BKA registriert 165 Sabotageverdachtsfälle und 747 Drohnenvorfälle
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Hybride Bedrohung

BKA registriert 165 Sabotageverdachtsfälle und 747 Drohnenvorfälle

Deutschland wird 2026 massiv ausgespäht und sabotiert: Ein vertrauliches BKA-Lagebild registriert mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle und 747 Drohnenvorfälle. Zuletzt wurden zwei Umspannwerke angegriffen.

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Deutschland erlebt 2026 eine bislang ungekannte Welle von Spionage, Sabotage und Drohnenüberflügen. Ein vertrauliches Lagebild des Bundeskriminalamts (BKA), das NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung vorliegt, registriert bis Ende August mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle und 747 Drohnenvorfälle. Die jüngsten Anschläge auf zwei Umspannwerke zeigen: Die Täter zielen zunehmend auf die Energieversorgung.

Das Papier entstand aus der Arbeit des Gemeinsamen Abwehrzentrums Hybrid (GAZ-Hybrid), das Mitte Juni 2026 in Berlin eingeweiht worden war. Die Behörden erfassen darin Sabotageakte, Spionagefälle und Drohnenüberflüge über kritischer Infrastruktur – ein Zusammenspiel, das Sicherheitsbehörden als hybride Bedrohung einstufen. Der Bericht der Tagesschau zum Lagebild nennt die Zahlen als erstes.

Sabotage: mehr als 165 Verdachtsfälle

Mit Stand Ende August 2026 registrierten die Behörden bundesweit mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle. Zum Vergleich: Für das gesamte Vorjahr 2025 hatte eine frühere BKA-Analyse bereits mehr als 320 Fälle gezählt. Die aktuelle Zahl für 2026 erreicht damit schon nach acht Monaten mehr als die Hälfte des Vorjahreswerts.

Darunter sind auch Taten, die auf eine neue Qualität hybrider Angriffe hindeuten. So werden etwa Drohnen zur Ausspähung eingesetzt, und die jüngsten Anschläge auf zwei Umspannwerke zeigen, dass selbst gebastelte Vorrichtungen gezielt Stromnetze treffen sollen.

Spionage: 24 Ermittlungsverfahren, 112 Straftaten

Der Generalbundesanwalt und die Schwerpunktstaatsanwaltschaften der Länder haben laut BKA 2026 bislang 24 Ermittlungsverfahren wegen Spionage eingeleitet, davon zwölf wegen Cyberspionage; hinzu kommen 40 weitere Prüfvorgänge. Die Polizeien in Bund und Ländern stellten seit Jahresbeginn 112 Straftaten mit Spionagebezug fest.

Mehr als 60 Mal ging es um das sogenannte sicherheitsgefährdende Abbilden – unerlaubtes Fotografieren oder Filmen militärischer Einrichtungen oder Rüstungsgüter. In 26 weiteren Delikten wird sogar Agententätigkeit zu Sabotagezwecken vermutet. Die Schwerpunkte liegen in Brandenburg (23), Nordrhein-Westfalen (21), Schleswig-Holstein (21) und Niedersachsen (15).

Straftaten mit Spionagebezug nach Bundesländern (2026)

Stand Ende August 2026

Quelle: BKA-Lagebild

Drohnen: 747 Vorfälle, 1.068 Drohnen

Von Januar bis Ende August 2026 wurden bundesweit 747 Vorfälle registriert, bei denen 1.068 Drohnen über Anlagen der kritischen Infrastruktur, militärischen Einrichtungen und Rüstungsunternehmen gesichtet wurden. 2025 waren es insgesamt rund 1.300 Drohnen-Sachverhalte. Nur selten gelang es, Drohnenpiloten ausfindig zu machen.

Im Juli wurde allerdings ein Moldauer in Bayern festgenommen; er soll mit einer Drohne das Rüstungsunternehmen KNDS ausgespäht haben. Die Ermittler vermuten, er könnte im Auftrag staatlicher Stellen in Russland gehandelt haben. Auch die Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt wurde zeigt die neue Gefahr.

Anschläge auf die Stromversorgung

Die Vorgehensweise ist ungewöhnlich, die Idee simpel: Selbstgebastelte Geschosse, die wie überdimensionierte Silvesterraketen wirken, werden aus Röhren abgefeuert. Daran hängen Metallhaken und Kupferdrähte, die sich über Hochspannungsleitungen legen und einen Kurzschluss verursachen. So geschehen am Dienstagmorgen, dem 1. September 2026, am Umspannwerk Jänschwalde in Brandenburg.

Am Folgetag wurde das Umspannwerk in Bergheim bei Köln attackiert. In Brandenburg entdeckte die Polizei eine zweistellige Zahl an Vorrichtungen; in NRW wurden sechs Abschussvorrichtungen in einem angrenzenden Maisfeld gefunden. Durch den Kurzschluss fielen fünf Braunkohle-Blöcke von RWE Power aus – rund 3.000 Megawatt. Bericht des rbb über den Anschlag schildert die Ermittlungen.

Chronologie der Bedrohung

  1. Mitte Juni 2026
    GAZ-Hybrid eingeweiht

    Das Gemeinsame Abwehrzentrum Hybrid nimmt in Berlin seine Arbeit auf.

  2. Juli 2026
    Moldauer in Bayern festgenommen

    Ein Mann soll mit einer Drohne das Rüstungsunternehmen KNDS ausgespäht haben.

  3. 9. August 2026
    Drohnen über Großenkneten

    An einer Erdgasaufbereitungsanlage werden nachts Drohnen gesichtet; ein Wachmann wird von zwei vermummten Personen angegriffen.

  4. 1. September 2026
    Anschlag auf Umspannwerk Jänschwalde

    Selbstgebaute Geschosse sollen Kurzschlüsse an Hochspannungsleitungen auslösen.

  5. 2. September 2026
    Anschlag auf Umspannwerk Bergheim

    Sechs Abschussvorrichtungen in einem Maisfeld gefunden; fünf Braunkohle-Blöcke fallen aus.

  6. 3. September 2026
    BKA-Lagebild wird bekannt

    NDR, WDR und SZ berichten über die Zahlen zu Sabotage, Spionage und Drohnen.

Politische Reaktionen

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann sprach von „hybrider Bedrohung“ und schloss nicht aus, dass fremde Mächte dahinterstecken. NRW-Innenminister Herbert Reul betonte: „Wer da rangeht, greift unser Land an.“ Beide Länder ermitteln wegen Terrorismus oder verfassungsfeindlicher Sabotage; ein Zusammenhang zwischen den Taten gilt als wahrscheinlich.

Das ist hybride Bedrohung, die wir da gegenwärtig erleben, und insofern können wir auch nicht ausschließen, dass fremde Mächte dahinterstecken.
Jan Redmann, Brandenburgs Innenminister (CDU)

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren: Das Landeskriminalamt Brandenburg führt die Ermittlungen, das Bundesamt für Verfassungsschutz ist eingebunden, und der Generalbundesanwalt prüft die Übernahme. Die Bundesregierung hat bereits operative Sabotage-Befugnisse für BND und Verfassungsschutz auf den Weg gebracht.

Offen ist bislang, wer die Täter sind. Die Sicherheitsbehörden rechnen damit, dass die Bedrohung anhält – und dass weitere Anschläge auf kritische Infrastruktur möglich sind.