95 Millionen Euro Gewinn nach Steuern – 87 Prozent weniger als im Vorjahresquartal, als bei Audi noch 718 Millionen Euro übrig blieben. Am Freitag, 30. Oktober, legte der Hersteller die Zahlen für das dritte Quartal und die ersten neun Monate vor und senkte die Jahresprognose zum zweiten Mal.
Nach neun Monaten stehen 42,1 Milliarden Euro Umsatz, im Vorjahr waren es 48,4 Milliarden. Das operative Ergebnis sank von 1,56 auf 1,15 Milliarden Euro, die operative Umsatzrendite fiel auf 2,7 Prozent. Die Marke lieferte 1.042.150 Fahrzeuge aus, 11,4 Prozent weniger; im dritten Quartal waren es 314.905 Autos – minus 19,7 Prozent.
China bricht ein, Zölle drücken
Die Belastungen sind teils hausgemacht, teils politisch. In China gingen die Verkäufe in den ersten neun Monaten um 24,5 Prozent zurück, vor allem bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Dazu kommen steigende Energiekosten und US-Zölle. Ein eigenes Werk in den USA hat Audi bis heute nicht.
Finanzvorstand Jürgen Rittersberger fasst die Ursachen in der Audi-Mitteilung zu den herausfordernden ersten neun Monaten zusammen. Er nennt darin drei Treiber, die zusammenwirken:
„Die Geschäftsentwicklung wurde insbesondere durch den Markteinbruch in China – vor allem bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor –, die steigende Wettbewerbsintensität sowie den zunehmenden Exportdruck chinesischer Hersteller auf den europäischen Markt belastet.“
Prognose zum zweiten Mal gesenkt
Die Prognose für 2026 steht jetzt bei 55 bis 59 Milliarden Euro Umsatz und 3 bis 5 Prozent operativer Rendite. Im Juli hatte Audi noch 58 bis 63 Milliarden Euro und 5 bis 7 Prozent angekündigt. Schon im September senkte Mutterkonzern Volkswagen seine Erwartungen – Audi ist Teil dieser Guidance.
„Die Kennzahlen zeigen deutlich: Der Handlungsbedarf bei Audi ist hoch und duldet keinen Aufschub. Vor allem im dritten Quartal hat sich das Umfeld noch einmal erheblich verschärft. Unsere Maßnahmen wirken, aber aufgrund des enormen Wettbewerbsdrucks müssen wir sie verstärken.“
Der Sparkurs, den Rittersberger meint, läuft seit Monaten. Die Zukunftsvereinbarung von 2025 sieht Tausende Stellen weniger in Deutschland vor. Beim Mutterkonzern hat der Aufsichtsrat einen Zukunftsplan gebilligt, dem weltweit 50.000 Jobs zum Opfer fallen – VW-Aufsichtsrat segnet Zukunftsplan 2030 ab. Seit dem 1. Oktober verhandelt Audi über die gezogene Schlechtwetterklausel und die Beschäftigungsgarantie bis 2033.
Sondersitzung nach dem Trump-Auftritt
Am selben Tag kam der Aufsichtsrat zu einer außerplanmäßigen Sitzung zusammen. Sie fiel in eine politische Krise: Vorstandschef Gernot Döllner war am 24. Oktober bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Georgia auf die Bühne getreten, wo Trump das geplante Audi-Werk in Perry verkündete. IG-Metall-Chefin Christiane Benner nannte den Auftritt „politisch inakzeptabel“.
Die Börse nahm die Zahlen dennoch gelassen: Die VW-Aktie bleibt trotz gekappter Prognose freundlich und notierte zeitweise rund 0,6 Prozent im Plus. Am Vorabend hatte Volkswagen für das dritte Quartal einen Verlust nach Steuern von 5,82 Milliarden Euro gemeldet.
Von der Prognose zum Sondergipfel
- Juli 2026ErsteSenkung der Jahresziele
Audi kappt die Prognose erstmals auf 58 bis 63 Milliarden Euro Umsatz und 5 bis 7 Prozent operative Rendite.
- 1. Oktober 2026Schlechtwetterklausel gezogen
Audi kündigt an, die Klausel zu ziehen; Verhandlungen über weitere Einsparungen und die Beschäftigungsgarantie bis 2033 beginnen.
- 13. Oktober 2026Auslieferungen brechen ein
Für das dritte Quartal meldet Audi nur noch 314.905 ausgelieferte Autos – 19,7 Prozent weniger als im Vorjahr.
- 24. Oktober 2026Döllner auf der Trump-Bühne
Der Audi-Chef tritt bei einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia auf, Trump verkündet das geplante Werk in Perry.
- 26. Oktober 2026Kritik aus der Gewerkschaft
IG-Metall-Chefin Christiane Benner nennt den Auftritt „politisch inakzeptabel“, weitere Gewerkschafter fordern Konsequenzen.
- 29. Oktober 2026VW meldet Milliardenverlust
Volkswagen weist für das dritte Quartal 5,82 Milliarden Euro Verlust nach Steuern aus; die Audi-Sondersitzung wird bekannt.
- 30. Oktober 202695 Millionen Euro und neue Ziele
Audi legt die Neunmonatszahlen vor, senkt die Prognose erneut; am Nachmittag tagt der Aufsichtsrat außerplanmäßig.
Hoffnung auf ein starkes Schlussquartal
Für die letzten drei Monate gibt sich der Finanzvorstand zuversichtlich: „Wir erwarten ein deutlich stärkeres viertes Quartal“, sagte Rittersberger. Um die neue Spanne von 3 bis 5 Prozent Rendite zu erreichen, müsste Audi nach dem schwachen dritten Quartal deutlich zulegen.
Vorstandschef Gernot Döllner setzt auf den Umbau: „Kosten senken und Qualität und Produktivität steigern“, das sei die klare Priorität. Ob der Aufsichtsrat bei seiner Sondersitzung am Nachmittag über die Zahlen hinaus weitere Einschnitte beschließt und ob der Trump-Auftritt für Döllner Folgen hat, ist offen.
