Jungle World beendet Zusammenarbeit mit AfD-Mitglied Gugler
Bild: KI-generiert
Geleakte Parteidaten

Jungle World beendet Zusammenarbeit mit AfD-Mitglied Gugler

Thomas K. Gugler schrieb mehr als 20 Beiträge für die linke Wochenzeitung „Jungle World“ – und war da schon AfD-Mitglied. Die Redaktion wusste nach eigener Angabe nichts davon und trennt sich nun von ihm.

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Die „Jungle World“ beendet die Zusammenarbeit mit Thomas K. Gugler, nachdem bekannt wurde, dass der Autor seit November 2017 AfD-Mitglied ist. Gugler hatte seit 2019 mehr als 20 Beiträge für die linke Wochenzeitung geschrieben, vornehmlich über Pakistan.

Bekannt wurde die Mitgliedschaft durch die Auswertung der AfD-Leaks, wie die taz über Guglers AfD-Mitgliedschaft berichtet. Die Redaktion erklärte, von der Parteimitgliedschaft bislang nichts gewusst zu haben.

„Grundsätzlich gilt: Stellt sich heraus, dass ein Autor oder eine Autorin AfD-Mitglied ist oder der Partei nahesteht, beenden wir die Zusammenarbeit.“
Jungle World, Redaktion

Zwei Bewerbungen bei der AfD in NRW

Gugler blieb nicht bloß Mitglied. 2018 bewarb er sich erstmals auf eine Referentenstelle bei der AfD-Geschäftsstelle Nordrhein-Westfalen. Vier Jahre später versuchte er es erneut – diesmal mit einem Anschreiben, das in den geleakten Unterlagen erhalten ist.

Das Bekenntnis in diesem Schreiben von 2022 ist der Kern des Falls: Gugler warb mit seiner Parteitreue um eine Stelle bei der AfD, zu einem Zeitpunkt, an dem er längst für die „Jungle World“ schrieb. Dass Parteizugehörigkeit und öffentliches Profil oft auseinanderfallen, zeigt auch ein schwuler Student, der seine AfD-Wahl begründet.

„Mit den politischen Zielen der AfD identifiziere ich mich; seit mehr als fünf Jahren bin ich Parteimitglied.“
Thomas K. Gugler, Islamwissenschaftler und AfD-Mitglied, in seinem Bewerbungsschreiben von 2022

Ein Südasienexperte mit Parteibuch

Gugler, 1981 in Garmisch-Partenkirchen geboren, ist promovierter Islamwissenschaftler und Südasienexperte. 2006 arbeitete er als wissenschaftliche Hilfskraft im Erfurter Projekt „Radikalisierung von Muslimen in der Diaspora“ unter Hamed Abdel-Samad.

Seit Oktober 2024 ist er Postdoktorand am Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam der Goethe-Universität. Seine Beiträge für die „Jungle World“ befassten sich unter anderem mit Südasien.

Öffentlich zeigte er seine Nähe zur Partei auch abseits der Mitgliedschaft: Auf Facebook teilte Gugler Beiträge des Nius-Chefredakteurs Julian Reichelt und des Berliner AfD-Abgeordneten Julian Adrat, in Kommentaren verwies er auf das rechte Magazin „Glut“.

Vom Parteieintritt zum Autorenkürzel

  1. November 2017
    Aufnahme in die AfD

    Guglers Aufnahmeantrag wird laut den geleakten Unterlagen angenommen.

  2. 2018
    Erste Bewerbung bei der AfD Nordrhein-Westfalen

    Gugler bewirbt sich um eine Referentenstelle in der Landesgeschäftsstelle.

  3. 2019
    Erste Beiträge für die Jungle World

    Er beginnt seine regelmäßige Autorentätigkeit – als AfD-Mitglied.

  4. 2022
    Zweite Bewerbung mit Bekenntnis

    In seinem Anschreiben schreibt er, er identifiziere sich mit den Zielen der AfD.

  5. Oktober 2024
    Postdoktorand in Frankfurt

    Gugler wechselt an das Forschungszentrum Globaler Islam der Goethe-Universität.

  6. 24. Oktober 2026
    Busters veröffentlicht die Auswertung

    Das Recherchekollektiv publiziert seine erste Analyse der AfD-Leaks.

  7. 26. Oktober 2026
    Die Jungle World reagiert

    Die Zeitung erklärt, sie habe nichts gewusst; die taz veröffentlicht ihre Recherche.

Gugler verweigert jede Stellungnahme

Zu den Vorwürfen äußert sich Gugler nicht. Wie das neue deutschland Gugler als Islamversteher porträtiert, verweigerte er jede Stellungnahme mit dem Hinweis auf „illegal beschaffte Datensätze“: „Dazu äußere ich mich nicht.“

Der Datenbestand, um den es geht, umfasst mehr als 400.000 E-Mails beziehungsweise rund 280 Gigabyte aus der internen AfD-Kommunikation. Teile davon gelten als bestätigt, der Bestand ist über Portale wie goebbelsmail.com öffentlich durchsuchbar.

Offen ist, welche Folgen der Fall für Guglers Stelle in Frankfurt hat. Ob die Goethe-Universität auf die Parteimitgliedschaft ihres Postdoktoranden reagiert, ist bislang nicht bekannt.

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