Prinzessin Leonor (20) stand am Abend des 23. Oktober live im Fernsehen auf der Bühne des Teatro Campoamor in Oviedo. Das Kleid, das sie dort trug, hält einer handwerklichen Prüfung nicht stand – sagen zwei Fachleute der spanischen Modeszene.
Der Anlass war die 46. Ausgabe der Prinzessin-von-Asturien-Preise. Für Leonor war es die achte Teilnahme und eine Premiere: Erstmals sprach sie ihre Rede vor ihrem Vater, König Felipe VI. Am Morgen hatte sie im Hotel de la Reconquista erstmals allein die Preisträger empfangen, darunter Patti Smith, Lionel Messi und Studio Ghibli.
Taft in Buganvilla, 590 Euro
Für den Abend wählte sie das Modell „Filipalis“ aus der Linie Hannibal Laguna White, entworfen von Sophía Villarroel. Ein Midi-Kleid aus steifem, changierendem Taft mit engem, geschnürtem Oberteil, Bootsausschnitt, kurzen Ärmeln und ausgestellter A-Linien-Falda. Der Referenzpreis liegt bei 590 Euro; der Stoff changiert zwischen Fuchsia und Violett, beschrieben wird der Ton als Buganvilla, Himbeere, Magenta oder Pflaume.
Dazu kamen eine Umschlagclutch im passenden Ton – laut El Mundo ein Vintage-Stück von Felipe Varela aus dem Besitz ihrer Mutter – und schwarze, flache Slingback-Pumps mit Strass-Applikationen von Carolina Herrera. Hannibal Laguna ist in Spanien seit Jahrzehnten für Abend- und Hochzeitsmode bekannt; Leonor hatte bereits beim Madrid-Besuch von Papst Leo XIV. eine Kreation seiner White-Linie getragen.
Rubin-Ohrhänger aus dem Besitz der Großmutter
Gesprächsstoff war zunächst nicht das Kleid, sondern der Schmuck. Leonor trug erstmals die Rubin- und Diamant-Ohrhänger aus dem Privatbesitz von Königin Sofía, gefertigt von Van Cleef & Arpels. Die Provenienz führt über drei Generationen zurück: Königin Federica von Griechenland schenkte sie ihrer Tochter Sofía zur Hochzeit mit Juan Carlos im Mai 1962.
Bislang, betonte der Royal-Journalist Jose Moreno in ¡Hola!, hätten die Ohrhänger „immer in den Händen von Doña Sofía“ gelegen – weder Infantin Elena noch Infantin Cristina noch Königin Letizia hätten sie je getragen. Leonor steckte die Haare halbhoch, damit die Ohrringe frei sichtbar blieben, und verzichtete auf weitere Juwelen. Das rote Kabochon-Design griff den Farbton des Kleides auf – Leonors Look mit den Rubin-Ohrhängern der Königin.
Von der Hochzeit 1962 zum Gala-Abend in Oviedo
- Mai 1962Hochzeitsgeschenk für Sofía
Königin Federica von Griechenland schenkt ihrer Tochter zur Hochzeit mit Juan Carlos die Rubin-Diamant-Ohrhänger von Van Cleef & Arpels.
- 23. Oktober 2026Premiere bei den Asturien-Preisen
Leonor trägt die Ohrhänger erstmals öffentlich, dazu das Kleid „Filipalis“ von Hannibal Laguna White.
- 26. Oktober 2026Zwei Fachleute kritisieren den Schnitt
Asun Domínguez und Juan Avellaneda bewerten Passform und Verarbeitung des Kleides scharf.
- 31. Oktober 202621. Geburtstag
Wenige Tage nach der Gala vollendet Leonor ihr 21. Lebensjahr.
„Unverzeihlich“ – zwei Fachleute rechnen ab
Am 26. Oktober veröffentlichte Asun Domínguez, Expertin für Schnitttechnik, eine Detailanalyse der Patronage-Expertin. Farbe und Saumöffnung ließ sie gelten, die Verarbeitung nicht: Die Größe sei nicht Leonors Größe, die Taille sitze zu eng, die Ärmel seien zu kurz, das Armloch zu schmal – beim Applaus schneide der Schnitt in die Achselhöhle. Ihr Fazit: „Unverzeihlich bei einem Galakleid, bei dem die ganze Welt zusieht. In Spanien können wir das besser.“
Der Vorwurf wiegt, weil die Zeremonie live übertragen wurde. Der Madrider Designer Juan Avellaneda schlug in dieselbe Kerbe: Das Kleid begünstige Leonor nicht, wirke „antigüillo, viejunchi“, die Ärmel seien „muy cortitas“ und zu eng, der Taft werfe Falten und Schatten, die Nähte zögen eine „forma rara“. Sogar ihre Großmutter, Königin Sofía, sei moderner unterwegs. Avellaneda schlug Alternativen vor – eine militärisch inspirierte Variante mit Napoleon-Jacke, ein „sehr Hollywood“-Kleid oder der Zweiteiler von Alejandro de Miguel, den Königin Sofía trug.
Dieselbe Nacht, anderer Befund
Der Kritik steht eine breite positive Lesart gegenüber. ¡Hola! nannte das Kleid „un nuevo diseño que le queda como un guante“ und verglich die Silhouette mit einer modernen Grace Kelly; El Mundo sprach von einem „diseño impecable y a medida“ und einer „silueta lady y minimalista“; Harpers Bazaar lobte, der Buganvilla-Ton betone ihre Gesichtszüge und die Haarfarbe. Der Streit dreht sich damit nicht um Farbe, Protokoll oder Anlass, sondern um Passform und Verarbeitung.
Wie viel Eigenständigkeit verträgt die Thronfolgerin?
Die Kritik traf Leonor in einer Woche, in der sie so viel institutionelles Gewicht trug wie nie zuvor: Empfang der Preisträger allein, Rede vor dem König, wenige Tage vor ihrem 21. Geburtstag. Am 24. Oktober folgte in Llanes die Verleihung des Preises „Pueblo Ejemplar de Asturias 2026“ an die Cofradía de Pescadores de Santa Ana. Neben ihrem Politikstudium an der Universität Carlos III bleibt die Frage, wie viel modische Eigenständigkeit eine Thronfolgerin zeigen darf. Wer entscheidet das künftig – sie, das Protokoll oder die Schneiderwerkstatt?
