Selenskyj bittet USA um fünf Prozent ihrer Patriot-Raketen
Der ukrainische Präsident bittet Washington um den Verkauf von PAC-3-Abfangraketen. Parallel meldet die UN den tödlichsten Monat für Zivilisten seit Mai 2022.
Wolodymyr Selenskyj macht seinen Bedarf an Patriot-Abfangraketen erstmals öffentlich in konkreten Zahlen: Fünf Prozent der US-Bestände, sagt der ukrainische Präsident, würden reichen, um den Winter zu überstehen. Am 13. August 2026 wiederholte er den Appell auf Telegram, während die UN parallel die tödlichste Bilanz für ukrainische Zivilisten seit Mai 2022 meldete.
Derzeit verfüge die Ukraine nur über ein Prozent der US-Bestände, erklärte Selenskyj. Mit zehn Prozent könnten alle ballistischen Raketen der Russen zerstört werden. „In diesem Jahr verfügen wir über zweieinhalbmal weniger Abfangraketen als im Jahr 2025“, zitierte ihn t-online.
„Wenn die Amerikaner uns fünf Prozent verkaufen – PAC-3-Abfangraketen, nichts anderes –, werden wir den Winter überstehen und Menschenleben retten.“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
UN meldet höchste Opferzahl seit Mai 2022
Im Juli wurden in der Ukraine laut UN-Menschenrechtsbeobachtermission mindestens 437 Zivilisten getötet und 2.610 weitere verletzt – ein Anstieg um 30 Prozent gegenüber Juni und um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. „Die Zahl der Getöteten ist die höchste, die seit Mai 2022 erfasst wurde“, teilte die Mission mit, wie der Tagesspiegel berichtet.
Besonders betroffen war Kiew mit 54 Toten und mehr als 200 Verletzten. Russland setze verstärkt ballistische Raketen und Marschflugkörper ein; die ukrainische Luftabwehr konnte im Juli nur 29 von 195 ballistischen Raketen abfangen, wie die Kyiv Post dokumentiert. Auch auf russischer Seite stieg die Zahl getöteter Zivilisten: 79 Tote und über 600 Verletzte meldeten russische Behörden. Zuletzt hatte ein russischer Angriff auf Kiews Warenlager 17 Menschen getötet.
US-Arsenal nach Iran-Krieg geschrumpft
Das US-Arsenal an Patriot-Abfangraketen ist infolge des Krieges der USA gegen den Iran deutlich geschrumpft. Nach Schätzungen des Thinktanks CSIS verfügen die USA noch über rund 800 Abwehrraketen; vor dem Iran-Krieg seien es etwa 3.100 gewesen, wie der Tagesspiegel meldet. 600 Abfangraketen hat die Ukraine nach dpa-Angaben bereits erhalten.
US-Präsident Donald Trump reagierte zurückhaltend. Auf die verstärkten russischen Angriffe auf zivile Ziele angesprochen, erklärte er: „Look, we're not involved. We're separated by an ocean.“ Zugleich zeigte er sich betroffen über die Opferzahlen. Sein knapper Kommentar zum Raketenmangel:
„We want missiles too.“
Donald Trump, Präsident der USA
Europäische Verbündete am Limit
Auch in Europa sind die Bestände weitgehend erschöpft. Die Ukraine sucht Hunderte Abfangraketen; Außenminister Andrij Sybiha sagte: „We are literally fighting for every missile.“ Deutschlands Brigadegeneral Jürgen Schrödl ergänzte: „We are really reaching our limits here. We also have to ensure our own protection.“ Norwegens Verteidigungsminister Tore O. Sandvik hält die Lage langfristig für nicht tragbar. Polen überstellte im Juli auf Bitten von Nato-Generalsekretär Mark Rutte fünf PAC-3-Raketen.
Selenskyj hatte nach einem Besuch bei Trump Ende Juli zunächst Hoffnung auf eine Lizenz zur Produktion der Patriot-Raketen in der Ukraine geäußert. Trump rückte davon inzwischen ab: „We have not agreed to that. We're talking about it. But it's a hard thing to give away, that kind of technology.“ Parallel bauen zehn Länder eine eigene Raketenabwehr-Koalition auf.
Chronologie der Eskalation
28. Juli 2026
Hoffnung auf Produktionslizenz
Selenskyj äußert nach seinem Besuch bei Trump die Hoffnung auf eine Lizenz zur Produktion von Patriot-Raketen in der Ukraine.
5. August 2026
CNN-Interview mit konkreten Zahlen
Selenskyj bittet die USA um den Verkauf von Patriot-Abfangraketen und nennt erstmals die Marken 5 % und 10 %.
6. August 2026
Trump reagiert zurückhaltend
US-Präsident Trump erklärt im Weißen Haus: „We want missiles too“ und verweist auf die geleerten US-Bestände.
11. August 2026
Patriot-Mangel in Europa
Kyiv Post und Politico berichten, dass nur 29 von 195 russischen ballistischen Raketen im Juli abgefangen wurden.
13. August 2026
Telegram-Appell und UN-Bilanz
Selenskyj wiederholt den Appell auf Telegram; die UN meldet 437 getötete Zivilisten im Juli – der höchste Wert seit Mai 2022.