UN-Kommission nennt Angriffe auf Ukraines Energienetz Kriegsverbrechen
Minus 21 Grad, millionenfache Ausfälle: Die UN-Untersuchungskommission stuft Russlands Angriffe auf Ukraines Energienetz als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. Moskau erkennt das Mandat nicht an.
Bei minus 21 Grad fielen in der Ukraine millionenfach Heizung, Strom, Wasser und Gas aus. Die UN-Untersuchungskommission zur Ukraine stuft die russischen Angriffe auf diese Anlagen als Kriegsverbrechen und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein — so fasst es die Presseerklärung der UN-Kommission zu ihren Befunden zusammen.
Der Bericht, den die Kommission am Montag in New York der UN-Generalversammlung vorlegte, nennt zwei Tatbestände: vorsätzliche Angriffe auf zivile Objekte und „andere unmenschliche Handlungen“, die durch großes Leid entstanden seien. Grundlage sind laut dem Überblick über die Ermittlungen zu den Angriffen die Aussagen von 255 Menschen aus neun Regionen — von Kiew über Charkiw und Odessa bis Schytomyr — sowie Berichte ukrainischer Behörden, von Ärzten und Nichtregierungsorganisationen.
Der Bericht beschreibt den Winter 2025/26: Temperaturen bis minus 21 Grad, lange Ausfälle bei Heizung, Strom, Wasser und Gas, Millionen Betroffene. Die Kommission spricht von „unerträglichen Lebensbedingungen“, die die Menschen hätten bewältigen müssen.
Von der Einsetzung der Kommission bis zum Bericht
März 2022
UN-Menschenrechtsrat setzt die Kommission ein
Kurz nach dem russischen Einmarsch entsteht die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission zur Ukraine.
ab Herbst 2022
Systematische Angriffe auf das Energienetz beginnen
Die kumulative Wirkung dieser Wellen untersucht die Kommission später.
Winter 2025/26
Minus 21 Grad, millionenfache Ausfälle
Die Kommission befragt 255 Betroffene in neun Gebieten.
September 2026
Amnesty International erhebt ähnliche Vorwürfe
Es geht um die Anwerbung ausländischer Kämpfer für Russland.
26. Oktober 2026
Bericht in New York vorgelegt
Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Menschenhandel.
Befehlshaber kannten die Wirkung
Die Kommission geht davon aus, dass die russischen Befehlshaber wussten, wie unverzichtbar die angegriffenen Heizanlagen in großen Ballungsräumen für die Zivilbevölkerung sind — besonders im Winter. Russische Stellen hätten weitere Angriffe öffentlich angekündigt und auf einen entsprechenden Plan verwiesen.
Es ist der erste Bericht der Kommission, der sich gezielt mit den Folgen der Angriffe auf die Energieinfrastruktur befasst. Ihr Vorsitzender Erik Møse warnte bei der Pressekonferenz, mit Beginn der Kälteperiode hätten die Angriffe erneut zugenommen.
„Mit Beginn der Kälteperiode haben die Angriffe erneut zugenommen; das weckt ernste Sorgen um Leben und Gesundheit der Zivilbevölkerung.“
Erik Møse, Vorsitzender der UN-Untersuchungskommission
Die Angriffe laufen weiter. Erst Ende August traf eine neue Welle aus Raketen und Drohnen die Ukraine — drei Tote und ein zerstörtes Kraftwerk waren die Folge.
Moskau spricht von gefälschten Daten
Russlands UN-Vertretung wies den Bericht am selben Tag zurück. Sie erkenne das Mandat der Kommission nicht an, erklärte sie, und bezeichnete die Ergebnisse als auf „gefälschten Daten“ beruhend. Moskau betont durchgehend, nur militärische oder militärisch genutzte Ziele anzugreifen.
Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha wertete den Bericht als Bestätigung jahrelanger systematischer russischer Angriffe auf die zivile Energieinfrastruktur. Was Ukrainer seit Jahren erlebten, sei damit festgehalten: Diese Angriffe seien Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
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Menschenhandel: Männer aus 29 Staaten
Der Bericht erhebt einen zweiten Vorwurf: Menschenhandel. Männer aus 29 Staaten seien unter Täuschung und Zwang für die russischen Streitkräfte rekrutiert worden — über Agenturen, die sich als seriöse, staatlich geförderte Firmen ausgaben. Untersucht wurden Rekrutierungen aus 48 Ländern.
Die Kommission kann keine Urteile sprechen; sie dokumentiert und legt ihre Befunde der Generalversammlung vor. Was daraus folgt, entscheidet sich in New York — während in der Ukraine der nächste Winter beginnt und die Angriffe nach Møses Worten schon wieder zunehmen.