Solarbranche fürchtet um Zehntausende Jobs vor EEG-Reform
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Solarindustrie

Solarbranche fürchtet um Zehntausende Jobs vor EEG-Reform

Die feste Einspeisevergütung soll zum 1. Januar 2027 fallen, doch der Bundestag entscheidet erst im November – während in der Solarbranche die Insolvenzen zunehmen. Branchenvertreter warnen vor Zehntausenden gefährdeten Jobs.

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Drei deutsche Solarunternehmen sind binnen weniger Wochen insolvent gegangen, bei Next2Sun im Saarland bangen rund 140 Mitarbeiter um ihre Stellen. Gut zwei Monate vor dem Start der EEG-Reform steht nicht einmal fest, wie der Umbau ablaufen soll.

Zum 1. Januar 2027 soll die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen enden. Wer dann baut, müsste seinen Strom selbst vermarkten – doch für Privatkunden gibt es dafür in Deutschland nur eine Handvoll Anbieter. Ob bis zum Stichtag ein Massenmarkt entsteht, ist offen, wie aus dem Bericht über die Insolvenzwelle in der Solarbranche hervorgeht.

Drei Insolvenzen in wenigen Wochen

Am 2. Oktober platzte bei Next2Sun die geplante Kapitalrunde über mehr als fünf Millionen Euro, drei Tage später beantragte das Unternehmen aus Dillingen für zwei Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung. Rund 140 Mitarbeiter sind betroffen. Zuvor hatte die Insolvenz der Energiekonzepte Deutschland aus Leipzig und die von Calor Energy aus Hamburg die Branche getroffen.

Janik Nolden, Mitgründer der Solago GmbH, erwartet, dass die Pleitewelle weitergeht. Für ihn ist das keine Randerscheinung:

„Viele müssen sich vom Markt zurückziehen. Das wird noch viele hart treffen.“
Janik Nolden, Mitgründer der Solago GmbH

Entscheidung erst im November

Politisch geriet der Zeitplan ins Rutschen. Das Kabinett beschloss die Novelle am 29. Juli, die erste Lesung folgte am 24. September. Die für den 15. und 16. Oktober angesetzte zweite und dritte Lesung fiel aus; Fachmedien berichten von einer Verabschiedung des EEG 2027 erst im November.

Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie, verlangt für die Direktvermarktung erst die technische Grundlage: „Eine verpflichtende Direktvermarktung unter 100 Kilowatt ist erst dann sinnvoll, wenn technische und prozessuale Voraussetzungen massengeschäftstauglich sind.“ Der BEE nennt dafür die Woche vom 9. bis 13. November und den Bundesrat am 20. November.

Der Fahrplan der EEG-Novelle 2027

  1. 27. Februar 2026
    Referentenentwurf wird öffentlich

    Das Bundeswirtschaftsministerium legt den Entwurf vor, die Verbändeanhörung erhält später nur drei Werktage Frist.

  2. 29. Juli 2026
    Kabinett beschließt die Novelle

    Zusammen mit dem Netzanschlusspaket. Ministerin Katherina Reiche spricht von einem „Paradigmenwechsel bei den Erneuerbaren“.

  3. 24. September 2026
    Erste Lesung im Bundestag

    Der Regierungsentwurf liegt als Drucksache 21/7867 vor.

  4. 5. Oktober 2026
    Anhörung und Insolvenzantrag am selben Tag

    Im Wirtschaftsausschuss warnt BSW-Solar vor dem Verlust Zehntausender Jobs, parallel meldet Next2Sun Insolvenz an.

  5. 15. Oktober 2026
    Zweite und dritte Lesung fallen aus

    Der BEE rechnet nun mit der Woche vom 9. bis 13. November.

  6. 26. Oktober 2026
    Bericht über Unsicherheit und Pleiten

    Die Insolvenzen bei Next2Sun, EKD und Calor Energy rücken in den Mittelpunkt.

Milliarden und Jobs auf dem Spiel

In der öffentlichen Anhörung des Wirtschaftsausschusses am 5. Oktober warnte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer von BSW-Solar: „Das Schadenspotenzial ist so groß, dass es die PV-Nachfrage insgesamt halbieren kann. Zehntausende Solarjobs, ein zweistelliger Milliardenumsatz und entsprechende Ausfälle für den Bundeshaushalt stehen auf dem Spiel.“

Lars Holm von der Boston Consulting Group beziffert in seiner Modellierung rund 30 Prozent der geplanten Solarprojekte als betroffen. Seine Warnung: „Wenn wir so weitermachen, killen wir unsere Solarindustrie ein zweites Mal.“ Am 23. Oktober forderten 15 Photovoltaik-Projektierer einen Höchstwert von mindestens sieben Cent pro Kilowattstunde für die Ausschreibungen 2027.

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Der neue Weg: selbst vermarkten

Nolden von Solago setzt weniger auf Subventionen als auf Verlässlichkeit. Wer eigenes Geld in eine Anlage stecke, brauche vor allem einen planbaren Rahmen:

„Hier wollen Menschen ihr eigenes Geld in die Energiewende investieren. Der Staat muss gar nicht so viel machen. Die Privatkunden haben Lust darauf. Sie wünschen sich nur einen politisch vorgegebenen, planbaren Weg für die nächsten Jahre.“
Janik Nolden, Mitgründer der Solago GmbH

Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5°, sieht den Wechsel dagegen als Chance: „Wer den Wechsel in die Direktvermarktung mit einer intelligenten Steuerung kombiniert, kann künftig mehr mit dem eigenen Solarstrom verdienen als mit dem heutigen EEG-Modell.“ Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nennt das einen „Paradigmenwechsel bei den Erneuerbaren“. Ob er bis zum 1. Januar 2027 gelingt, bleibt offen.