Bundeswehr stuft russische Sabotagegefahr erstmals als erheblich ein
Bild: KI-generiert
Drohnenkrieg

Bundeswehr stuft russische Sabotagegefahr erstmals als erheblich ein

Eine Konservendose voller Sprengstoff, ein Fliegerhorst in Niedersachsen, zwei Jahre unbemerkt: Die Bundeswehr stuft die Gefahr russischer Sabotage erstmals als „erheblich“ ein – und rechnet mit weiteren Aktionen.

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Die Bundeswehr hält russische Sabotageanschläge auf deutsche Streitkräfte im eigenen Land erstmals für „erheblich“ – die zweithöchste Stufe ihrer militärischen Bewertungsskala. Das geht aus einem internen Papier der Bundeswehr zur Sabotagegefahr hervor.

Auslöser sind zwei Drohnen mit Sprengstoff an Bundeswehrstandorten. Anfang August 2026 entdeckten Sicherheitskräfte am Flughafen Leipzig/Halle ein solches Fluggerät neben ukrainischen Frachtflugzeugen. Mitte September fand ein Landwirt nahe dem Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen ein baugleiches.

Von Leipzig nach Wunstorf

Chronologie der Drohnenfunde

  1. Anfang August 2026
    Sprengdrohne in Leipzig/Halle entdeckt

    Neben ukrainischen Frachtflugzeugen wird ein mit Sprengstoff bestücktes Fluggerät gefunden. Der Anschlag schlägt fehl.

  2. 17. September 2026
    Fund bei Wunstorf

    Ein Landwirt entdeckt unweit des Fliegerhorsts Wunstorf eine offenbar abgestürzte Drohne, die dem Leipziger Gerät in der Bauweise ähnelt.

  3. 22. September 2026
    Sprengstoffspuren gemeldet

    NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichten, dass nahe der abgestürzten Drohne eine verdächtige Substanz gefunden wurde.

  4. September/Oktober 2026
    Analyse des Bundeskriminalamts

    Die Wunstorfer Drohne trug eine Konservendose mit hochexplosivem Sprengstoff und lag vermutlich schon zwei Jahre am Standort.

  5. 5. Oktober 2026
    Anhörung im Kontrollgremium

    BND, Bundesamt für Verfassungsschutz und MAD sagen im Parlamentarischen Kontrollgremium aus.

  6. 16. Oktober 2026
    Bundestag debattiert

    In einer Aktuellen Stunde geht es um Spionage, Sabotage, hybride Angriffe und die Reform des Nachrichtendienstrechts.

  7. 21. Oktober 2026
    Interne Einstufung wird bekannt

    WDR und Süddeutsche Zeitung berichten über das Papier, das die Sabotagegefahr erstmals als „erheblich“ bewertet.

Die Wunstorfer Drohne trug nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts eine Konservendose mit hochexplosivem Sprengstoff. Vermutlich lag sie bereits zwei Jahre in der Nähe des Bundeswehrstützpunkts – unbemerkt.

In Leipzig schlug der Anschlag fehl. Erst am 22. September 2026 meldeten Ermittler von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, dass neben der abgestürzten Drohne eine verdächtige Substanz gefunden wurde: Sprengstoffspuren.

Leipzig galt nur als mittelbare Gefahr

Die Analyse unterscheidet zwischen den beiden Fällen. Leipzig bewertet sie noch als „mittelbare“ Bedrohung, Wunstorf dagegen als Fall „direkter Betroffenheit“ der Bundeswehr als Ziel. Dort sollte mutmaßlich Militärflugzeugtechnik attackiert werden.

Das Papier spricht davon, Russland habe mit Drohnen als „kinetischem Wirkmittel“ eine „bisher antizipierte rote Linie“ überschritten. Für die kommenden Wochen prognostiziert es eine „kurzfristige Lageverschärfung“ mit „Aktionen in naher Zukunft“.

Jäger warnt vor gewaltsamem Konflikt

Am 5. Oktober 2026 sagte BND-Präsident Martin Jäger bei der öffentlichen Anhörung im Parlamentarischen Kontrollgremium: „Deutschland ist in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland zu geraten.“ Zugleich warnte er vor einem „Schattenkrieg“.

„Russland stellt die Bundesrepublik jeden Tag auf die Probe.“
Marc Henrichmann, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums

Henrichmann führt den Ausschuss, der die Nachrichtendienste kontrolliert. Seine Formulierung fällt in dieselbe Zeit, in der der Bundestag am 16. Oktober über Spionage, Sabotage und hybride Angriffe sowie die Reform des Nachrichtendienstrechts debattierte. Wie groß die Fallzahlen sind, zeigt das BKA-Lagebild zu Sabotageverdachtsfällen und Drohnenvorfällen.

Absicherung der Standorte verstärkt

Die Bundeswehr bestätigt inzwischen ein erhebliches Sabotagerisiko und sichert ihre Standorte verstärkt ab. Der Fund von Wunstorf trifft sie an einer empfindlichen Stelle: Ein Fluggerät mit Sprengstoff konnte offenbar über Jahre vor einem Fliegerhorst liegen, ohne entdeckt zu werden.

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Zugleich prüfen europäische Staaten, ob Energieversorger und Infrastrukturbetreiber mehr Rechte bekommen sollen, um Drohnen abzufangen – laut Reuters laufen dazu Überlegungen zu mehr Drohnenabwehr-Rechten für Infrastruktur. Für die Bundeswehr bleibt die Frage, was die im Papier erwarteten „Aktionen in naher Zukunft“ konkret bedeuten – und ob die Schutzmaßnahmen an den Standorten bis dahin greifen.