ZDF hält trotz 30.000 Unterschriften an Krömers Show fest
Das ZDF will sich von Kurt Krömers Äußerungen über AfD-Wähler nicht distanzieren und hält an der neuen Show „Krömers letzte Stunde“ fest. Eine Petition gegen die Zusammenarbeit hat mehr als 30.000 Unterschriften, ein AfD-Abgeordneter hat Strafanzeige erstattet.
Das ZDF hält an der neuen Satire-Show „Krömers letzte Stunde“ fest, obwohl eine Online-Petition gegen die Zusammenarbeit mehr als 30.000 Unterschriften gesammelt hat und ein AfD-Abgeordneter Strafanzeige gegen den Komiker Kurt Krömer (51) gestellt hat.
Auslöser ist ein Video, das Krömer am 9. Oktober veröffentlichte. Darin schließt der Komiker, bürgerlich Alexander Bojcan, AfD-Wähler von seiner für September 2027 geplanten Lesetour aus und nennt sie „Schweinegesichter“.
Instagram · @kurt_kroemer_berlin
„Ich wollte mich an dieser Stelle auch nochmal an unsere geistig abgehängten Freunde von der AfD richten. Keine Tickets für AfD-Wähler, ja? Euer Geld möchte ich nicht, das stinkt – genauso wie ihr. Außerdem habe ich keine Lust, auf der Bühne zu stehen und in irgendwelche Schweinegesichter zu gucken.“
Kurt Krömer, Komiker und Satiriker
Der AfD-Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch (37) nennt diese Sätze eine „pauschale Herabwürdigung von Menschen“. Betroffen seien nicht nur AfD-Mitglieder, sondern eine „viel größere Gruppe“ – die der AfD-Wähler. Es müssten „irgendwann mal solchen Menschen, die einen erheblichen Einfluss auf die Öffentlichkeit haben, Grenzen aufgezeigt werden“, sagt Hohloch.
ZDF verweist auf fehlenden Produktionsbezug
Zu Krömers Post teilte das ZDF nur mit, dieser sei „eine Äußerung, die in keinem Zusammenhang mit einer Produktion des ZDF steht“. Eine inhaltliche Verurteilung oder Distanzierung unterblieb, Konsequenzen für die geplante Show kündigte der Sender nicht an. Mehr als diese ZDF-Reaktion auf Krömers Aussagen über AfD-Wähler gab es zunächst nicht.
An „Krömers letzte Stunde“ hält der Sender fest: Vier Folgen mit je zwei Gästen sollen wöchentlich um 22:15 Uhr auf ZDFneo und im Streamingportal des ZDF laufen, Start ist der 26. November 2026.
Der Streit um ZDF-Satire und AfD ist nicht neu. Erst Mitte Oktober meldete der Sender nach einem Einspieler im „ZDF Magazin Royale“, in dem Jan Böhmermann als AfD-Politiker Ulrich Siegmund mehrfach von einem Lkw überrollt wird, mehr als 100 Beschwerden über den Böhmermann-Einspieler.
Strafanzeige, Petition und ein Sitz im Rundfunkrat
Hohloch erstattete am 14. Oktober Strafanzeige wegen Verdachts der Volksverhetzung gegen Krömer, zugleich startete er die Online-Petition „AfD-Wähler als ‚Schweinegesichter‘ – ZDF muss die Zusammenarbeit mit Kurt Krömer beenden!“. Bis Mittwochabend unterzeichneten sie mehr als 30.000 Menschen.
Hohloch ist Mitglied des rbb-Rundfunkrats und will sich dort die Vertragsdetails früherer Krömer-Zusammenarbeit ansehen. Der Streit fällt in eine aufgeheizte Lage zwischen Fernsehleuten und AfD: Der Entertainer Hape Kerkeling fordert nach einer Hasswelle gegen sich eine erneute Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens.
Strafrechtler hält Aussagen für nicht strafbar
Der Strafrechtler Martin Heger von der Humboldt-Universität zu Berlin hält Krömers Sätze für nicht strafbar. Eine Beleidigung wäre erst dann gegeben, wenn Krömer einem AfD-Wähler persönlich ins Gesicht sage, alle AfD-Wähler seien Schweine – dann wäre es die Beleidigung dieser einen Person. Heger erwartet, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellt.
Krömer selbst reagiert mit Spott auf die Petition. In einem weiteren Video sagt er über Hohloch: „Der Mann hinter der ZDF Petition.“ Und: „Jetzt geht es richtig ab, ich muss morgen zum Arzt gehen, ich muss erst mal gucken, weil ich schon sehr alt bin, ob ich überhaupt prozessfähig bin.“
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Offenes Verfahren, geplante Lesetour
Ob die Staatsanwaltschaft überhaupt Ermittlungen aufnimmt, war am 13. Oktober offen; Krömers Management war für den rbb nicht erreichbar. Hohloch will die Strafbarkeit vor Gericht klären lassen.
Krömer plant weiter seine Lesetour ab September 2027 zu dem Buch „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“. Ob das ZDF seinen Kurs hält, zeigt sich mit der ersten Folge am 26. November – und damit, ob die Staatsanwaltschaft ein Verfahren eröffnet.