Kurt Krömer fordert AfD auf, Rechtsextreme aus der Partei zu werfen
Kurt Krömer will die AfD umbauen und schließt weiter AfD-Anhänger von seinen Shows aus. Der Abgeordnete Dennis Hohloch hat Strafanzeige erstattet, knapp 39.000 Menschen fordern das Aus seiner ZDFneo-Show.
Kurt Krömer (51) schließt weiter alle AfD-Anhänger von seinen Auftritten aus – und verlangt nun von der AfD, sich selbst zu säubern. In einem neuen Post fordert der Berliner Komiker die Partei auf, „die ganzen Leute raus“ zu werfen, „die rechtsextrem sind“, und stattdessen eine „geile, schöne Partei“ mit politisch rechtem Profil zu bauen.
Als Vorbild nennt Krömer, bürgerlich Alexander Bojcan, die CDU der 1980er-Jahre. Zugleich beteuert er, niemandem die Wahlentscheidung vorschreiben zu wollen. Seine Programme seien nicht politisch, es gehe um mentale Gesundheit. Der Beitrag ist die jüngste Runde eines Streits, der seit gut einer Woche eskaliert.
Instagram · @kurt_kroemer_berlin
Auslöser war ein Video vom 9. Oktober, in dem Krömer AfD-Wähler als „Schweinegesichter“ beschimpfte und sie von seiner Lesetour ausschloss. Der Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch (37) erstattete Strafanzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung, die AfD-Fraktion im Landtag schloss sich an.
Ein Vorbild aus den Achtzigern
Der Tonfall des neuen Posts ist doppelt: Krömer greift die AfD an und zeigt ihr gleichzeitig einen Weg. Wer die Rechtsextremen hinauswerfe, könne eine Partei bauen, die „politisch rechts steht“ – für den Komiker offenbar ein legitimes Ziel.
„Schmeiß die ganzen Leute raus, die rechtsextrem sind, und mach eine geile, schöne Partei, die politisch rechts steht.“
Kurt Krömer, Komiker
Der Satz richtet sich an eine Partei, deren Wähler er zuvor beschimpft hat. Krömer besteht darauf, dass daraus keine Wahlempfehlung folgt: „Ich gehe nicht auf Tournee, um euch zu sagen, was ihr zu wählen habt.“ Seine Abende handelten von Depression, nicht von Parteipolitik.
Der Bann bleibt – samt Spott
Trotz des Angebots nimmt Krömer seine Ankündigung aus der Vorwoche nicht zurück. AfD-Anhänger sollen seinen Shows fernbleiben – und das möglichst deutlich.
„Kauft keine Karten, wenn ihr von der AfD seid. Spart das Geld, kauft euch einen neuen Kopp“
Kurt Krömer, Komiker
Der Spott ist Teil des Banns. Krömer will AfD-Wähler nicht im Saal und ihr Geld nicht in der Kasse; schon zuvor schrieb er, „euer Geld möchte ich nicht, das stinkt – genauso wie ihr“. Dem Bericht über Krömers jüngsten AfD-Vorstoß zufolge sagt er zugleich: „Es geht um mentale Gesundheit. Es ist nicht ein politisches Programm.“
Seine Lesetour zum Buch „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst – Meine Depression“ startet nach WELT-Angaben Ende Oktober. Dort will er über Krankheit sprechen – nicht über Wahlen.
Anzeige und knapp 39.000 Unterschriften
Hohloch begründet seinen Vorstoß mit der pauschalen Herabwürdigung aller AfD-Wähler. „Weil auch irgendwann mal solchen Menschen, die einen erheblichen Einfluss auf die Öffentlichkeit haben, Grenzen aufgezeigt werden müssen“, sagte der Abgeordnete. Die Strafanzeige gegen Krömer wegen Volksverhetzung reichte die Fraktion am 13. Oktober ein.
Dazu kommt eine Online-Petition gegen Krömers neue ZDFneo-Show „Krömers letzte Stunde“, die am 26. November um 22.15 Uhr mit vier Folgen startet. Bis Mitte Oktober unterzeichneten knapp 39.000 Menschen. Das ZDF wies eine Verbindung zu seinen Produktionen zurück und hält an Krömers neuer Show fest.
Von der Lesetour zur Strafanzeige
2022
Das Buch wird Bestseller
„Du darfst nicht alles glauben, was du denkst – Meine Depression“ erscheint bei Kiepenheuer & Witsch und wird laut Verlag das meistverkaufte Sachbuch des Jahres.
2024
Warnung vor der schweigenden Mehrheit
In der Debatte um das Potsdamer Treffen sagt Krömer, die „schweigende Mehrheit sollte jetzt langsam wach werden, sonst ist bald wieder 1933“.
9. Oktober 2026
Video mit „Schweinegesichtern“
Krömer schließt AfD-Wähler von seiner Lesetour aus und beschimpft sie als „Schweinegesichter“.
12. Oktober 2026
AfD kündigt Anzeige an
Hohloch nennt auf X Strafanzeige und Online-Petition gegen Krömers ZDF-Zusammenarbeit.
13. Oktober 2026
Strafanzeige eingereicht
Die AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag stellt Anzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung.
14. Oktober 2026
ZDF sieht keinen Zusammenhang
Krömer postet ein Foto Hohlochs, das ZDF erklärt, der Post stehe in keinem Zusammenhang mit einer Produktion. Strafrechtler Martin Heger hält die Äußerungen für nicht strafbar.
17. Oktober 2026
Krömer legt nach
Neuer Post mit AfD-Forderungen und dem erneuerten Ticket-Bann.
Rechtlich ist die Sache anders gelagert
Der Strafrechtler Martin Heger von der Humboldt-Universität hält die Äußerungen für nicht strafbar. AfD-Wähler seien keine klar abgrenzbare Gruppe, zudem greife die Kunstfreiheit. Ob die Staatsanwaltschaft trotzdem Ermittlungen aufnimmt, ist offen.
Kritik kommt auch aus der Presse. Der WELT-Redakteur Dennis Sand warf Krömer und Jan Böhmermann vor, es fehle die Pointe: „Es ist nur noch Gegnerbeschimpfung.“ Der Komiker selbst sieht sich dagegen als Unterhalter, der über Krankheit redet – nicht als Wahlkämpfer.
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Ende Oktober beginnt die Tour
Ende Oktober startet die Lesetour zu seinem Buch über seine Depression. Dort will Krömer nach eigenen Worten über Krankheit sprechen, nicht über Wahlen. An dem Ticket-Bann hält er bislang fest.
Ob die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnimmt, ist offen. Sicher ist nur der nächste Termin: Am 26. November läuft die erste Folge von „Krömers letzte Stunde“ – wenige Wochen nach dem Start seiner Tour.