Von den 16,7 Cent je Liter, die der Tankrabatt rechnerisch bringt, kommen an der Zapfsäule nur 10 bis 11 Cent an. Zwei Wochen nach dem Start beziffert das DIW Berlin die Weitergabe auf rund 67 Prozent.
Das geht aus der Zwischenbilanz des DIW zum Tankrabatt hervor. Danach ist die Entlastung zuletzt sogar geschrumpft: Seit dem 8. Oktober liegt die Weitergabe im Durchschnitt nur noch bei 9 Cent je Liter.
An der Zapfsäule ist davon wenig zu spüren. Am Mittwoch kostete E10 im Bundesschnitt 2,146 Euro, Diesel 2,255 Euro – gut 3 Cent mehr als am ersten Rabatttag. Schon die Spritpreise vier Tage nach dem Tankrabatt-Start lagen über dem Auftaktniveau.
Der erste Rabatt endete mit einer ähnlichen Lücke
Es ist der zweite Anlauf. Schon der erste Tankrabatt vom 1. Mai bis zum 30. Juni kam nur teilweise an; in den letzten Wochen waren es laut DIW nur noch 7 bis 11 Cent je Liter. Mitte Juni hatte die Monopolkommission noch 15 bis 16 Cent gemessen, in Süddeutschland 13,3 bis 14,9 Cent.
Der zweite Rabatt gilt seit dem 1. Oktober und läuft bis zum 31. Dezember. Er senkt die Energiesteuer um 14,04 Cent je Liter, mit Mehrwertsteuer sind es 16,7 Cent. Bund und Länder kostet das rund 2,5 Milliarden Euro; Bundestag und Bundesrat beschlossen es am 25. September.
Vom ersten Rabatt zur Zwischenbilanz
- 1. Mai 2026Erster Tankrabatt startet
Die Energiesteuer sinkt um rechnerisch 16,7 Cent je Liter inklusive Umsatzsteuer.
- 16. Juni 2026Monopolkommission misst 15 bis 16 Cent
In Süddeutschland kommen 13,3 bis 14,9 Cent je Liter an.
- 30. Juni 2026Erster Rabatt läuft aus
Zuletzt kommen laut DIW nur noch 7 bis 11 Cent je Liter an der Zapfsäule an.
- 25. September 2026Bundestag und Bundesrat beschließen zweiten Rabatt
Er gilt vom 1. Oktober bis 31. Dezember und kostet rund 2,5 Milliarden Euro.
- 1. Oktober 2026Zweiter Rabatt startet
Die Energiesteuer sinkt um 14,04 Cent je Liter.
- 8. Oktober 2026Weitergabe sinkt auf 9 Cent
Seit diesem Tag liegt sie laut DIW im Durchschnitt nur noch bei 9 Cent je Liter.
- 15. Oktober 2026DIW legt Zwischenbilanz vor
Nur rund 67 Prozent der Steuersenkung kommen an; das Institut fordert konsequente Kartellamts-Untersuchungen.
Frankreich zeigt, wie groß die Lücke ist
Für die Auswertung vergleicht das DIW die Preisentwicklung in Deutschland mit Frankreich, wo es keinen Tankrabatt gibt. In den ersten Oktobertagen sanken die Preise hierzulande um rund 12 Cent stärker als beim Nachbarn, bei Diesel um bis zu 13,6 Cent.
Wie hoch die Weitergabe ausfällt, hängt auch vom Referenztag ab. Nimmt man den 27. September statt des 30. September als Ausgangspunkt, ergibt sich eine Weitergabe von über 80 Prozent.
Der DIW-Wettbewerbsexperte Tomaso Duso beziffert den Abstand zum Nachbarland so:
„Seit dem 1. Oktober sind die Preise in Deutschland im Durchschnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gesunken als in Frankreich, wo es keinen Rabatt gibt“
Schwacher Wettbewerb im Großhandel
Duso verortet die Ursache nicht erst an der Zapfsäule. Ob die Steuersenkung ankomme, hänge vom Wettbewerb auf der Handelsstufe ab – und dort sei er schwach:
„Ob sie weitergegeben wird, hängt vom Wettbewerb auf dieser Stufe ab. Und dort gibt es deutliche Hinweise, dass der Wettbewerb schwach ist.“
Der Befund sei kein Sonderfall des Tankrabatts, betont Duso: „Der dortige mangelnde Wettbewerb ist nicht nur in Zeiten des Tankrabatts ein Problem.“ Das DIW dringt deshalb auf konsequente Untersuchungen durch das Kartellamt. Im Juli hatte das Kartellamt Verfahren gegen alle zwölf Raffinerien eröffnet.
Kartellamt sieht nur kleine Lücken
Das Bundeskartellamt hat die Weitergabe auf Raffinerie- und Großhandelsebene selbst geprüft und zeichnet ein anderes Bild:
„Die bisherigen Auswertungen deuten darauf hin, dass die Weitergabe der Steuersenkung schon auf Ebene der Raffinerien und des Großhandels zwar weitgehend, aber nicht ganz vollständig erfolgt ist“
Bei Benzin sei die Lücke etwas größer als bei Diesel, sagte Mundt. Mehr Preiskontrolle kann die Behörde nach eigener Darstellung nicht anordnen – sie sei keine Preisaufsicht. Der ADAC fordert dagegen eine vollständige Weitergabe der Senkung.
Bewertung erst im Januar
Im Januar 2027 will das DIW Berlin den Rabatt insgesamt bewerten. Bis dahin führt das Institut seinen Tankrabatt-Monitor weiter, der die Preise in Deutschland mit denen in Frankreich vergleicht.
Am 31. Dezember endet der Rabatt. Offen ist, ob der Bund danach nachlegt und ob das Kartellamt aus seinen laufenden Verfahren Konsequenzen zieht – ab Januar zahlen Autofahrer sonst wieder die vollen 16,7 Cent.
