Europa bündelt bis zu 15 Milliarden Euro für Tech-Investitionen
Bild: KI-generiert
Wagniskapital

Europa bündelt bis zu 15 Milliarden Euro für Tech-Investitionen

Europas Antwort auf die US-Übermacht im Tech-Sektor ist ein Dachfonds mit bis zu 15 Milliarden Euro. Ob die angestrebten 80 Milliarden Euro Gesamtinvestitionen zusammenkommen, entscheidet sich beim First Closing noch 2026.

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43 Prozent des Wagniskapitals für deutsche Start-ups kamen zuletzt aus den USA. Europas Antwort auf diese Abhängigkeit ist ein Dachfonds, der bis zu 15 Milliarden Euro einsammeln und damit bis zu 80 Milliarden Euro an Tech-Investitionen auslösen soll.

Hinter ETCI 2.0 stehen die EIB-Gruppe, alle 27 EU-Regierungen und private Investoren – so, wie die EIB das 80-Milliarden-Bündnis für Tech-Unternehmen ankündigt. Vorgestellt wurde es im Juli 2026 am Rande der ECOFIN-Tagung in Brüssel.

Vier Mal so viel wie der Vorgänger

ETCI 1 war im Februar 2023 mit 3,9 Milliarden Euro und sechs Staaten angetreten – Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Belgien und die Niederlande. Nach EIB-Angaben stützte er 15 Megafonds und trug zur Entwicklung von zwölf europäischen Unicorns bei, darunter das Kölner Unternehmen DeepL.

Die Neuauflage öffnet sich erstmals für mittelgroße Wachstumsfonds ab 300 Millionen Euro Volumen. Mehr als 100 Fonds sollen aufgelegt werden, darunter bis zu 45 Megafonds mit durchschnittlichen Tickets von rund 200 Millionen Euro pro Unternehmen.

Von 3,9 auf bis zu 80 Milliarden Euro

Fondsvolumen von ETCI 1 und ETCI 2 sowie angestrebte Gesamtinvestitionen

Quelle: EIB/EIF, 2026

Private Geldgeber aus Dänemark, Spanien und Italien

Die öffentliche Hand legt vor: Im Dezember 2025 sagten die Boards von Europäischem Investitionsfonds und Europäischer Investitionsbank insgesamt 1,25 Milliarden Euro Eigenmittel für ETCI 2.0 zu. Der Rest soll von privaten und staatlichen Geldgebern kommen.

Zu den beteiligten privaten Investoren zählen die Danske Bank aus Dänemark, AltamarCAM, Banco Santander und BBVA aus Spanien, Azimut Holding und Green Arrow Capital aus Italien sowie die italienische Stiftung Compagnia di San Paolo.

Die jährliche Lücke liegt bei 70 Milliarden Euro

Der Europäische Investitionsfonds beziffert die jährliche Lücke bei Spätphasen-Wagniskapital gegenüber den USA auf rund 70 Milliarden Euro. In Europa fließen etwa 15 Milliarden Euro, in den USA sind es 80 Milliarden Dollar.

KfW-Chef Stefan Wintels sieht den Engpass nicht allein beim Geld. Europa fehle der grenzüberschreitende Marktzugang, es fehlten größere Kapitalpools und ein wirklich europäisches Ökosystem – genau dort soll der Dachfonds ansetzen:

„Europa mangelt es nicht an innovativen Unternehmen. Aber ihnen fehlt ein grenzüberschreitender Marktzugang, größere Kapitalpools und ein wirklich europäisches Ökosystem für Wachstum. ETCI 2.0 wird dazu beitragen, dieses Wachstumspotenzial zu erschließen.“
Stefan Wintels, Vorstandsvorsitzender der KfW

Der Abschluss soll noch 2026 fallen

Wann der Fonds tatsächlich steht, ist offen. Laut dem Handelsblatt-Bericht über die heiße Phase des Fundraisings befand sich die Mittelbeschaffung Mitte Oktober 2026 in der entscheidenden Phase, der Abschluss sollte noch 2026 folgen. Erst beim First Closing wird die endgültige Fondsgröße festgelegt.

Rückenwind kommt aus Berlin: Am 22. Juli 2026 beschloss die Bundesregierung eine Startup- und Scaleup-Strategie mit 152 Maßnahmen, in der ETCI als europäische Finanzierungssäule verankert ist. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil nennt sie eine „strategische Investition in Europas Zukunft“. Ob die bis zu 15 Milliarden Euro reichen, hängt daran, wie viel privates Kapital bis zur ersten Zeichnungsrunde zusammenkommt.

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