Galeria kündigt Mietverträge für deutlich mehr als 33 der 83 Häuser
Der Insolvenzverwalter kündigt die Mietverträge für deutlich mehr als 33 der 83 Galeria-Standorte. Viele Eigentümer können den teuren Umbau ihrer riesigen Verkaufsflächen nicht bezahlen – und der Mietausfall trifft sie hart.
Für die Eigentümer der 83 Galeria-Häuser wird es ernst: In der Woche ab dem 26. Oktober gehen die Kündigungsschreiben des Insolvenzverwalters bei den Vermietern ein. Betroffen sind deutlich mehr als die 33 Filialen, die das Unternehmen im Juli noch auf den Prüfstand gestellt hatte.
Frank Kebekus, seit dem 5. Oktober vorläufiger Insolvenzverwalter, hat dafür jeden der 83 Warenhausstandorte auf Wirtschaftlichkeit prüfen lassen. Im Juli wollte das Unternehmen für 33 Häuser günstigere Konditionen aushandeln.
Kebekus rechnet nicht mit allen 83 Häusern
Am 16. Oktober sagte Kebekus im ZDF, er rechne nicht damit, dass alle 83 Häuser erhalten bleiben; er wolle jeden Standort einzeln prüfen. Dieses Ergebnis liegt nun vor: Deutlich mehr als die 33 Filialen, die im Juli auf dem Prüfstand standen, stehen auf der Kippe.
Für die Beschäftigten ist die Insolvenz vorerst abgefedert. Am 27. Oktober bewilligte die Bundesagentur für Arbeit Insolvenzgeld für drei Monate, wie ver.di über das bewilligte Insolvenzgeld berichtet. Am 20. Oktober hatten Gericht und Gläubigerausschuss das Massedarlehen von Gordon Brothers gebilligt, Gutscheine werden wieder eingelöst.
Vier Insolvenzen in sechs Jahren
August 2024
Neue Eigentümer, weniger Filialen
NRDC Equity Partners (Richard Baker) und eine Beteiligungsfirma von Bernd Beetz übernehmen Galeria; von 92 Filialen bleiben 83.
April 2026
Vermieter warten auf Miete
Mehrere Vermieter beklagen ausbleibende Mietzahlungen, Galeria bittet um Stundung.
Juni 2026
Kreditlinie von Gordon Brothers
Nach Liquiditätsengpässen erhält Galeria eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro.
Juli 2026
33 Häuser auf dem Prüfstand
Galeria will mit Vermietern über günstigere Konditionen verhandeln, darunter Standorte in Berlin, Köln, München und Mainz.
2. Oktober 2026
Vierte Insolvenz
Galeria beantragt beim Amtsgericht Düsseldorf das vierte Insolvenzverfahren in sechs Jahren.
5. Oktober 2026
Kebekus wird vorläufiger Verwalter
Das Gericht ordnet das vorläufige Insolvenzverfahren an und bestellt Frank Kebekus.
27. Oktober 2026
Kündigungen an die Vermieter
Die Bundesagentur für Arbeit bewilligt Insolvenzgeld für drei Monate; zugleich wird bekannt, dass Kebekus allen Standorten kündigen lässt.
Eigentümer fehlt das Geld für den Umbau
Die Kündigungen treffen Eigentümer, die ohnehin unter Druck stehen. Beim Immobilienentwickler Redevelop melden sich nach Angaben seines Geschäftsführers Lennard Maas Eigentümer, die ihre Galeria-Häuser loswerden wollen – für viele Vermieter ist der Mietausfall existenzbedrohend, wie das Handelsblatt das Desaster der Galeria-Vermieter beschreibt.
„Bei mir haben bestimmt schon zwanzig Eigentümer von Galeria-Filialen angerufen, um mir ihre Immobilie anzubieten.“
Denn eine Umnutzung ist teuer. Für die meist riesigen Verkaufsflächen sind nach Einschätzung aus dem Markt mindestens hohe einstellige Millionenbeträge pro Haus nötig – Geld, das viele Eigentümer nicht haben. Maas beschreibt die Folge so: „Wenn ihnen Galeria den Mietvertrag kündigt, stehen viele erst mal vor dem Nichts.“
Der Innenstadthandel verliert ohnehin
Die Kündigungen fallen in eine Branche, die schon ohne Galeria Standorte verliert. Der Leerstand im Innenstadthandel liegt bei 15 Prozent, vor Corona waren es rund 10. Creditreform zählte 2025 rund 2.440 Einzelhandelsinsolvenzen, der Handelsverband Deutschland erwartet Ende 2026 nur noch rund 296.600 stationäre Geschäfte.
Auch andere Ketten ziehen sich zurück: KiK bestätigt sieben weitere Filialschließungen und verweigert eine Gesamtliste der rund 150 betroffenen Standorte. Galeria will derweil das Weihnachtsgeschäft retten. Geschäftsführer Tilo Hellenbock sagt: „Jetzt richten wir den Blick auf das Weihnachtsgeschäft und die Zukunft von Galeria.“
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Nach drei Monaten Insolvenzgeld braucht Galeria einen Käufer
Das Insolvenzgeld läuft drei Monate. Danach braucht Galeria einen Käufer oder Investor für die Häuser, die bleiben sollen – und Eigentümer, die bereit sind, Geld in ihre Immobilien zu stecken. Die Gewerkschaft ver.di verlangt genau das von der Eigentümerseite.
„Es braucht einen Eigentümer, der Verantwortung für Galeria und seine Beschäftigten übernimmt.“
Silke Zimmer, Handelsbereich im ver.di-Bundesvorstand
Welche und wie viele der 83 Standorte am Ende eine Zukunft haben, ist offen. Kebekus will jedes Haus einzeln prüfen, die Kündigungen sind seit dieser Woche unterwegs. Für die Vermieter beginnt damit die Suche nach einem Käufer oder einem neuen Nutzungskonzept – und die Frage, wer die Millionen für den Umbau zahlt.