Russell Brand bestreitet sieben Vorwürfe sexueller Gewalt
Mehr als vier Stunden lang hat Russell Brand im Southwark Crown Court alle sieben Vorwürfe sexueller Gewalt bestritten – und dabei erklärt, warum in seinen Kontakten „T“ für „tart“ stand. Die Anklage setzt auf sechs unabhängige Frauen, die Verteidigung auf eine Dokumentation von 2023.
Mehr als vier Stunden lang hat Russell Brand (51) am Mittwoch im Zeugenstand des Southwark Crown Court in London die Vorwürfe gegen sich zurückgewiesen. Der frühere Komiker und Schauspieler bestreitet alle sieben Anklagepunkte: drei Vergewaltigungen, drei sexuelle Übergriffe, einen versuchten Übergriff. Die Staatsanwaltschaft stützt sich auf sechs Frauen, die unabhängig voneinander aussagen.
Ein Detail aus seinem Handy hat den Prozesstag geprägt – der vor Gericht enthüllte Sexcode in seinen Kontakten. Brand räumte ein, die Nummer einer Frau, die ihn der analen Vergewaltigung beschuldigt, mit dem Buchstaben „T“ gespeichert zu haben. „T“ habe für „tart“ gestanden, sein Kürzel für wechselnde Bekanntschaften.
In derselben Kontaktzeile standen laut Brand die Buchstaben „AP“ für „anal play“ und zwei Sternchen für „never ever forget this individual“. Nach Einvernehmen gefragt, sagte er im Zeugenstand:
„Zustimmung ist fundamental, essenziell, notwendig und in vielerlei Hinsicht wichtiger als Sex selbst.“
Russell Brand, Angeklagter vor dem Southwark Crown Court
Vier Stunden im Zeugenstand
Brand räumte außerdem ein, seine Berühmtheit für sexuelle Kontakte genutzt zu haben. „Als ich erfolgreicher und berühmter wurde, war es mir sehr recht, dass das sexuellen Zugang erleichterte – was, wie ich zugebe, falsch war“, sagte er laut dem Bericht des Guardian über die Zeugenaussage. Er habe sich „sehr egoistisch“ verhalten.
Staatsanwältin Riel Karmy-Jones konfrontierte ihn im Kreuzverhör mit dem Gegenteil. Sie hielt ihm vor, es sei ihm nur um seine eigene Befriedigung gegangen: „Es ging dir nur darum, dich selbst zu befriedigen, nicht wahr, Mr Brand?“ Brand selbst sagte über sich, er sei „überredend, verführerisch, bettelnd und flirtend“ gewesen und habe „einen großen Teil meines Lebens dem gewidmet, was mir heute als mehr als leichtsinniges Herumhuren und Idiotie erscheint“.
Muster oder Folge einer Dokumentation?
Die Verteidigung führt die Vorwürfe auf die Channel-4-Dokumentation „Russell Brand: In Plain Sight: Dispatches“ aus dem Jahr 2023 zurück. Die Anklage sieht dagegen ein Muster: sechs Frauen, die sich nach ihrer Darstellung nie kannten, berichten von ähnlichen Übergriffen. Ein anderes Verfahren zeigt, wie lange solche Fälle laufen – die Vergewaltigungsanklage gegen Looksmaxxing-Influencer Clavicular aus dem September.
Auch sein Privatleben kam zur Sprache. Brand sagte, Freunde hätten sich nach den Vorwürfen von ihm abgewandt; die Anschuldigungen hätten verheerende Folgen für ihn gehabt. Laura Brand, seine Frau, war am Donnerstag die einzige weitere mündliche Zeugin der Verteidigung, zwei frühere Partnerinnen reichten schriftliche Erklärungen ein. Verteidigerin Polly Dyer verwies am Freitag auf Brands einzige Vorstrafe: Cannabisbesitz im Jahr 1995.
Von der Dokumentation zum Prozess
September 2023
Channel-4-Recherche und Medienberichte erheben Vorwürfe
Die Dokumentation „Russell Brand: In Plain Sight: Dispatches“ und Berichte von Times und Sunday Times lösen die Ermittlungen aus. Brand bestreitet alles in einem Video.
12. Oktober 2026
Jury-Auswahl in London
Brand erscheint mit seiner Frau Laura zum Prozessauftakt am Southwark Crown Court.
14. Oktober 2026
Eröffnung des Verfahrens
Staatsanwältin Riel Karmy-Jones nennt Brand „ruthless, calculating, manipulative“ und ein „sexuelles Raubtier“. Erster Zeuge ist sein früherer Freund Mark Pinheiro.
28. Oktober 2026
Brand sagt mehr als vier Stunden aus
Er bestreitet alle sieben Anklagepunkte und erklärt den „T“-Code in seinem Handy.
29. Oktober 2026
Laura Brand als Zeugin der Verteidigung
Sie ist die einzige weitere mündliche Zeugin; zwei Ex-Partnerinnen reichen schriftliche Erklärungen ein.
30. Oktober 2026
Schlussplädoyer der Staatsanwaltschaft
Verteidigerin Polly Dyer verweist auf Brands einzige Vorstrafe von 1995.
Die Entscheidung fällt im November
Am Montag, 2. November, will die Verteidigung ihr Schlussplädoyer halten, nach dem Plädoyer der Anklage vom Freitag. Danach sollen sich die Geschworenen zurückziehen und beraten. Das Verfahren ist bis heute nicht abgeschlossen; ein Urteil steht aus.
Bis dahin gilt für Brand die Unschuldsvermutung. Offen ist, ob die Geschworenen dem Bild der Staatsanwaltschaft folgen – einem Mann, der seine Prominenz als Werkzeug nutzte – oder der Darstellung der Verteidigung, die in den Vorwürfen die späte Folge einer Dokumentation sieht. Wie stark Brands eigene Sätze über das Einvernehmen wiegen, entscheiden sie in ihrer Beratung.