Torsten Sträter wirft Kanzler Merz „leichte Überforderung“ vor
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Comedian

Torsten Sträter wirft Kanzler Merz „leichte Überforderung“ vor

In einem „stern“-Interview rechnet Torsten Sträter mit Kanzler Friedrich Merz ab – und nennt die AfD „menschenverachtend“. Zugleich spricht der Comedian über seine Chemotherapie und den Verdacht, als Prominenter schneller behandelt worden zu sein.

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Torsten Sträter (60) hat Bundeskanzler Friedrich Merz (70) eine „leichte Überforderung“ bescheinigt – und gleich noch dessen Frisur zum Thema gemacht. Das Interview mit dem Magazin „stern“, veröffentlicht am 28. Oktober, ist die politische Abrechnung eines Mannes, der auf der Bühne sonst keine Politik macht.

Sein Vorwurf ist ein doppelter: Merz unternehme zu wenig, und wenn er entscheide, dann falsch. Entscheidungen des Kanzlers seien oft „katastrophal oder senden ein falsches Signal“, sagt Sträter.

„nicht allzu viel zu machen. Weil: Wer nichts macht, macht auch nichts verkehrt.“
Torsten Sträter, Comedian

Bemerkenswert ist, wer da spricht: Sträter ist für trockenen Humor bekannt – und dafür, in seinen Bühnenprogrammen auf politische Witze zu verzichten. Seine Ablehnung der Bundesregierung trägt er nun außerhalb der Bühne vor, in einem großen Publikumsinterview, und macht die Person Merz zum Gegenstand des Spotts.

Damit steht er nicht allein: El Hotzo nennt Merz „wirklich furchtbar“, und einer Umfrage zufolge halten 78 Prozent Merz für den falschen Kanzler. Sträters Aussagen zu Krebs, Merz und der AfD stehen im vollständigen Gespräch.

Spott über die Frisur des Kanzlers

Dabei bleibt es nicht bei der politischen Bewertung. Auch das Erscheinungsbild des Regierungschefs bekommt sein Fett weg. Zur Frisur von Merz sagt Sträter knapp: „Dann rasiert den Rest halt ab!“

Der Seitenhieb auf die Haarpracht verlagert den Streit von der Sache auf die Person – aus einer Bewertung von Entscheidungen wird eine Bemerkung über den Kopf des Kanzlers. Sträters Sticheleien gegen Merz und dessen Frisur sind Teil eines Gesprächs, in dem es auch um seine Erkrankung geht.

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AfD: „menschenverachtend“ und „dubios“

Deutlicher als beim Kanzler wird Sträter bei der AfD: Er halte die Partei für „menschenverachtend“, ihr Personal für „dubios“. Zugleich dämpft er die Erwartung, seine Prominenz könne Wählerinnen und Wähler umstimmen.

„Ich werde vermutlich keinen verkappten AfD-Wähler davon abhalten, diese Partei zu wählen, indem ich den Finger in die Luft reiße. Ich bin nicht der Beauftragte für politische Bildung. Das können andere besser.“
Torsten Sträter, Comedian

Damit formuliert der Comedian eine doppelte Haltung: maximale inhaltliche Distanz zur Partei, minimale Erwartung an die eigene Wirkung als öffentliche Person. Eine Mission auf der Bühne leitet er daraus nicht ab.

Chemotherapie: „alarmierend gut vertragen“

Das Interview ist zugleich eine gesundheitliche Bilanz. Sträter, der im April 2026 seine Tumorerkrankung öffentlich gemacht und Auftritte abgesagt hatte, blickt auf die Behandlung zurück: „Ich habe das alarmierend gut vertragen.“ Auch die Ärzte seien überrascht gewesen.

Zugleich betont er, das solle „nicht die fast heldenhaften Bemühungen schmälern von anderen Menschen, die in der Chemotherapie waren“. Seine Rolle als öffentliche Figur für psychische Erkrankungen relativiert er ebenfalls: „Ich kann weder anderer Leute Depressionen heilen noch sie verstehen. Man überschätzt meine Rolle als Vorzeigedepressiver.“

Von der Diagnose zurück auf die Bühne

  1. Januar 2026
    Sträter sagt zahlreiche Auftritte ab
  2. April 2026
    Tumorerkrankung öffentlich

    Sträter macht die Erkrankung publik und sagt alle Auftritte des Monats ab. Auf seiner Webseite heißt es: „Glücklicherweise befinde ich mich in den Händen überaus fähiger Ärztinnen und Ärzte.“

  3. Mai 2026
    Rückkehr auf die Bühne
  4. Juli 2026
    Diabetes-Diagnose im Podcast

    Im 1Live-Format „Sträter und Lobrecht“ mit Felix Lobrecht spricht er über die Behandlung und eine zusätzliche Diabetes-Diagnose, die ihn zur Ernährungsumstellung zwang.

  5. 5. September 2026
    „Im Moment krebsfrei“

    Im „Kölner Treff“ sagt Sträter, er sei „im Moment krebsfrei“ – mit dem Zusatz: „So was kann immer mal wieder kippen.“

  6. 8. September 2026
    Erste Vorpremiere in Datteln

    Sträter startet mit „Die Zyklopen von Saint-Tropez“; der Erlös des Abends geht an einen lokalen Verein.

  7. 28. Oktober 2026
    „stern“-Interview erscheint

    Sträter attestiert Merz eine „leichte Überforderung“, nennt die AfD „menschenverachtend“ und spricht über die Chemotherapie.

Über sich selbst sagt er: „Ich weiß, wo die Depressionen bei mir herkamen, und seitdem habe ich keine mehr. Ich bin mental überaus stabil.“

Der Verdacht der Privilegierung

Offen ist Sträters Blick auf die eigene Versorgung. Er vermutet, seiner Bekanntheit sei es zu verdanken, dass er schnell behandelt wurde. Die Behandelnden hätten sich möglicherweise gedacht: „Wir lassen ihn nicht sechs Wochen warten auf einen CT-Termin.“

Und weiter: „Vielleicht sollten wir den Sträter mal erhalten, koste es, was es wolle.“ Direkt danach schränkt er ein: „Das war sicher ein wenig zu dick aufgetragen.“ In den Sätzen steckt der soziale Kern des Themas: ob Prominenz in Deutschland Wartezeiten verkürzt.

Zurück auf der Bühne – ohne Tumorgeschichte

Beruflich ist Sträter wieder voll im Einsatz. Am 8. September feierte er in Datteln die erste Vorpremiere seines Programms „Die Zyklopen von Saint-Tropez“ und spendete den Erlös an einen lokalen Verein; mit dem Programm tourt er derzeit durch Deutschland. Zudem erschien sein Buch „Mach mal das große Leselicht an“.

Seine Krebserkrankung will er nicht zum Bühnenstoff machen: „Ich will keine Tumorgeschichte erzählen“, sagte er im „Kölner Treff“ – es fehle ihm die unterhaltsame Idee dazu. Auf die Frage nach einem Vermächtnis sagte er dem „stern“: „Ich habe das Sterben zunächst übersprungen, aber wohl nicht mittel- oder langfristig.“

Was von ihm bleiben soll, hat er ebenfalls formuliert: „Es wäre auch zu arrogant zu hoffen, dass ein Humor-Buch das ist, was von mir bleibt. Ich möchte bitte in den Gedanken der Menschen, die ich liebe, weiterexistieren.“ Ob seine politischen Sätze künftig auch auf der Bühne fallen, ist offen – dort hat er bislang bewusst auf Pointen über die Regierung verzichtet.