Nach Ungarn verliert die AfD auch Serbien als politisches Vorbild
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Europas Rechte

Nach Ungarn verliert die AfD auch Serbien als politisches Vorbild

Maximilian Krah deutete das Ergebnis am Wahlabend in Serbien als Niederlage der AfD und forderte einen neuen Kurs der Rechten. Noch am 27. Oktober hatte sich die Parteispitze um Alice Weidel öffentlich nicht zu Serbien geäußert.

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Ein halbes Jahr, zwei verlorene Vorbilder: Nach Ungarn hat die AfD aus eigener Sicht auch Serbien verloren. Der Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah schrieb das am Wahlabend des 25. Oktober um 21:40 Uhr auf seinem X-Account. Bislang hatte die Partei Budapest und Belgrad als vorzeigbare Regierungsmodelle geführt.

Die Zahlen geben ihm recht: Laut Teilergebnissen gewinnt die Studentenliste in Serbien rund 52 Prozent, Vučićs Bündnis „Vereinigtes Serbien“ kommt auf 40 Prozent – ein Machtwechsel nach Rekordbeteiligung von 70 Prozent. Vučić räumte seine Niederlage noch am Wahlabend selbst ein. Tags darauf bestätigte die Wahlkommission bei 91,84 Prozent ausgezählten Stimmen einen Vorsprung von 456.761 Stimmen.

X · @KrahMax
„Kein guter Tag. Nach Ungarn haben wir auch Serbien verloren. Es zeigt sich, dass sich die Rechte neu aufstellen muss. Das bisherige Konzept reicht nicht, um zu überzeugen.“
Maximilian Krah, AfD-Bundestagsabgeordneter

Krah rechnet mit dem eigenen Konzept ab

Der Satz ist eine Abrechnung mit der eigenen Parteilinie. Krah verlangt einen neuen Kurs der Rechten – ein Vorstoß gegen eine Führung, die zu Serbien bis zum 27. Oktober vollständig schwieg. Zu Ungarn hatte Alice Weidel über einen Sprecher lediglich den Verlust eines „bedeutsamen Partners“ bedauern lassen.

Für die AfD wiegt der Doppelverlust schwer, weil sie beide Länder über Jahre als vorzeigbare Regierungsmodelle führte. Binnen eines halben Jahres sind beide abgewählt: Orbáns Ungarn nach 16 Jahren, Vučićs Serbien nach 14 Jahren SNS-Herrschaft. Auf Krahs Ruf nach einer Neuaufstellung hat die Parteispitze öffentlich bislang nicht reagiert.

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Erst Budapest, dann Belgrad

Der Vergleich mit Ungarn drängt sich auf. Am 12. April verlor Viktor Orbáns Fidesz nach 16 Jahren die Wahl, Péter Magyars Tisza holte 53,2 Prozent und 138 von 199 Mandaten. Krah meldete sich damals per Video aus Budapest: „Für uns ist es schlecht, das müssen wir zugeben.“ Ein halbes Jahr später fällt mit Serbien das zweite Modell.

In Belgrad endete nach 14 Jahren die Herrschaft der SNS. Der neu gewählte Abgeordnete Jovo Bakić von der Studentenliste sagte: „Einen überzeugenden Sieg habe ich erwartet, aber ich habe nicht erwartet, dass der frühere Präsident seine Niederlage eingestehen würde.“ Für Krah ist es der zweite Verlust innerhalb eines halben Jahres.

Serbien galt zuletzt ohnehin nicht mehr als Musterfall: Im Freedom-House-Index fiel das Land von 78 Punkten im Jahr 2016 auf 53 von 100; seit 2019 führt der Index es nur noch als „teilweise frei“. Péter Magyar kommentierte Vučićs Geständnis mit den Worten: „Kommt uns bekannt vor, oder?“

Von Novi Sad nach Belgrad: der Machtwechsel in Serbien

  1. 1. November 2024
    Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad

    16 Menschen sterben, der Unfall wird zum Auslöser der Studentenproteste.

  2. 12. April 2026
    Orbán verliert nach 16 Jahren

    Péter Magyars Tisza gewinnt 53,2 Prozent und 138 von 199 Mandaten.

  3. 30. September 2026
    Vučić gibt das Präsidentenamt auf

    Er will nach der Wahl Ministerpräsident werden, Ana Brnabić übernimmt interimistisch.

  4. 25. Oktober 2026
    Parlamentswahl in Serbien

    Die Studentenliste gewinnt laut Teilergebnissen 52 Prozent, Vučić räumt seine Niederlage ein.

  5. 27. Oktober 2026
    Weidel schweigt weiter

    Eine Stellungnahme der AfD-Spitze zu Serbien liegt nicht vor.

Der nächste Termin steht schon

Im Dezember 2026 soll in Serbien das Präsidentenamt neu gewählt werden. Für die AfD bleibt offen, ob sie an ihren bisherigen Partnern festhält oder den Kurs ändert. Die Analyse zu Krahs Klage um Belgrad beschreibt den Verlust der Vorbilder Budapest und Belgrad.

In der Union gilt die Abgrenzung zur AfD unterdessen nicht mehr als unumstritten. Weber hält die Brandmauer zur AfD für gescheitert. Für Krah ändert das nichts an der eigenen Baustelle: Seine Partei hat zwei Regierungen als Vorbild geführt, die beide nicht mehr im Amt sind.

Offen bleibt, ob die AfD-Spitze Krahs Kurs folgt oder die beiden Hauptstädte stillschweigend abschreibt. Eine Stellungnahme von Alice Weidel zu Serbien lag bis zum 27. Oktober nicht vor. Im Dezember entscheidet sich in Belgrad zudem, wer künftig das Präsidentenamt innehat.