Johannes Winkel mit 94,3 Prozent als JU-Chef wiedergewählt
Johannes Winkel bleibt Chef der Jungen Union – mit seinem bisher besten Ergebnis. Doch statt Dankesreden liefert der 34-Jährige eine Abrechnung mit dem Kurs der CDU und eine klare Absage an die AfD. Am Freitag muss er das Bundeskanzler Friedrich Merz ins Gesicht sagen.
Johannes Winkel bleibt Chef der Jungen Union – und nimmt dafür den offenen Bruch mit dem Kurs der Mutterpartei in Kauf. Beim 78. Deutschlandtag in Bonn wählten die Delegierten den 34-Jährigen am Abend mit 265 von 283 gültigen Stimmen wieder.
Ohne die zwei Enthaltungen ergibt das 94,3 Prozent Zustimmung – Winkels Wiederwahl mit Rekordergebnis. 2022 war er bei seiner ersten Wahl auf 87,0 Prozent gekommen, 2024 auf 90,5 Prozent. Ein Gegenkandidat trat nicht an.
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Winkels Ergebnisse bei den Deutschlandtagen
Zustimmung der Delegierten bei der Wahl des Bundesvorsitzenden
Quelle: Medienberichte, Oktober 2026
Abrechnung mit der eigenen Partei
Der Auftakt geriet zur Abrechnung. Die CDU mache „Politik wie 2010“, rief Winkel den Delegierten zu; die Union antworte mit Rezepten von gestern. Nach drei verlorenen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und Umfragewerten unter 20 Prozent nannte er die Lage ernst.
Zugleich rief er zur Zuversicht auf: „Unsere Generation hat mit dieser Union noch einiges vor.“ Gegenüber der Parteispitze pochte er auf Eigenständigkeit – „Wir machen unser eigenes Ding“ – und wehrte sich gegen Manuela Schwesig: Von der Ministerpräsidentin lasse sich die Junge Union in Fragen von Anstand und Haltung „ganz bestimmt nicht“ belehren.
„Wir sind hier kein Kanzlerwahlverein mehr. Und in der Jungen Union ganz sicher schon mal gar nicht mehr.“
Johannes Winkel, Bundesvorsitzender der Jungen Union
Absage an die AfD
Deutlicher als beim eigenen Personal wurde Winkel bei der AfD. Eine Zusammenarbeit mit der Partei schloss er für die gesamte Junge Union aus, solange diese „völkische Positionen bezieht und Extremisten in ihren Reihen duldet“. Das sei kein Wahltaktik-Kalkül.
Vielmehr eine Charakterfrage: „Das ist für mich eine Frage des Charakters und nicht der Umfragewerte.“ Der Satz fällt in eine Lage, in der die Union bei 19 Prozent festhängt und die AfD mit 26 Prozent vorn liegt. Für Winkel ändert das nichts.
„Solange die AfD völkische Positionen bezieht und Extremisten in ihren Reihen duldet, solange werden wir nicht mit dieser Partei zusammenarbeiten.“
Johannes Winkel, Bundesvorsitzender der Jungen Union
Merz gratuliert, redet aber erst am Freitag
Bundeskanzler Friedrich Merz ließ den Widerspruch nicht unbeantwortet. Er gratulierte Winkel noch am Wahlabend und nannte ihn den „zentralen Antreiber“ und die „starke Stimme der jungen Generation“ der Union. Der Ton zwischen Kanzler und Parteijugend bleibt trotzdem rau.
Die Aussprache folgt am Freitag, wenn Merz selbst vor die Delegierten in Bonn tritt; für den Tag danach ist CSU-Chef Markus Söder angekündigt. Für den Kanzler ist der Auftritt heikel – Merz trifft auf die Parteijugend, die ihm zuletzt offen widersprochen hat.
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Ein Mandat für den schärferen Ton
Der Deutschlandtag ist das 78. Treffen der rund 90.000 Mitglieder starken Jugendorganisation von CDU und CSU. Den Auftakt bestritt Hendrik Wüst, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident, mit der ersten Gastrede; das Motto lautet „Lust auf Zukunft – Deutschland zum KI-Anwendungsweltmeister machen“.
Der Streit um das Rentenpaket der schwarz-roten Koalition bleibt daneben stehen. Schon beim Deutschlandtag 2025 hatte sich die JU offen dagegen gestellt – der Widerstand der Jungen Union gegen das Rentenpaket gehört zu den offenen Baustellen zwischen Winkel und Merz. Wie hart der neue Ton wird, zeigt sich, sobald der Kanzler am Freitag ans Rednerpult tritt.