AfD zieht ein: Psychologische Hochschule Berlin kündigt Mietvertrag
Die Psychologische Hochschule Berlin gibt ihren Standort Am Köllnischen Park 1 auf und kündigt zum 31. März 2027 – weil die AfD dort 1.600 Quadratmeter gemietet hat. Die Vermieterin schweigt seit Monaten, 25.000 Unterschriften gegen den Einzug blieben bislang ohne Antwort.
Die Psychologische Hochschule Berlin verlässt das Bürohaus Am Köllnischen Park 1 – sie weicht der AfD aus, die dort seit dem Sommer sitzt. Die Hochschule hat den Mietvertrag zum 31. März 2027 gekündigt. Der AfD-Bundesverband hat über die Castel del Monte Immobilien GmbH rund 1.600 Quadratmeter in der fünften Etage angemietet, nach Medienberichten für 32.000 Euro im Monat.
In der Etage arbeiten nach Informationen aus dem FOCUS-Bericht über den Auszug der Hochschule bereits rund 40 Mitarbeiter. Bis Jahresende sollen 15 weitere aus Finanzen und Recht dazukommen, insgesamt dann 55 Beschäftigte. Die Partei braucht den Platz: Ihre bisherige Zentrale muss sie bis Ende 2026 räumen.
Ein Haus voller Mieter
Am Köllnischen Park 1 sitzen Oxfam Deutschland, der Arbeiter-Samariter-Bund Berlin, die Berliner Stadtwerke, eine Sprachschule und die Beratungsstelle der Hochschule für Geflüchtete. Im Juli 2026 forderten 270 Menschen aus dem Haus die Vermieterin in einem Brief auf, den Einzug zu verhindern; rbb24 Recherche über den Brief der 270 Hausbewohner machte ihn öffentlich.
Das Bündnis „Mitte liebt Vielfalt“ sammelte rund 25.000 Unterschriften gegen den AfD-Einzug und übergab sie am 30. September 2026 symbolisch per Briefkasten an die AROSE GmbH in Dahlem. Die Vermieterin ist ein Familienunternehmen des verstorbenen Unternehmers Abraham Rosenthal. Geantwortet hat sie nicht.
Keine Antwort der Vermieterin
Die AROSE GmbH beantwortet weder Anfragen der Mieter noch der Presse. Zur Bedingung des Mietvertrags gehört, dass am Haus kein AfD-Schild hängt. Günter Koch, Geschäftsführer der Hochschule, hat sich in einem offenen Brief an die Eigentümerin gewandt; sein Argument ist die Verantwortung für die Patienten der Beratungsstelle.
„Wir haben eine Fürsorgepflicht für unsere Patienten. Wir können doch nicht erst warten, bis etwas passiert.“
Günter Koch, Geschäftsführer der Psychologischen Hochschule Berlin
Ein Umzug mit Gerichtsurteil
Der Termindruck der Partei hat einen Grund: Die AfD muss ihre bisherige Bundesgeschäftsstelle in Berlin-Wittenau bis Ende 2026 räumen. Das Landgericht Berlin hatte die Räumung durchgesetzt, weil die Partei im Februar 2025 ohne Genehmigung eine Wahlparty im Innenhof gefeiert hatte. Richter Burkhard Niebisch erklärte die fristlose Kündigung wegen fehlender Abmahnung für unwirksam, die ordentliche Kündigung blieb bestehen.
Von der Wahlparty zum Mietvertrag am Köllnischen Park
23. Februar 2025
Wahlparty ohne Genehmigung
Die AfD feiert im Innenhof ihrer Bundesgeschäftsstelle in Berlin-Wittenau nach der Bundestagswahl.
26. September 2025
Gericht beschließt die Räumung
Das Landgericht Berlin verpflichtet die AfD, ihre Zentrale ein Jahr früher als geplant zu verlassen.
Juli 2026
Der neue Mietvertrag wird bekannt
Medien berichten über 1.600 Quadratmeter in der fünften Etage für 32.000 Euro im Monat.
31. Juli 2026
270 Menschen schreiben an die Vermieterin
rbb24 Recherche veröffentlicht den Brief; mehr als 19.000 Menschen unterstützen die Petition, rund 100 kommen zu einem Protest-Picknick.
30. September 2026
25.000 Unterschriften im Briefkasten
Das Bündnis „Mitte liebt Vielfalt“ übergibt sie symbolisch an die AROSE GmbH in Dahlem.
14. Oktober 2026
Die Hochschule kündigt
Die Psychologische Hochschule Berlin erklärt, sie verlasse den Standort und prüfe vier Ausweichoptionen.
Vier Ausweichquartiere für die Hochschule
Die Hochschule erklärte am 14. Oktober 2026 öffentlich, sie werde den Standort verlassen und habe den Mietvertrag zum 31. März 2027 gekündigt. Nach eigenen Angaben prüft sie vier Ausweichoptionen in der näheren Umgebung. Betroffen ist auch die Beratungsstelle für Geflüchtete, die die Hochschule im Haus betreibt.
Der ASB Berlin bestätigte im Juli 2026 ein gemeinsames Schreiben der Hausgemeinschaft an die Eigentümerin mit der Bitte um ein Gespräch; ein AfD-Sprecher konnte die Medienberichte damals nicht bestätigen. Zu einem Protest-Picknick kamen Ende Juli rund 100 Menschen; zu diesem Zeitpunkt hatte die Petition mehr als 19.000 Unterstützende.
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Was bis März 2027 offen bleibt
Für die AfD fällt der Einzug in eine Reihe von Erfolgen in Berlin: Bei der Nachzählung in Spandau gewinnt die AfD ein Direktmandat. Im Haus am Köllnischen Park bleibt dagegen die Vermieterin unsichtbar – seit dem Brief aus Dahlem hat sie sich nicht erklärt.
Bis zum 31. März 2027 muss die Hochschule aus vier geprüften Optionen einen Vertrag machen; wie viel Zeit für Umbau und einen reibungslosen Betrieb der Beratungsstelle bleibt, ist offen. Ob die AROSE GmbH ihren Mietern in dieser Zeit überhaupt noch einmal antwortet, ebenfalls.