Selenskyj bestätigt 15 Kilometer Vormarsch durch Gaspipeline
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Untergrundkrieg

Selenskyj bestätigt 15 Kilometer Vormarsch durch Gaspipeline

Mehr als 100 getötete Russen, über 30 Gefangene und ein Vormarsch von 15 Kilometern – im Inneren einer Gaspipeline. Selenskyj bestätigt erstmals selbst die Ergebnisse der „Operation Veles“ bei Kupjansk. Die Zahlen sind unabhängig nicht geprüft, Moskau schweigt.

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Mehr als 100 getötete russische Soldaten, mehr als 30 Gefangene und ein Vormarsch von über 15 Kilometern – nicht an der Oberfläche, sondern im Inneren einer Gaspipeline. Am Abend des 27. Oktober 2026 hat Wolodymyr Selenskyj erstmals selbst die Ergebnisse der „Operation Veles“ bei Kupjansk verkündet.

Damit bestätigt der ukrainische Präsident Zahlen, die das 2. Khartiia-Korps der Nationalgarde bereits am 22. Oktober veröffentlicht hatte. Der Konflikt: Russische Truppen hatten denselben unterirdischen Weg zuerst benutzt, um ukrainische Stellungen zu unterqueren – die Ukraine hat die Taktik nun gegen sie gewendet, wie der Bericht zu Selenskyjs Angaben über die Operation zeigt.

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Unsere wichtige Operation im Sektor Kupiansk. Mykhailo Drapatyi, Ihor Obolenskyi und Pavlo Palisa berichteten über die ersten Ergebnisse und den Fortschritt der Operation Veles, die vom Khartiia 2. Korps der Nationalgarde der Ukraine durchgeführt wird. Mehr als 100 russische Besatzer wurden bereits eliminiert, und mehr als 30 wurden gefangen genommen. Der unterirdische Vormarsch hat 15 Kilometer überschritten. Die Russen hatten bereits versucht, unterirdische Gaspipelines zu nutzen, um sich durch unsere Stellungen zu bewegen und Angriffsoperationen zu starten. Ukrainische Krieger haben diese Taktik erfolgreich umgewandelt, modernisiert und viel raffinierter und technologisch fortschrittlicher gemacht. Wir schützen das Leben unserer Leute, fügen den Besatzern Verluste zu und erreichen unsere Ziele im Sektor Kupiansk. Ruhm der Ukraine!

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Ein Schacht als offene Flanke

Nördlich von Kupjansk quert die aus der Sowjetzeit stammende Shebelynka-Ostrohozk-Pipeline den Oskil unterirdisch. Die Hauptröhre misst rund 120 Zentimeter im Durchmesser, daneben verlaufen mehrere parallele Stränge. Seit Sommer 2025 nutzten russische Truppen diesen Hohlraum, um ungesehen auf die ukrainisch kontrollierte Westseite des Flusses zu gelangen und sich in den Waldstücken zu sammeln.

Ukrainische Einheiten versuchten zunächst, die Röhre zu zerstören oder zu fluten. Russische Trupps umgingen beschädigte Stellen jedoch, schnitten neue Öffnungen in die Leitung und nahmen den unterirdischen Verkehr wieder auf. Am 12. September 2026 meldete die Beobachtungsgruppe DeepState, russische Soldaten hätten eine Gaspipeline genutzt, um die ukrainischen Verteidigungslinien bei Kupjansk zu durchdringen.

Wie der Krieg unter die Erde ging

  1. Sommer 2025
    Russen nutzen die Pipeline als Zugang

    Russische Truppen unterqueren den Oskil durch die Shebelynka-Ostrohozk-Leitung und dringen in den Norden Kupjanks ein.

  2. Januar 2026
    Angriff durch die Pipeline „Sojus“ gestoppt

    Ukrainische Einheiten stoppen nach eigener Darstellung einen russischen Vorstoß von rund 50 Soldaten durch eine weitere Röhre.

  3. 10. Juli 2026
    15 russische Soldaten im Schacht eingeschlossen

    Ukrainische Soldaten stürmen einen alten Gasleitungsschacht. Fast anderthalb Monate später kapitulieren die Eingeschlossenen.

  4. 12. September 2026
    DeepState meldet Durchbruch durch die Röhre

    Die ukrainische Schlachtfeldbeobachtungsgruppe bestätigt, dass russische Truppen ukrainische Linien über die Leitung durchbrochen haben.

  5. 21. Oktober 2026
    Das Korps kündigt „Veles“ an

    „Als das Schlachtfeld transparent wurde, ging der Krieg unter die Erde“, formuliert das 2. Khartiia-Korps.

  6. 27. Oktober 2026
    Selenskyj bestätigt die Zahlen

    In seiner abendlichen Videobotschaft nennt der Präsident mehr als 100 Getötete, mehr als 30 Gefangene und über 15 Kilometer Vormarsch.

  7. 28. Oktober 2026
    Keine neuen Einbrüche registriert

    Sprecher Wiktor Trehubow erklärt, seit der Operation sei kein neuer russischer Zugang in die Stadt mehr festgestellt worden.

Sechs Monate Vorbereitung

Nach Darstellung des Korps dauerte die Vorbereitung mehr als sechs Monate. Beteiligt waren das Sturmtregiment R.U.H., das Regiment für unbemannte Systeme Lava, die Achilles-Brigade sowie Elemente des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Ingenieure, Bergleute und Spezialisten für Untertagebau planten Belüftung, Kommunikation, Navigation, Sanitätsversorgung und geschützte Logistik.

Beim Vormarsch drangen die Ukrainer nach eigener Darstellung auf mehr als 15 Kilometern Länge in das Leitungssystem vor und lieferten sich im Rohr Nahkämpfe. Videos zeigen Sandsackbarrikaden, Maschinengewehre und Soldaten auf Rollbrettern in knie- bis hüfttiefem Wasser. Über ähnliche Zustände berichteten zuletzt russische Gefangene aus Lyman.

„Die Russen wollten die Gaswege nutzen, um in den Rücken unserer Kräfte zu gelangen. Also sind wir selbst unter die Erde gegangen.“
Ihor Obolenskyj, Brigadegeneral und Kommandeur des 2. Khartiia-Korps

Kein Nachschub mehr durch die Röhre

Am 28. Oktober erklärte Wiktor Trehubow, Sprecher der für Charkiw zuständigen Truppengruppierung, im nationalen Fernsehmarathon, seit der Operation seien keine neuen russischen Einbrüche in Kupjansk registriert worden. Zuvor eingedrungene Soldaten hielten sich aber weiterhin im Norden der Stadt auf, verteilt über mehrere Stellungen.

Das Institute for the Study of War kommt in seiner Lageeinschätzung des ISW zum 28. Oktober zu dem Schluss, „Veles“ habe verhindert, dass russische Kräfte ihre Stellungen im Norden Kupjanks festigen konnten. Russische Militärquellen räumten demnach ein, dass die ukrainischen Aktionen ihre Logistik über den Oskil störten und Verlegungen erzwingen. An anderen Frontabschnitten verzeichnete das ISW jedoch weitere russische Geländegewinne.

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Nicht unabhängig überprüft

Das Hudson Institute nannte „Veles“ in seinem Lagebericht die „bemerkenswerteste Tunnelkriegs-Anstrengung des laufenden Konflikts“. Der Think Tank ordnet sie in eine Entwicklung ein, in der Drohnen Bewegung an der Oberfläche fast unmöglich machen und Pipelines, Tunnel und Kanalnetze als verdeckte Verkehrswege militärisch aufgewertet werden.

Die von Selenskyj und dem Khartiia-Korps genannten Zahlen – mehr als 100 Getötete, mehr als 30 Gefangene, mehr als 15 Kilometer Vormarsch – sind bislang nicht unabhängig überprüft. Das russische Verteidigungsministerium hat sich zu „Operation Veles“ nicht öffentlich geäußert. Offen bleibt damit auch, wie viele russische Soldaten im Norden Kupjanks weiter ausharren und ob der ukrainische Zugang dorthin dauerhaft gekappt ist.