Ukraine hat laut CNN keine Patriot-Abfangraketen mehr
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Luftverteidigung

Ukraine hat laut CNN keine Patriot-Abfangraketen mehr

Nach dem Verlust der letzten Patriot-Abfangraketen fordert eine Erklärung des YES-Boards um Wolfgang Ischinger, europäische Bestände an Kyiv abzugeben. Deutschland, Spanien und Griechenland zögern – oder knüpfen Bedingungen.

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Vier Tote, mindestens 25 Verletzte, drei zerstörte Kraftwerke in Kyiv – und nichts mehr, was die nächste Welle abfängt. In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober trafen russische ballistische Raketen drei Kraftwerke der ukrainischen Hauptstadt und Energieanlagen in Charkiw. Die Luftwaffe meldete vier abgefangene Raketen. Laut einem CNN-Bericht über die erschöpften Bestände waren es die letzten Patriot-Abfangraketen des Landes.

Am 15. Oktober stellte WELT den Gastbeitrag zur Patriot-Forderung online, am 16. Oktober stand er in der Printausgabe unter dem Titel „Europa muss Patriot-Raketen in die Ukraine schicken“. Die Kernaussage: Diese Abfangraketen würden nicht zu Hause im Lager gebraucht, sondern in Kyiv, damit die Verteidigung Europas gelingt.

Ein Name bei WELT, sieben Unterzeichner

WELT führt den Text unter dem Namen Wolfgang Ischingers, des Leiters der Münchner Sicherheitskonferenz, und zeigt ihn als Gastautor. Es ist jedoch die Erklärung des Boards der Yalta European Strategy – mitunterzeichnet von Aleksander Kwaśniewski, Kersti Kaljulaid, Carl Bildt, Sanna Marin, Victor Pinchuk und Stéphane Fouks. Das englische Original heißt „Defending Europe requires Patriot missiles – in Ukraine“.

Adressaten sind Deutschland, Spanien, Griechenland und alle anderen Staaten mit Patriot-Beständen – Regierungen, die weitere Abgaben zuvor verweigert oder an Bedingungen geknüpft hatten. Die Autoren nehmen das Gegenargument selbst vorweg: Europa brauche seine Bestände, heiße es – „wahr“. Aber sie würden nicht im Depot gebraucht, sondern in Kyiv. „Kyiv ist die Hauptstadt der europäischen Sicherheit.“

„Meine Meinung: Wer Europa verteidigen will, muss Patriot-Raketen in die Ukraine schicken“
Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz

Zu wenig Abfangraketen für den Winter

Für den Winter veranschlagt Kyiv mindestens 300 Patriot-Abfangraketen. 2023 erhielt die Ukraine nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj 675, 2025 noch 364, im laufenden Jahr 264 – rund ein Zehntel des benötigten Umfangs, wie er sagt. Bereits im August hatte er die USA um fünf Prozent ihrer Patriot-Raketen gebeten.

Patriot-Abfangraketen für die Ukraine: Lieferungen und Bedarf

Gelieferte Abfangraketen je Jahr und Bedarf für den Winter 2026/27

Quelle: Angaben von Präsident Selenskyj; Winterbedarf: mindestens 300

Russland fährt dagegen die Produktion hoch: 100 bis 120 ballistische Raketen pro Monat nach ukrainischen Schätzungen, bei wichtigen Typen liegt die Rüstungsindustrie 10 bis 20 Prozent über Plan. Der Großteil soll eingesetzt werden, sobald es kalt wird – auf Kraftwerke und Heizwerke, deren Zerstörung bei Minusgraden auch Wasserleitungen bersten lässt. Zuletzt umfassten solche Nächte bis zu 30 ballistische Raketen auf Kyiv.

Ersatz ist nicht in Sicht. Die USA haben im Krieg gegen den Iran rund zwei Drittel ihrer Patriot-Vorräte verbraucht; die PAC-3-MSE-Bestände fielen laut CSIS von über 2.300 auf rund 800. Lockheed Martin liefert 620 Abfangraketen im Jahr, 2.000 sind erst um 2030 vorgesehen – bei 25 bis 51 Monaten Lieferzeit. Geld allein hilft nicht: Die EU gab 6,1 Milliarden Euro Rüstungshilfe für die Ukraine frei, eine PAC-3-Rakete kostet rund vier Millionen Dollar.

Deutschland liefert nur mit Nachschubgarantie

Deutschland sagte am 8. September auf dem Ramstein-Treffen zu, PAC-2-Raketen aus Bundeswehr-Beständen abzugeben. Weitere Systeme sind an die Bedingung geknüpft, dass die eigenen Arsenale binnen sechs bis acht Monaten wieder aufgefüllt sind – eine Zusage, die an derselben amerikanischen Produktionslinie hängt.

Spanien und Griechenland sitzen auf vergleichsweise großen PAC-2-Vorräten, ein Teil nähert sich dem Ende der Lagerdauer. Laut Bloomberg lief seit dem Sommer ein Modell, wonach Norwegen Raketen aus spanischen oder griechischen Beständen kauft und an Kyiv weitergibt. Griechenland lehnt bislang ab und verweist auf den eigenen Bedarf wegen der Spannungen mit der Türkei. Frankreich und Italien wollen EU-Mittel lieber in das europäische System SAMP/T stecken.

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In der Ukraine bleibt nur, was ohne Abfangraketen geht. Seit 2022 sind über 60 Prozent der Stromerzeugung zerstört; allein in der Woche des Appells erwachten 600.000 Menschen ohne Strom. Lwiw baut an 70 Standorten Gaskolben-Kraftwerke, Batteriespeicher und holzbefeuerte Heizkessel. Der stellvertretende Bürgermeister Andrij Moskalenko sagt, die Stadt könne keine Patriots kaufen – aber jede große Stadt brauche sie. Ob Berlin, Madrid und Athen vor dem ersten Frost liefern, ist offen.