Guido Maria Kretschmer will Ästhetik als Pflichtfach an Schulen
Der Designer will Ästhetik-Lehre als Pflichtfach an Schulen, weil ihn zu große Sofas und halbhoch gestrichene Wände ärgern. Beim Einrichten zu Hause gibt er die Richtung vor – Ehemann Frank darf glauben, mitzuentscheiden.
Guido Maria Kretschmer (61) will Schülerinnen und Schülern beibringen, wie man ein Wohnzimmer einrichtet – weil er in deutschen Wohnungen schwere Fehler sieht. Zu große Sofas, halbhoch gestrichene Wände: Für den Designer sind das keine Geschmacksfragen, sondern ein Fall für den Lehrplan.
Anlass ist ein Interview in der „Abendzeitung“: Die Printausgabe vom 26. Oktober 2026 trug den Titel „Die Münchner haben schöne Wohnungen“, einen Tag später stellte das Blatt das Gespräch online, in dem Kretschmer über Einrichtungssünden in Wohnungen spricht. Er gab es zur Eröffnung des LOBERON-Pop-up-Stores am Viktualienmarkt.
Zu große Sofas, halbhohe Wände
Sein Befund ist konkret: „Bei vielen ist das Sofa viel zu groß. Und was ich auch ganz schlimm finde, sind halbhoch gestrichene Wände. Da möchte ich am liebsten in der Schule ein Pflichtfach für Ästhetik-Lehre einführen.“ Ein Zimmer brauche „einen Protagonisten, dazu passende Nebendarsteller und nicht zu viele Statisten“.
Ein Protagonist, also ein Sofa oder ein Schrank, der führt – nicht fünf Möbel, die sich gegenseitig überschreien. Dazu gehört für ihn zwingend ein Teppich: „In ein Wohnzimmer gehört für mich immer ein Teppich. Ich lege mich ja zu Hause gern auf den Boden. Ich finde das gemütlich.“
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Frank darf mitreden – glaubt er
Seit 41 Jahren lebt Kretschmer mit dem Künstler Frank Mutters zusammen. Beim Einrichten gibt er die Richtung vor. Wie er das begründet, klingt nach einem eingespielten Arrangement – und nach einer kleinen Selbsttäuschung auf der anderen Seite.
„Als gescheiter Mann weiß er aber, dass er mich machen lassen muss“, sagt Kretschmer über Mutters. Und schiebt hinterher: „Aber ich mache es so, dass Frank denkt, dass er mitentschieden hat.“ Genau dieses Arrangement ist auch sonst Thema bei den beiden – ein Geräusch an Ehemann Frank nervt ihn.
Die halbe Kollektion musste der Mutter gefallen
Hinter seinen Entwürfen steht eine Frau, die vor drei Jahren gestorben ist. Kretschmers Mutter Marianne hatte bei den Kollektionen ein festes Mitspracherecht – und der Sohn hat es nie aufgehoben. So beschreibt er die Regel, die für jedes Stück galt:
„Für meine Kollektionen musste die Hälfte der Stücke mir gefallen, die andere Hälfte meiner Mutter.“
Guido Maria Kretschmer, Modedesigner und TV-Moderator
Tannen an der Decke, ein Laden am Viktualienmarkt
Privat nennt er sich einen „absoluten Weihnachtsmenschen“: „Mitunter hängen sogar Tannen von der Decke, weil ich Platz habe in Hamburg.“ Diesen Platz hat er sich bewusst gesucht – warum Kretschmer Berlin den Rücken kehrte.
In München sieht er dafür den passenden Geschmack: „Die Münchner haben einen Hang zum Eleganten, Wertigen und leicht Konservativen. Hamburg kann das auch, aber München hat noch so einen etwas leichteren Stil.“ Auf diesen Stil setzt auch die Wohnmarke LOBERON.
Der Pop-up-Store am Viktualienmarkt 6 umfasst 477 Quadratmeter und läuft bis 30. Januar 2027, parallel öffnete ein zweiter Laden in der Hamburger Mönckebergstraße. Die gemeinsame Kollektion „Light & Elegance“ umfasst 80 kuratierte Stücke – LOBERON eröffnet zwei Pop-up-Stores in München und Hamburg. Ob bis Ende Januar auch nur eine halbhoch gestrichene Wand in München verschwindet, ist offen.