Rumänien macht russisches Netzwerk für Brand bei Carfil verantwortlich
Bild: KI-generiert
Rüstungsindustrie

Rumänien macht russisches Netzwerk für Brand bei Carfil verantwortlich

Der rumänische Geheimdienst SRI macht ein aus Russland gesteuertes Sabotagenetzwerk für das Feuer neben dem Rüstungswerk Carfil in Brașov verantwortlich. Drei Verdächtige sind beschuldigt, zwei wurden in Deutschland gefasst, einer in Warschau. Moskau weist die Vorwürfe als haltlos zurück.

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Rumänien beschuldigt Moskau, einen Brandanschlag neben dem Rüstungswerk Carfil in Brașov gesteuert zu haben – und geht damit auf offenen Konfrontationskurs zum Kreml. Der Inlandsgeheimdienst SRI teilte am Abend des 26. Oktober mit, ein „aus der Russischen Föderation koordiniertes Sabotagenetzwerk“ habe „an der Auslösung des Feuers“ vom 14. September mitgewirkt.

Das Feuer war in den frühen Morgenstunden auf der Industrieplattform unmittelbar neben dem Werk der CARFIL SA ausgebrochen, einer Tochter des staatlichen Rüstungskonzerns ROMARM; beschädigt wurden Räumlichkeiten mehrerer Handelsgesellschaften. Ob die Fertigungsanlagen von Carfil selbst getroffen wurden oder die Produktion stockte, ist behördlich nicht bestätigt. Die Antiterrorismus-Staatsanwaltschaft DIICOT ermittelt seit September.

Drei Verdächtige, drei Länder

Am selben Tag veröffentlichte DIICOT eigene Angaben: Drei Ausländer – zwei Belarussen und ein Ukrainer, alle mit Wohnsitz in einem EU-Staat – sind namentlich beschuldigt, dem Netzwerk anzugehören. Das Appellationsgericht Bukarest erließ in ihrer Abwesenheit europäische Haftbefehle, das Verfahren läuft wegen „Versuch der Diversionsakte“. Zwei der Männer wurden nach internationaler Zusammenarbeit in Deutschland vorläufig festgenommen, nach Darstellung der Staatsanwaltschaft „während sie die Begehung ähnlicher Taten vorbereiteten“.

Der dritte wurde am 27. Oktober in Warschau gefasst. Antiterrorismus-Einheiten der polnischen Polizeizentrale CBŚP nahmen den 25-jährigen Ukrainer, nach polnischem Datenschutzrecht nur „Artem S.“ genannt, im Stadtteil Ursus auf Grundlage des rumänischen Haftbefehls fest, wie die Festnahme des 25-Jährigen in Warschau schildert. Nach Informationen des Senders RMF bestand seine Rolle darin, das Ziel zu identifizieren und die Zahlung der Beteiligten zu organisieren.

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Eine Zielliste weit über Rumänien hinaus

Der SRI geht davon aus, dass der Auftrag weit über Rumänien hinausreichte: Die Koordinatoren in Russland hätten dem Netzwerk „eine umfangreiche Liste von Zielen in der Region zugewiesen“ – staatliche und private Waffenproduktionsanlagen sowie andere Objekte militärischen und industriellen Interesses. Der Fall sei Teil „einer breiteren Kampagne von Sabotageoperationen“; in diesem Jahr seien in Rumänien weitere Versuche aufgedeckt worden, darunter gegen internationale Militäreinrichtungen und Standorte zur Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte.

Der Brand von Brașov reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorgänge in Mittel- und Osteuropa ein, die Behörden Russland zuschreiben: eine Brandstiftung beim estnischen Hersteller unbemannter Bodenfahrzeuge Milrem Robotics in Tallinn, ein Anschlag auf ein Drohnenwerk des polnischen Rüstungsunternehmens WB Electronics, Attacken auf Starlink-Bodenstationen in Polen, Litauen und Bulgarien, ein in der Slowakei vereitelter Anschlag. Beim Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle sehen Ermittler eine Spur zum GRU.

Die dänische Spionageabwehr warnte im September, Russland rekrutiere dänische Staatsangehörige für Sabotageplanungen gegen Verteidigungsfirmen mit Ukraine-Bezug; der britische MI5-Chef Ken McCallum nannte Russland im Oktober den „Aggressor Nummer eins“. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ vom 20. Oktober, der sich auf europäische Beamte mit US-Geheimdiensterkenntnissen beruft, soll Wladimir Putin eine Ausweitung der Sabotage gegen NATO-Staaten persönlich angeordnet haben.

Von der Warnung bis zum Haftbefehl

  1. Anfang 2026
    SRI warnt ROMARM

    Nach Darstellung des ROMARM-Managements weist der Geheimdienst die Rüstungsgruppe zu Jahresbeginn auf Sabotagerisiken hin.

  2. 14. September 2026
    Feuer neben dem Carfil-Werk

    Auf der Industrieplattform in Brașov brennen Räumlichkeiten mehrerer Handelsgesellschaften.

  3. September 2026
    DIICOT übernimmt

    Die Antiterrorismus-Staatsanwaltschaft nimmt die Ermittlungen auf.

  4. 20. Oktober 2026
    Bericht über Putins Auftrag

    Das „Wall Street Journal“ meldet unter Berufung auf europäische Beamte eine angeordnete Ausweitung der Sabotage gegen NATO-Staaten.

  5. 26. Oktober 2026
    SRI nennt Netzwerk und Auftraggeber

    Der Dienst erklärt am Abend, das Netzwerk habe den Brand ausgelöst; DIICOT meldet drei Beschuldigte und Haftbefehle, zwei Festnahmen in Deutschland.

  6. 27. Oktober 2026
    Protest und Festnahme in Warschau

    Das Außenministerium bestellt Botschafter Lipaev ein, die CBŚP nimmt „Artem S.“ in Ursus fest.

  7. 28. Oktober 2026
    Entscheidung über Auslieferung

    Ein polnisches Gericht muss über die Übergabe des Ukrainers an Rumänien befinden.

Geld für harmlose Aufgaben

Ausführlich schildert der SRI, wie das Netzwerk neue Täter anwirbt: Meist beginne es über soziale Netzwerke mit Geld für eine scheinbar harmlose Aufgabe wie das Fotografieren eines Objekts. Später würden die Aufträge schwerer und könnten „bis zu Zerstörung, Brandstiftung oder sogar Mord reichen“; wer sich weigert, werde unter Druck gesetzt und erpresst. Genutzt würden finanzielle Notlagen, Abhängigkeiten oder Vorstrafen. Für sich genommen, schränkte der Dienst ein, belegten solche Indizien keine Sabotagebeteiligung.

Protest in Bukarest, Dementi aus Moskau

Am 27. Oktober bestellte das Außenministerium den russischen Botschafter Vladimir Lipaev ein und protestierte förmlich gegen den „Sabotageakt“; dem Diplomaten seien die in den Ermittlungen gewonnenen Beweise vorgelegt und Russland die Verantwortung zugeschrieben worden. Die russische Botschaft wies das am selben Tag zurück: Lipaev habe die Anschuldigungen als „haltlos“ bezeichnet, „keinerlei Beweismaterial“ sei ihm vorgelegt worden. Russland habe nie Sabotageakte in Rumänien oder einem anderen Staat geplant, koordiniert oder ausgeführt.

„Jede Beteiligung der Russischen Föderation an Sabotageakten auf rumänischem Territorium verurteile ich aufs Schärfste. Solche Handlungen sind inakzeptabel und eine schwerwiegende Verletzung der Souveränität und Sicherheit unseres Landes.“
Nicușor Dan, Staatspräsident Rumäniens

Dan ordnete den Vorgang in einen seit Jahren andauernden „hybriden Krieg“ Moskaus ein, der europäische Staaten von innen schwächen und ihre Solidarität untergraben solle. Premierminister Luca Niculescu sagte, die Behörden hätten ein russisches Sabotagenetzwerk gegen die Verteidigungsindustrie zerschlagen. Innenministerium und Behörden kündigten verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für kritische Infrastruktur, strategische Industriestandorte und Logistiklager an. Offen ist die Entscheidung über die Auslieferung von „Artem S.“: Ein polnisches Gericht muss sie treffen, ein Schuldspruch liegt in keinem der drei Verfahren vor.