Polizei nimmt in Barcelona 128 Menschen nach Plünderungen fest
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Ausschreitungen

Polizei nimmt in Barcelona 128 Menschen nach Plünderungen fest

Vermummte Jugendliche plündern 23 Läden im Zentrum Barcelonas, die Feuerwehr löscht 33 Brände, 14 Beamte werden verletzt. 72 der 128 Festgenommenen sind minderjährig – während Regierung und Stadt jede Verbindung zu den Mieterprotesten bestreiten, fordern Händler und Oppositionsparteien Aufklärung.

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128 Festnahmen, 72 davon Minderjährige, 23 geplünderte Geschäfte: Die Nacht vom 24. auf den 25. Oktober war von schweren Ausschreitungen geprägt, die Barcelonas Innenstadt trafen. 14 Beamte der Mossos d’Esquadra wurden verletzt, vier davon schwer, dazu kam ein verletzter Stadtpolizist.

Gegen 17 Uhr sammelten sich am Samstag zwischen 500 und 600 Menschen auf der Plaça de Catalunya – nach Polizeiangaben die größte gleichzeitige Ansammlung des Abends. Die Ermittler sprechen von Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren, in Einzelfällen jünger, überwiegend männlich, schwarz gekleidet und vermummt. Angemeldet war die Versammlung nicht.

Automatische Übersetzung · Katalanisch

Gewalt hat keinen Platz in Katalonien. Niemals. Ich möchte die Arbeit der @mossos d'Esquadra dafür danken, die Bürger und den Handel zu schützen. Protestieren ist ein demokratisches Recht. Anzugreifen, einzuschüchtern oder Schäden zu verursachen ist es nicht. Es gibt keine Sache, die Gewalt rechtfertigt. Wer protestiert, übt ein Recht aus. Wer angreift oder zerstört, verletzt es. Und das verdient eine entschiedene Verurteilung. Wir werden sicherstellen, dass wer das tut, dafür bezahlt.

X · @salvadorilla

Zu sehen war praktisch nur ein einziges Transparent: „Contra el sistema, instis en lluita“ – gegen das System, Schulen im Kampf. Eine Stunde später brannten die ersten Müllcontainer.

Gewalt ab dem ersten Moment

Gegen 18 Uhr kippte die Lage. Mülltonnen, Papierkörbe, Motorroller und Fahrräder türmten sich zu brennenden Barrikaden, Bushaltestellen und Ampeln gingen zu Bruch, Böller und Leuchtfackeln flogen auf Polizisten. Nach Einschätzung der Einsatzleitung begann die Gewalt nicht am Ende eines friedlichen Zuges, sondern praktisch mit dem Eintreffen der Menge.

Die Bereitschaftspolizei BRIMO rückte mit bis zu 30 Einheiten an, mehr als 210 Beamte, unterstützt von rund 20 Beamten der Einheit FURA gegen urbane Kriminalität sowie von Feuerwehr und Guàrdia Urbana. Der Passeig de Gràcia hielt zunächst stand, dann verlagerten sich die Angriffe auf Portaferrissa, Portal de l’Àngel, Carrer Pelai und die La Rambla.

Telekommunikations-, Mode-, Sport- und Optikgeschäfte wurden aufgebrochen, Schaufenster zertrümmert, Waren herausgetragen. Auch die Terrasse der Bar Zürich brannte. Das Kaufhaus El Corte Inglés an der Plaça de Catalunya schloss mit Kunden im Gebäude; Hunderte Menschen saßen zeitweise in Läden fest und verließen sie über Hinterausgänge.

Vom Schulprotest zum Plünderungsaufruf

Der Aufruf kam aus dem Netz und trug einen französischen Namen. Seit dem 21. September protestieren in Frankreich Schüler unter dem Label „Lycéens Indignés“ gegen überfüllte Klassen und marode Gebäude, die Bewegung erfasste mehr als tausend Gymnasien. Am 17. Oktober folgten schwere Ausschreitungen, unter anderem in Paris – laut der Bilanz nach den schweren Krawallen in Frankreich mit über tausend Festnahmen.

Ab dem 20. Oktober kursierten in Spanien anonyme Poster und Videos unter dem Titel „Instituts Indignats“ und dem Kampfbegriff „Blocus Barcelona“: über TikTok verbreitet, mit Uhrzeit, Treffpunkt und QR-Codes, die in private WhatsApp-, Telegram- und Instagram-Gruppen führten. Dort wurden schwarze Kleidung, Vermummung und Pyrotechnik empfohlen, später Listen mit Läden im Zentrum.

Von den französischen Schulprotesten zum Plünderungsaufruf

  1. 21. September 2026
    Schülerproteste in Frankreich beginnen

    Unter dem Label „Lycéens Indignés“ protestieren Schüler gegen überfüllte Klassen, marode Gebäude und unbesetzte Lehrerstellen; die Bewegung erfasst mehr als tausend Gymnasien.

  2. 17. Oktober 2026
    Schwere Ausschreitungen in Frankreich

    Am Rande der Proteste kommt es unter anderem in Paris zu schweren Ausschreitungen – die Bilder gelten als Vorbild für die spätere Mobilisierung in Barcelona.

  3. 20. Oktober 2026
    „Blocus Barcelona“ taucht auf

    Anonyme Poster und TikTok-Videos mit QR-Codes in WhatsApp-, Telegram- und Instagram-Gruppen rufen zur Nachahmung des französischen Modells auf.

  4. 24. Oktober 2026
    Vom Platz in die Einkaufsstraßen

    Ab 17 Uhr sammeln sich 500 bis 600 Vermummte auf der Plaça de Catalunya, gegen 18 Uhr beginnen Ausschreitungen, Brände und Plünderungen.

  5. 25. Oktober 2026
    Die Polizeibilanz

    Die Mossos melden 128 Festnahmen, 72 Minderjährige, 23 geplünderte Geschäfte, 33 Brände und 14 verletzte Beamte.

  6. 26. Oktober 2026
    Händler und Ermittler schalten sich ein

    Barcelona Oberta, Gremi de Restauració und Pimec fordern einen direkten Polizeikanal und Entschädigungen; die Mossos ermitteln gegen die „Blocus“-Organisatoren.

  7. 31. Oktober 2026
    Der nächste Aufruf

    Für 17 Uhr lädt die anonyme Plattform erneut auf die Plaça de Catalunya – diesmal mit Aufrufen auch für andere spanische Großstädte wie Madrid.

128 Festnahmen, 56 Prozent minderjährig

Am Sonntag legten die Mossos die Bilanz vor: 128 Festnahmen, 122 Männer und 6 Frauen. 72 der Festgenommenen waren minderjährig – 56,25 Prozent und damit weit mehr als die in der Nacht geschätzten „etwa 25 Prozent“. Zwei Beschuldigte hatten bereits Vorstrafen wegen Landfriedensbruchs, wie aus der Bilanz der Mossos mit 128 Festnahmen hervorgeht.

23 Geschäfte wurden geplündert oder verwüstet, die Feuerwehr löschte 33 Brände an Containern und Stadtmobiliar. Der Schaden am städtischen Inventar wird auf rund 36.000 Euro geschätzt – die Schäden der Läden sind darin nicht enthalten. 68 Ordnungswidrigkeitsprotokolle wurden gefertigt, mehr als 450 Personen überprüft.

Bürgermeister Jaume Collboni kündigte noch in der Nacht an, die Stadt werde sich als Nebenklägerin den Verfahren anschließen und auch die Eltern minderjähriger Täter für die Schäden in Anspruch nehmen. Die Generalitat schloss sich an. Sein Satz an die Adresse der Täter und ihrer Familien:

„Das wird nicht ungestraft bleiben. Wir verfolgen die Verantwortlichen, die volljährig sind, und auch die gesetzlichen Vertreter der Minderjährigen.“
Jaume Collboni, Bürgermeister von Barcelona

Innenministerin Núria Parlon schloss weitere Festnahmen nicht aus und kündigte an, hart durchzugreifen: Sie werde nicht zulassen, dass „vier Vandalen die Stadt ausplündern und der gesamten Bürgerschaft Angst machen“. Die Ermittlungen richten sich nun auf die Betreiber der anonymen Kanäle und auf die Frage, ob die Plünderungen vorab geplant waren.

Ein Zeltcamp, das nichts damit zu tun haben will

Wenige Meter vom Ort des Geschehens steht seit Wochen ein Zeltcamp der spanischen Wohnungsbewegung, das gegen Mietwucher und Zwangsräumungen protestiert. Regierungschef Salvador Illa, Collboni und Innenministerin Parlon, alle PSC, betonten am selben Abend, die Ausschreitungen hätten mit diesem Protest nichts zu tun; die Demonstranten verteidigten „kein Recht“, es sei „grundlose Gewalt und Vandalismus“.

Die Camp-Teilnehmer riegelten ihren Bereich ab, um Plünderer fernzuhalten, und boten Familien und älteren Menschen Schutz. Ihre Sprecherin Kiara Monrroy wies jede Verbindung zurück. Illa sagte, Protestieren sei ein demokratisches Recht – „angreifen, einschüchtern oder Schäden anrichten ist es nicht“. Für die drei Sozialisten ist die Abgrenzung heikel: Die Gewalt trifft ihre eigene Wählerschaft im Zentrum.

Händler werfen der Polizei Versäumnisse vor

Am 26. Oktober verschärften die Wirtschaftsverbände den Ton: Barcelona Oberta und der Gastronomieverband Gremi de Restauració werfen der Polizei vor, die seit Tagen bekannte Mobilisierung nicht ernst genug genommen und die Geschäftsleute nicht gewarnt zu haben. Barcelona Oberta fordert einen direkten Krisenkanal zwischen Mossos und Handel, Pimec verlangt schnelle Entschädigungen.

Betroffen waren unter anderem Urban Outfitters, JD Sports, Pandora, Ray-Ban, Óptica 2000, ein Zara am Passeig de Gràcia und die Juwelierkette Laguarda an der La Rambla. Wie Forderung der Händler nach direktem Draht zeigt, geht es dabei nicht nur um Geld, sondern um die Frage, wer die Innenstadt künftig warnt.

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Der 31. Oktober steht schon im Kalender

Spanien befindet sich im Vorwahlkampf zur Parlamentswahl am 29. November. Junts, PP und Vox verlangten eine Sondersitzung des katalanischen Parlaments mit Innenministerin Parlon, um Aufklärung über Vorwarnungen und das Polizeidispositiv zu erzwingen.

PP-Chef Alberto Núñez Feijóo machte die Regierung von Pedro Sánchez verantwortlich und kündigte für Mittwoch eine Reise nach Barcelona zu den betroffenen Händlern an; Vox plakatierte „O Vox o caos“ und forderte Angaben zur Nationalität der Festgenommenen. Umgekehrt erklärte der ERC-Spitzenkandidat Gabriel Rufián, es sei „ziemlich wahrscheinlich“, dass die extreme Rechte hinter den Ausschreitungen stecke.

„Katalonien darf kein Land werden, in dem die einen jeden Morgen den Rollladen hochziehen und andere ihn nachts zertrümmern: Das ist nicht Frankreich, und wir wollen nicht, dass es das wird.“
Miriam Nogueras, Spitzenkandidatin von Junts

Die anonyme Plattform rief für den 31. Oktober, 17 Uhr, erneut auf die Plaça de Catalunya – diesmal auch für andere spanische Großstädte wie Protestaufrufe der Gen Z. In Madrid demonstrierten am 24. Oktober mehrere zehntausend Menschen friedlich für eine öffentliche Rente; die Bilder der brennenden Barrikaden stammen aus Barcelona.

Ob die Behörden eine Wiederholung verhindern können, ist offen. Die Mossos beobachteten die Kanäle nach eigenen Angaben seit Tagen – verhindert haben sie die Mobilisierung nicht. Einsatzleiterin Sílvia Catà räumte ein: Es sei „keine Demonstration wie die, an die wir gewöhnt sind“ gewesen.