Der Iran hat Deutschland am Samstag offen mit einem militärischen Schlag gedroht. Außenminister Abbas Araghtschi reagierte in einem Beitrag auf X auf Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz aus Seoul – und erklärte, rote Linien gehörten der Vergangenheit an.
„100 Milliarden Euro sind nichts im Vergleich zu dem vernichtenden Schlag, den die mächtigen Streitkräfte des Iran gegen diejenigen austeilen werden, die es wagen, unserem Volk Schaden zuzufügen.“
Auslöser war Merz' Auftritt am Freitag in Seoul. Auf der 19. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft bezifferte der Kanzler die Energiekosten Europas auf mehr als 100 Milliarden Euro in acht Monaten – und warb für eine diplomatische Lösung des Iran-Konflikts: „Dieser Konflikt lässt sich nicht militärisch lösen.“
Als die israelisch-US-amerikanischen Bombardierungen des Iran letztes Jahr begannen, pries Herr Merz sie. "Doing Europe's dirty work" 100bn Euro is nothing compared to the Earth-shattering blow Iran's Powerful Armed Forces will deal against those who dare harm our people. Red lines are a thing of the past.
Der Minister verband die Drohung mit einem Vorwurf: Merz habe die israelischen und US-Luftangriffe auf den Iran im Juni 2025 als „Europas Drecksarbeit“ begrüßt. Sein Beitrag endet mit dem Satz „Rote Linien gehören der Vergangenheit an“ – gerichtet an Europa, nicht nur an den Kanzler.
Der Satz von Kananaskis
Der Vorwurf hat ein Datum: den 17. Juni 2025. Beim G7-Gipfel im kanadischen Kananaskis sagte Merz im ZDF-Interview über die israelischen Angriffe auf den Iran:
„Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht – für uns alle.“
Genau diesen Satz wendet Teheran nun gegen den Kanzler, der in Seoul für Diplomatie warb. Irans Sicherheitschef Mohsen Rezaee warf Europa am Freitag auf X vor, erst den Krieg unterstützt zu haben und nun über die Kosten zu klagen. Eine katarische Vermittlungsdelegation traf am selben Tag in Teheran ein.
Chamenei verlangt uneingeschränkte Antwort
Am selben Samstag wurde aus Teheran eine zweite Drohung bekannt. Irans Oberster Führer Modschtaba Chamenei, seit dem Tod seines Vaters Ali Chamenei am 28. Februar 2026 im Amt, verlangte in einer veröffentlichten Mitteilung eine Antwort auf jede Art von Bedrohung:
„Auf jede Art von Bedrohung muss eine sofortige, wirkungsvolle und geografisch uneingeschränkte Antwort folgen.“
Krieg seit Februar, blockierte Meerenge
Der Konflikt, auf den sich die Drohungen beziehen, läuft seit dem 28. Februar 2026. An diesem Tag begann der Iran-Krieg mit Angriffen der USA und Israels; Ali Chamenei wurde am ersten Kriegstag getötet, sein Sohn Modschtaba übernahm. Seit Anfang März kontrollieren die Revolutionsgarden de facto die Straße von Hormus, die Energiepreise steigen weltweit.
Von Kananaskis bis zu den Kongresswahlen
- 17. Juni 2025Merz prägt den Satz von der „Drecksarbeit“
Beim G7-Gipfel in Kananaskis sagt Merz im ZDF-Interview über die israelischen Angriffe auf den Iran: „Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht – für uns alle.“
- 28. Februar 2026Der Iran-Krieg beginnt
Die USA und Israel greifen den Iran an. Ali Chamenei wird am ersten Kriegstag getötet, sein Sohn Modschtaba wird Oberster Führer.
- Anfang März 2026Die Revolutionsgarden sperren die Meerenge
Die Revolutionsgarden kontrollieren de facto die Straße von Hormus. Die Energiepreise steigen weltweit.
- 30. Oktober 2026Merz nennt die Kosten in Seoul
Auf der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft beziffert der Kanzler Europas Energiekosten auf mehr als 100 Milliarden Euro in acht Monaten und fordert eine diplomatische Lösung.
- 31. Oktober 2026Araghtschi und Chamenei drohen
Araghtschi spricht vom „vernichtenden Schlag“ der iranischen Streitkräfte, Chamenei verlangt eine „geografisch uneingeschränkte“ Antwort auf jede Bedrohung.
- 3. November 2026US-Kongresswahlen
Danach gelten neue US-Angriffe auf den Iran als möglich.
Wahlen in Washington, offene Antwort
Vor den US-Kongresswahlen am 3. November 2026 wird über neue US-Angriffe auf den Iran spekuliert. Armeesprecher Mohammed Akraminia warnte vor einem größeren Kriegsgebiet. Ob die Bundesregierung auf Araghtschis Beitrag antwortet, ist bislang nicht öffentlich bekannt.
Für Merz ist die Konfrontation mit Teheran nicht neu: Im Juli 2026 setzte die Teheraner Zeitung „Hamshahri“ den Kanzler auf eine Vergeltungsliste mit 13 westlichen Politikern. Die nächste Eskalationsstufe könnte in wenigen Tagen folgen – nach dem 3. November gelten neue US-Angriffe auf den Iran als möglich.
