Briefporto steigt 2027 auf 1,15 Euro – Maxibrief plus 72 Prozent
Bild: KI-generiert
Deutsche Post

Briefporto steigt 2027 auf 1,15 Euro – Maxibrief plus 72 Prozent

Der Standardbrief soll 1,15 Euro kosten, der Maxibrief sogar 72 Prozent mehr. Der Sozialverband warnt vor Nachteilen für Ältere, die Bundesnetzagentur entscheidet erst im November.

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Der Standardbrief kostet ab 1. Januar 2027 in Deutschland 1,15 Euro – 20 Cent mehr als bisher und so teuer wie nie. Der Maxibrief springt von 2,90 auf 5,00 Euro, ein Aufschlag von 72 Prozent.

Die Deutsche Post kündigte die neuen Preise am 20. Oktober in Bonn an. Sie gelten vorbehaltlich der abschließenden Genehmigung durch die Bundesnetzagentur; deren Branchenkonsultation läuft bis 30. Oktober, die Endentscheidung wird im November erwartet.

In der Mitteilung der Post zur Portoanpassung 2027 bestätigt der Konzern die Preise für alle Formate. Sie sollen zwei Jahre lang bis Ende 2028 gelten.

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Maxibrief verteuert sich um 72 Prozent

Am härtesten trifft es große Sendungen: Der Maxibrief steigt von 2,90 auf 5,00 Euro, der Großbrief von 1,80 auf 2,35 Euro, der Kompaktbrief von 1,10 auf 1,25 Euro. Die Postkarte kostet ebenfalls 1,15 Euro, ein Standardbrief ins Ausland künftig 1,45 Euro.

Briefporto: alte und neue Preise im Vergleich

Preise in Euro je Sendungsformat

Quelle: Deutsche Post AG, 20. Oktober 2026

Unverändert bleiben im Grundpreis nur Einschreiben und Postfach. Wer regelmäßig große Sendungen verschickt, zahlt für den Maxibrief künftig fast das Doppelte – dabei stockt die Post dieses Format 2027 zugleich auf zwei Kilogramm auf.

Der Umschlag darf nur noch drei Zentimeter dick sein

Zum 1. Januar 2027 baut die Post auch das Sortiment um. Briefe dürfen nur noch drei Zentimeter dick sein, der Großbrief wächst auf drei Zentimeter und ein Kilogramm, der Maxibrief auf zwei Kilogramm.

Das Päckchen bekommt Sendungsverfolgung und eine Haftung bis 20 Euro bei höchstens einem Kilogramm. 2027 wird für Verbraucher ohnehin teurer: Das Deutschlandticket soll auf 66,90 Euro steigen.

Post verweist auf sinkende Briefmengen

Die Zahl der Briefe sinkt seit Jahren: 2005 wurden in Deutschland 16,9 Milliarden Sendungen gezählt, 2025 waren es knapp 9,4 Milliarden. Zugleich muss die Post ein flächendeckendes Netz aus Briefkästen und Filialen für ganz Deutschland vorhalten.

Erst 2025 war der Standardbrief von 85 auf 95 Cent gestiegen, damals mit einem Spielraum von 10,48 Prozent. 2012 kostete ein Brief 55 Cent – der Preis hat sich damit binnen 15 Jahren mehr als verdoppelt.

Vorständin Nikola Hagleitner verteidigt die Erhöhung mit genau dieser Rechnung – und mit den steigenden Personal-, Energie- und Sachkosten.

„Die Briefmengen sinken seit Jahren deutlich, während die Personal-, Energie- und Sachkosten steigen. Gleichzeitig müssen wir auch künftig ein flächendeckendes Netz aus Briefkästen und Filialen für ganz Deutschland vorhalten. Wenn immer weniger Briefe über diese Infrastruktur laufen, steigen die Kosten pro Brief zwangsläufig.“
Nikola Hagleitner, Vorständin Post & Paket Deutschland

Auf staatliche Hilfe kann der Konzern nach eigener Darstellung nicht setzen. Hagleitner: „Anders als in vielen anderen europäischen Ländern erfolgt dieser Umbau ohne staatliche Unterstützung. Deshalb sind Preiserhöhungen unvermeidbar.“

Sozialverband sieht Ältere im Nachteil

Widerspruch kommt vom Sozialverband Deutschland. Seine Vorsitzende Michaela Engelmeier sieht vor allem Menschen benachteiligt, die nicht einfach auf digitale Formate ausweichen können.

„Wir sind besorgt, dass gerade ältere, kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen durch die Portoerhöhung noch stärker benachteiligt werden, denn sie können oft nicht auf digitale Formate ausweichen.“
Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende Sozialverband Deutschland

Aus der Politik kommt eine verhaltene Reaktion. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff sagte, wichtig sei, „dass wir die qualitativ hochwertige deutschlandweite Versorgung zu moderaten Preisen weiterhin sicherstellen können“.

Bundesnetzagentur entscheidet im November

Am 12. Oktober legte die Bundesnetzagentur ihren Entwurf vor: Er erlaubt für 2027 und 2028 einen Preiserhöhungsspielraum von 20,35 Prozent bei Briefen und 10,72 Prozent bei Privatkundenpaketen.

Behördenpräsident Klaus Müller begründet den Rahmen mit der Digitalisierung: „Wenn die Kosten unter anderem aufgrund der zunehmenden Digitalisierung auf weniger Briefe zu verteilen sind, steigen die Preise.“

Von 16,9 Milliarden Briefen zum Rekordporto

  1. 2005
    Höchststand beim Briefaufkommen

    16,9 Milliarden Briefsendungen werden in Deutschland gezählt – so viele wie nie zuvor.

  2. 2012
    Standardbrief kostet 55 Cent

    Bis 2027 wird sich der Preis damit mehr als verdoppeln.

  3. 2025
    Briefmenge sinkt auf knapp 9,4 Milliarden

    Zugleich steigt der Standardbrief von 85 auf 95 Cent, der Spielraum liegt bei 10,48 Prozent.

  4. 12. Oktober 2026
    Bundesnetzagentur legt Entwurf vor

    20,35 Prozent Spielraum für Briefe in den Jahren 2027 und 2028, 10,72 Prozent bei Privatkundenpaketen.

  5. 20. Oktober 2026
    Post kündigt neue Preise an

    Standardbrief 1,15 Euro, Maxibrief 5,00 Euro, Auslandsbrief 1,45 Euro – noch unter Genehmigungsvorbehalt.

  6. 1. Januar 2027
    Neue Preise und neues Sortiment

    Die Preise gelten zwei Jahre bis Ende 2028; Briefe dürfen nur noch drei Zentimeter dick sein.

Bis 30. Oktober können Post, Wettbewerber und Verbraucherschützer noch Stellungnahmen zum Entwurf einreichen, im November fällt die endgültige Entscheidung. Erst danach steht fest, ob der Standardbrief wirklich 1,15 Euro kostet – und ob der Maxibrief bei 5,00 Euro landet.