Zwischen 1.500 und 2.000 Menschen harren noch in Oleschky aus, Dutzende von ihnen sind Kinder. Seit Dienstagmorgen um 3 Uhr Ortszeit dürfen sie die russisch besetzte Frontstadt in der Region Cherson verlassen – solange die örtliche Feuerpause hält.
Der russische und der ukrainische Generalstab haben die Vereinbarung bestätigt. Sie soll Hilfslieferungen mit Lebensmitteln und Medikamenten durchlassen und die Evakuierung der verbliebenen Bewohner absichern. Vor dem Krieg zählte Oleschky je nach Angabe 24.000 bis 38.000 Einwohner.
Eine First Lady vermittelt, zwei Generalstäbe bestätigen
Laut einem Bericht über Melania Trumps Vermittlung machte das Weiße Haus die auf Oleschky begrenzte Feuerpause am 23. Oktober öffentlich. Der Kreml kündigte zugleich Dreiergespräche für die erste Novemberhälfte in Abu Dhabi an.
In der Nacht zum 27. Oktober beschädigte ein russischer Angriff auf Kiew die Südbrücke über den Dnipro. Im Telefonat mit Stubb und Støre forderte Putin erneut den gesamten Donbass – am selben Tag, an dem die Waffenruhe rund um Oleschky in Kraft trat.
Von der Eroberung zur befristeten Feuerpause
- 24. Februar 2022Kriegsbeginn
Russland beginnt den Angriffskrieg gegen die Ukraine; Oleschky wird unmittelbar danach von russischen Truppen erobert.
- November 2022Oleschky wird Frontstadt
Mit dem russischen Rückzug aus Cherson rückt die Stadt ins Frontgebiet.
- 23. Oktober 2026Vermittlung aus Washington
Das Weiße Haus teilt mit, First Lady Melania Trump habe eine auf Oleschky begrenzte Feuerpause vermittelt. Der Kreml kündigt Dreiergespräche in Abu Dhabi an.
- 26. Oktober 2026Beide Generalstäbe bestätigen
Die humanitäre Feuerpause soll am folgenden Morgen beginnen.
- 27. Oktober 2026Waffenruhe tritt in Kraft
Um 3 Uhr Ortszeit beginnt die Feuerpause; in der Nacht wird bei einem russischen Angriff die Südbrücke in Kiew beschädigt.
- 28. Oktober 2026Wege werden geräumt
Jana Lantratowa und Dmytro Lubinez bestätigen die Minenräumung und die Einhaltung der Feuerpause.
Minenräumer öffnen die Zufahrtsstraßen
Nach dem Bericht Oleschky ist seit Mai ohne Lebensmittel erreichte die Stadt seit dem 26. Mai kein Versorgungskonvoi mehr. Nun sollen Lastwagen Lebensmittel und Medikamente hineinbringen und Bewohner herauskommen.
Laut einem Bericht zur Minenräumung in Oleschky werden die Zugangsstraßen seit Mittwoch geräumt. Die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa und ihr ukrainischer Kollege Dmytro Lubinez bestätigten, dass die Feuerpause hält.
„Es ist gerade äußerst wichtig, die Sicherheit der Wege zu gewährleisten, damit die Menschen die Stadt verlassen können.“
Putins Forderung bleibt der ganze Donbass
An der Maximalforderung des Kremls hat die Feuerpause nichts geändert. Putin verlangt weiterhin den gesamten ukrainischen Donbass – einschließlich des Fünftels der Region Donezk, das russische Truppen nicht kontrollieren. Die Vereinbarung gilt allein für Oleschky; auf den Rest der Front hat sie keine Wirkung.
Toni Hofreiter, Vorsitzender des Europa-Ausschusses im Bundestag, zieht nach dem jüngsten Gespräch eine ernüchternde Bilanz. Sein Befund richtet sich gegen den Kreml, nicht gegen Kiew:
„Die Ergebnisse des Gesprächs zeigen leider, dass Putin weiterhin zu keinem Entgegenkommen bereit ist. Auch bei diesem Treffen hat Putin nur seine Maximalforderungen wiederholt.“
Abu Dhabi verhandelt ohne Europa
Für die erste Novemberhälfte sind Dreiergespräche zwischen Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi geplant, ein genauer Termin steht noch aus. Der Kreml schließt eine europäische Beteiligung aus. Selenskyj wirbt in Den Haag für das Gegenteil: „Wir finden hoffentlich einen Weg, Europa einzubeziehen.“
Bundeskanzler Friedrich Merz hält eine Lösung ohne Kiew für ausgeschlossen: „Sie mögen zwar miteinander sprechen und verhandeln, aber ohne die Ukraine werden sie niemals Lösungen finden können.“ Zunächst zählt der Sonntag: Nach russischen Angaben endet die Waffenruhe um Oleschky kurz vor Mitternacht.
