Baerbocks Vortrag in Uppsala wird gestört, die Fragerunde fällt aus
Mehrere propalästinensische Aktivisten unterbrechen Annalena Baerbocks Dag-Hammarskjöld-Vorlesung in Uppsala mit schweren Vorwürfen. Baerbock kontert mit „Jetzt rede ich!“ – die Fragerunde fällt aus, am selben Abend bekommt sie die Medaille.
„Wie können Sie es wagen?“ Der Zwischenruf trifft Annalena Baerbock mitten in der Dag Hammarskjöld Lecture 2026 im Grand Auditorium der Universität Uppsala. Mehrere propalästinensische Aktivisten unterbrechen die Rede der früheren Bundesaußenministerin an diesem 26. Oktober immer wieder.
Der Vortrag trägt den Titel „Better Together – Redefining Leadership in a Fragmented World. The UN and the Future of Multilateralism“. Laut Veranstaltungsseite der Universität Uppsala läuft er von 17 bis 18.30 Uhr, organisiert von der Dag-Hammarskjöld-Stiftung und der Hochschule.
Zwischenrufe statt Fragen
Die Störer werfen Baerbock vor, sie habe die Bombardierung von Krankenhäusern und Schulen gerechtfertigt. „Wessen Demokratie verteidigen Sie? Für wessen Freiheit stehen Sie eigentlich ein – nur für die der Israelis?“, ruft einer aus dem Saal.
Zuerst verweist Baerbock die Zwischenrufer auf die geplante Fragerunde. Als die Unterbrechungen weitergehen, bricht es aus ihr heraus: „Jetzt rede ich!“ Die angekündigte Diskussion mit dem Publikum kommt danach nicht mehr zustande. Worauf sie sich beruft, macht sie in ihrer Antwort deutlich.
„Jetzt spreche ich wieder. Ich habe Ihnen eine Antwort gegeben. Ich war neunmal an den Grenzen, habe diese Kinder gesehen und mit ihnen gesprochen.“
Annalena Baerbock, Präsidentin der 80. UN-Vollversammlung
Der Satz, der die Proteste trägt
Der Konflikt reicht in Baerbocks Amtszeit als Bundesaußenministerin zurück. Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 erklärt sie vier Tage später im Bundestag die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson. Zugleich sagt sie Unterstützung im Rahmen des Völkerrechts zu – einschließlich Waffenlieferungen.
Im Oktober 2024 verteidigt sie im Bundestag erneut die Rüstungshilfe und formuliert den Satz, der die Proteste bis nach Uppsala trägt: „Dann können auch zivile Orte ihren Schutzstatus verlieren, weil Terroristen diesen missbrauchen.“ Er wird zum Bezugspunkt der Zwischenrufe.
Von der Staatsräson zur Vorlesung in Uppsala
7. Oktober 2023
Terrorangriff der Hamas auf Israel
Vier Tage später erklärt Baerbock im Bundestag die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson und sagt Unterstützung im Rahmen des Völkerrechts zu.
Oktober 2024
Bundestagsrede zur Rüstungshilfe
Baerbock sagt, zivile Orte könnten ihren Schutzstatus verlieren, wenn Terroristen sie missbrauchen. Der Satz wird zum Bezugspunkt der Proteste.
9. September 2025
Präsidentin der UN-Vollversammlung
Baerbock tritt das Amt der Präsidentin der 80. UN-Generalversammlung an.
September 2026
Professorin in New York
Sie wechselt als Professorin für Global Leadership an die Columbia-Universität.
26. Oktober 2026
Eklat im Grand Auditorium
Propalästinensische Aktivisten unterbrechen ihre Vorlesung, Baerbock entgegnet „Jetzt rede ich!“, die Fragerunde fällt aus.
Ausschnitte ohne ihre Antworten
Handyaufnahmen des Eklats kursieren ab dem 27. Oktober in sozialen Netzwerken, unter anderem verbreitet von der Studentenorganisation „Academics for Palestine“. In deren Ausschnitten fehlen Baerbocks Antworten teilweise – zu sehen sind die Vorwürfe, nicht ihre Erwiderung.
Ab dem 28. Oktober greifen deutsche Medien den Vorfall auf. Der Merkur-Bericht über die Zwischenrufe in Uppsala führt den Aufschrei „Wie können Sie es wagen?“ im Wortlaut. Am 29. Oktober folgen WELT und internationale Portale.
Medaille und offene Fragen
Am selben Abend erhält Baerbock die Dag-Hammarskjöld-Medaille. Sie wird an Persönlichkeiten vergeben, die sich um die Lösung globaler Probleme durch das UN-System verdient gemacht haben. Seit September 2026 lehrt sie zudem in New York – Baerbocks Wechsel als Professorin an die Columbia University.
Wie Universität und Stiftung auf den Eklat reagieren, ist offen. Offen ist auch, ob Baerbock ihre Vorlesungen künftig überhaupt noch für Publikum öffnet – oder ob die Fragerunde künftig getrennt von der Rede läuft.