Seit seiner Rede im Thüringer Landtag wird Hape Kerkeling (61) mit Hassnachrichten und Drohungen überzogen. Am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober, machte der Entertainer die Angriffe in einem Video öffentlich – und sagte, er sei „überwältigt von den unzähligen, berührenden Reaktionen“.
So deutlich wie selten bekräftigt Kerkeling darin seine Forderung an die Politik. Der WDR dokumentiert seinen Appell für ein AfD-Verbotsverfahren: „Handelt. Jetzt. Leitet die überfällige Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die rechtsextremistische AfD ein.“ Die Schmähungen und Drohungen durch Rechtsextremisten seien „mittlerweile an Brutalität kaum zu überbieten“, so Kerkeling.
Der Ton seiner Botschaft ist grundsätzlich: „Wir sind in Deutschland an einem Punkt angekommen, an dem es Mut und Kraft kostet, für unsere freiheitliche Gesellschaft einzutreten“, sagt Kerkeling. Die Reaktionen darauf fallen gespalten aus – news.de meldet heftige Kritik an seinem AfD-Appell, aber auch „reichlich Zuspruch“.
Prominente solidarisieren sich
Unter dem Beitrag melden sich prominente Kollegen zu Wort. Die Reaktionen hat t-online über die Hasswelle und die Promi-Solidarität zusammengetragen: RTL-Moderator Steffen Hallaschka, Schauspieler Sky du Mont (79) und Schauspielerin Nina Bott.
„Zunächst Chapeau für deinen Entschluss, an die Öffentlichkeit zu gehen! Ich bin entsetzt über die offenen, hasserfüllten Kommentare. Ich schäme mich, dass so etwas, nach unserer Geschichte, wieder möglich ist.“
Du Monts Verweis auf „unsere Geschichte“ ordnet die Hasswelle in den Zusammenhang ein, in dem Kerkeling seit Monaten argumentiert. Auch Nina Bott hält sich kurz: Sie kommentierte den Beitrag laut t-online mit „Danke schön.“ Dass Prominente gegen Hassnachrichten juristisch vorgehen, ist kein Einzelfall – Danni Büchners Strafanzeige gegen ihre Hater zeigt, wie weit die Angriffe gehen können.
Erste Anhörung, scharfer Gegenwind
Der Hass folgt auf Kerkelings Auftritt am 30. September in Erfurt. Bei der Anhörung zu einem AfD-Verbot im Erfurter Landtag sprach er auf Einladung der Linke-Fraktion – es war die erste öffentliche Anhörung eines deutschen Parlamentsausschusses zu einem AfD-Verbotsverfahren. Schon dort berichtete er von Anfeindungen; der Staatsschutz sei „dauerbeschäftigt“.
Seine Begründung ist historisch: „Wer die verbrecherische Vergangenheit dieses Landes verharmlost und umdichtet, verwirkt jede politische Daseinsberechtigung in unserer Demokratie“, sagte Kerkeling.
Gegenwind kam auch aus der Politik: AfD-Fraktionsvize Daniel Haseloff kritisierte Kerkelings „skandalöse Aussagen“, Hans-Georg Maaßen bestreitet die Erfolgsaussichten eines Verbotsverfahrens.
Vom Gedenken in Buchenwald nach Erfurt
Kerkelings politisches Engagement begann nicht erst im Herbst. Am 12. April 2026 sprach er beim Gedenken zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald und erinnerte an seinen Großvater Hermann, der dort inhaftiert worden war. Die Rede wurde bundesweit beachtet.
Kerkelings Weg von Buchenwald zum AfD-Appell
- 12. April 2026Rede in Buchenwald
Beim Gedenken an die Befreiung des KZ Buchenwald erinnert Kerkeling an seinen dort inhaftierten Großvater Hermann.
- 30. September 2026Anhörung im Thüringer Landtag
Auf Einladung der Linke-Fraktion spricht Kerkeling in Erfurt bei der ersten öffentlichen Anhörung eines deutschen Parlamentsausschusses zu einem AfD-Verbotsverfahren – und berichtet von Anfeindungen.
- 1. Oktober 2026Erste Reaktionen
Medien berichten breit über die Anhörung. AfD-Fraktionsvize Haseloff nennt Kerkelings Aussagen „skandalös“, Maaßen bestreitet die Erfolgsaussichten eines Verbots.
- 3. Oktober 2026Video am Tag der Deutschen Einheit
Kerkeling schildert Hassnachrichten und Bedrohungen, fordert erneut eine Verbotsprüfung und zeigt sich überwältigt von den Reaktionen.
- 4. Oktober 2026Bericht über die Hasswelle
t-online berichtet unter dem Titel „Ich schäme mich“ über die Hasswelle und die Solidarität prominenter Kollegen.
Petition will Kerkeling als Bundespräsident
Hallaschkas Kommentar spielt auf eine Online-Petition bei WeAct an, die den Entertainer als Nachfolger von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fordert. Die Wahl des neuen Bundespräsidenten ist auf den 30. Januar 2027 angesetzt; nach zwei Amtszeiten darf Steinmeier nicht erneut antreten.
„Danke, ich nenne dich jetzt so lange Präsident, bis du es bist.“
Mit diesem Satz macht der RTL-Moderator aus einem Solidaritätskommentar eine Empfehlung für das höchste Staatsamt. Ob Kerkelings Ruf nach einer Verbotsprüfung politisch aufgegriffen wird, ist offen. Bis zur Wahl des Bundespräsidenten am 30. Januar 2027 muss sich zeigen, ob daraus mehr wird als eine Momentaufnahme.
