Nanotyrannus „Jodi“ erzielt bei Sotheby’s 47,3 Millionen Dollar
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Fossilienhandel

Nanotyrannus „Jodi“ erzielt bei Sotheby’s 47,3 Millionen Dollar

47,3 Millionen Dollar für ein Dinosaurier-Skelett – mehr als fünfmal die Schätzung von Sotheby’s. Forscher warnen, dass der Nanotyrannus „Jodi“ der Öffentlichkeit und der Wissenschaft verloren geht.

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47,3 Millionen Dollar für ein Skelett, das 2019 noch im Boden von Montana lag. Am Dienstagabend hat der Nanotyrannus „Jodi“ bei Sotheby’s in New York den Zuschlag bekommen – nach zwölf Minuten Bieterwettstreit, in dem sechs Interessenten online und am Telefon mitboten. Der Hammer fiel bei 40,5 Millionen Dollar, der Endpreis liegt bei umgerechnet rund 42 Millionen Euro.

Sotheby’s hatte den Preis auf lediglich sechs bis neun Millionen Dollar geschätzt. Das Ergebnis liegt mehr als fünfmal über der höchsten Schätzung, wie Artnews über die Rekordauktion bei Sotheby’s berichtet. Zwischen Hammerpreis und Endsumme liegt das Aufgeld des Auktionshauses.

Sechs Bieter, zwölf Minuten

Mit 47,3 Millionen Dollar ist „Jodi“ das zweitteuerste je versteigerte Dinosaurier-Skelett. Teurer war nur der T-Rex „Gus“, der im Juli 2026 bei Sotheby’s für 50,1 Millionen Dollar verkauft wurde. Auf Platz drei folgt der Stegosaurus „Apex“ mit 44,6 Millionen Dollar aus dem Juli 2024.

Das Skelett misst rund sechs Meter, ist an der Armatur knapp drei Meter hoch und besteht aus etwa 191 fossilen Knochenelementen, darunter ein nahezu vollständiger Schädel. Fehlende Teile wurden durch 3D-gedruckte und modellierte Knochen ergänzt. Wer „Jodi“ ersteigert hat, gab Sotheby’s nicht bekannt – das Haus bleibt im Geschäft mit spektakulären Einzelstücken: Im Dezember kommt Dianas Rachekleid unter den Hammer.

Die drei teuersten Dinosaurier-Skelette

Erlöse bei Auktionen in Millionen Dollar

Quelle: Sotheby’s, Artnews

Angermayers größter Stolz

Einlieferer war nach Angaben von Sotheby’s der deutschstämmige Unternehmer Christian Angermayer (48). Er investiert seit Jahren in Ausgrabungen und hatte das Skelett 2025, damals noch unter dem Namen „Chomper“, öffentlich als „meinen größten Stolz“ bezeichnet. Im Sommer 2026 verkaufte er seine Psychedelika-Firma AtaiBeckley milliardenschwer an Eli Lilly.

Der Weg des Fossils bis in den Auktionssaal war lang. 2019 entdeckte die Rancherin Jodi Pierson das Skelett auf ihrem eigenen Land in der Hell Creek Formation im Garfield County in Montana. Ausgegraben hat es ihr Cousin, der kommerzielle Paläontologe Clayton Phipps, der sich selbst „Dinosaurier-Cowboy“ nennt. 2021 erwarb Angermayer das Skelett – so gibt es Sotheby’s in der Provenienz an.

Von der Ranch in Montana zum Auktionssaal

  1. 2019
    Entdeckung in Montana

    Rancherin Jodi Pierson findet das Skelett auf eigenem Land in der Hell Creek Formation, ihr Cousin Clayton Phipps gräbt es aus.

  2. 2021
    Angermayer kauft das Fossil

    Der Unternehmer erwirbt das Skelett; Sotheby’s nennt das Jahr als Provenienzangabe.

  3. Oktober 2023
    Kein Käufer bei Frieze Masters

    Händler David Aaron bietet „Chomper“ in London für 20 Millionen Dollar an – ohne Erfolg.

  4. Oktober 2025
    Nanotyrannus wird eigene Gattung

    Eine Studie von Lindsay Zanno und James Napoli im Fachjournal Nature bestätigt die Gattung, die zweite Art Nanotyrannus lethaeus wird benannt.

  5. Juli 2026
    T-Rex „Gus“ setzt den Rekord

    50,1 Millionen Dollar bei Sotheby’s in New York.

  6. 27. Oktober 2026
    Zuschlag bei 47,3 Millionen Dollar

    Sechs Bieter, zwölf Minuten, 40,5 Millionen Dollar Hammerpreis. Der Käufer bleibt anonym.

Paläontologen kritisieren den Verkauf

Schon einmal war „Jodi“ auf dem Markt – und blieb liegen. Im Oktober 2023 bot der Händler David Aaron das Skelett als „Chomper“ und vermeintlich jungen T-Rex auf der Kunstmesse Frieze Masters in London für 20 Millionen Dollar an. Es wurde nicht verkauft. Zwischen beiden Anläufen bestätigte die Wissenschaft den Nanotyrannus als eigene Gattung.

Im Oktober 2025 veröffentlichten Lindsay Zanno und James Napoli im Fachjournal Nature eine Studie, die den Nanotyrannus als eigene Gattung bestätigte und die zweite Art Nanotyrannus lethaeus benannte. „Jodi“ ist damit eines von nur drei der Wissenschaft bekannten Nanotyrannus-Skeletten und das erste, das nach dieser Bestätigung auf den Markt kam.

Die Forscherzunft sieht den Verkauf mit Unbehagen: Skelette würden der Forschung und der Öffentlichkeit entzogen, Museen und Universitäten könnten bei solchen Summen nicht mithalten. Steve Brusatte, Paläontologie-Professor an der Universität Edinburgh, nennt den Gedanken „erschreckend“, das Fossil könne in den Tresoren eines Sammlers verschwinden statt in einem Museum gezeigt zu werden, wo es Kinder und Familien begeistert.

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Was der Käufer darf

Der Käufer sicherte sich mit dem Zuschlag die vollen Rechte am Skelett – er darf Repliken herstellen und verkaufen. Sein Name blieb unbekannt, ebenso die Antwort auf die Frage, ob „Jodi“ je öffentlich ausgestellt wird. Thomas R. Holtz Jr. von der University of Maryland hält das Geld anderswo für besser angelegt: Wer der Paläontologie helfen wolle, unterstütze den Betrieb mehrerer Museen besser als den Kauf eines einzelnen Stücks.

„Doch wenn es nur die Lobby oder den Ballsaal einer Milliardärsvilla ziert, ungesehen und für alle außer Freunde und Bedienstete unzugänglich, dann ist es für die Öffentlichkeit und die Wissenschaft faktisch verloren.“
Thomas R. Holtz Jr., Paläontologe, University of Maryland