ein Schutzstatus nicht zu entziehen.
Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) setzte nicht bei den Tätern an, sondern bei den Zuschauern. Hoffmann forderte, dass Beobachter einer Gewalttat sofort Hilfe holen.
„Schutz vor Gewalt fängt nicht erst in der Schule an, jeder von uns ist gefordert. Wer Gewalttaten beobachtet, darf nicht wegschauen, sondern muss sofort Hilfe holen.“
Gordon Hoffmann, Brandenburgs Bildungsminister (CDU)
Am 27. Oktober sitzen alle an einem Tisch
Für den 27. Oktober ist ein erstes Sicherheitsgespräch anberaumt: Polizei, Staatsanwaltschaft, Ausländerbehörde, Schulämter, Schulen und Schulsozialarbeit sollen beraten, wie die Stadt auf Gewalt an Schulen reagiert. Strasser hatte die Runde in der Nacht zum 15. Oktober angekündigt. Dass Schulhöfe kein geschützter Raum sind, zeigte zuletzt der Reizgas-Angriff an einer Kreuzberger Schule mit 13 Verletzten.
Offen ist, wie viele der zehn Jugendlichen tatsächlich zuschlugen und ob die Staatsanwaltschaft weitere Taten aus dem Umfeld der Gruppe prüft. Offen ist auch, ob die Behörden die Herkunft der Tatverdächtigen nach dem 27. Oktober vollständig benennen. Redmann verlangte, die Herkunft klar zu benennen; Wilke drohte mit Folgen für den Schutzstatus – der Streit darüber wird über den Termin hinausgehen. Vergleichbare Fälle von Gruppengewalt gegen Jugendliche gab es zuletzt mehrfach, etwa als in Neubrandenburg rund zehn Kinder einen 14-Jährigen stundenlang quälten.