Molotowcocktail setzt in Paris zwei Gendarmen in Brand
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Protestgewalt

Molotowcocktail setzt in Paris zwei Gendarmen in Brand

Am Rande des Pariser Protestzugs setzt ein Molotowcocktail zwei Gendarmen in Brand; Innenminister Nuñez spricht von versuchtem Mord. Landesweit nimmt die Polizei 565 Menschen fest, in Teilen der Hauptstadt gelten Ausgangssperren.

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Ein Molotowcocktail hat am Samstag zwei Gendarmen in Paris in Brand gesetzt. Der Brandsatz traf gegen 17 Uhr einen Zug der Mobilen Gendarmerie am Boulevard Poniatowski, Ecke Rue des Meuniers, unweit der Porte de Charenton im 12. Arrondissement – am Ende eines Protesttags, zu dem die Behörden landesweit 320.000 Menschen zählten.

Der Angriff auf die Gendarmen am Boulevard Poniatowski dauerte nur Sekunden: Der Brandsatz prallte auf dem Schutzschild eines Beamten ab, fiel zu Boden und entzündete sich. Ausrüstung und Hosenbeine der beiden Gendarmen fingen Feuer; beide wurden nur leicht verletzt, der Hauptbetroffene setzte seinen Dienst fort.

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Die Bilder eines Polizisten, der nach einem Angriff mit Brandwaffen in Flammen steht, sind unerträglich. Die Täter dieses Angriffs müssen gefunden und mit größter Härte verurteilt werden. Wir denken heute Abend an alle Sicherheits- und Rettungskräfte, die bis spät in die Nacht mobilisiert sein werden, um unsere Mitbürger gegen die Horden der extremen Linken zu schützen.

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Am Sonntag sagte der Hauptbetroffene in Interviews, man sei „vielleicht knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt“. Innenminister Laurent Nuñez sprach am Abend von einem versuchten Mord und einer „unerhörten Gewalt“ linksradikaler Gruppen. Die Polizeipräfektur meldete fünf verletzte Sicherheitskräfte in Paris, drei davon durch Molotowcocktails.

„Wenn man einen Molotowcocktail auf eine Absperrung von Sicherheitskräften wirft, dann nenne ich das einen versuchten Mord.“
Laurent Nuñez, französischer Innenminister

200 bis 300 Vermummte am Zugende

Der Pariser Zug war zuvor weitgehend friedlich vom Porte de Bagnolet zum Porte de Charenton gezogen. Erst am Ende schlugen mehrere hundert Vermummte in Schwarz mit Hämmern Pflastersteine aus dem Belag und bewarfen die Polizei, die Tränengas und Schlagstöcke einsetzte. Die Präfektur sprach von 200 bis 300 Randalierern.

Über die Route hatte am Morgen der Staatsrat entschieden. Er bestätigte die von der Präfektur verhängte Sperrung der Strecke Bastille – Nation und setzte den Alternativparcours durch die östlichen Außenbezirke durch; die Entscheidung des Staatsrats zur Route fiel damit gegen die Veranstalter aus. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Paris das Verbot am Freitag aufgehoben, die Präfektur legte Berufung ein.

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565 Festnahmen und Ausgangssperren

Landesweit nahmen die Behörden nach Angaben des Innenministeriums 565 Menschen fest. In Paris waren 70.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, rund 40.000 Kontrollen liefen im Vorfeld. Für die Nächte auf Sonntag und Montag verhängte die Präfektur in Teilen der Hauptstadt Ausgangssperren von 23 bis 6 Uhr, unter anderem um République und Châtelet-Les Halles.

Bei den Teilnehmerzahlen liegen Behörden und Organisatoren weit auseinander: Das Innenministerium zählte 320.000 Menschen, davon 70.000 in Paris, die Organisatoren rund eine halbe Million, davon 200.000 in der Hauptstadt. Seit dem 17. Oktober wurden nach offiziellen Angaben 1.193 Polizisten und Gendarmen verletzt.

Von der Schülerprotestwelle zur dritten Runde

  1. 17. September 2026
    Beginn der Protestwelle

    Schüler und Studenten protestieren gegen hohe Lebenskosten und Missstände im Bildungssystem.

  2. 17. Oktober 2026
    Erster großer Protest-Samstag

    Schwere Ausschreitungen und Plünderungen in Paris und Limoges, das Rathaus von Limoges brennt aus.

  3. 24. Oktober 2026
    Zweiter Samstag, Warnung aus dem Élysée

    Macron fordert, Züge aus den Stadtzentren herauszuhalten; Mélenchon ruft ihn zum Nachgeben auf.

  4. 29. Oktober 2026
    1.193 verletzte Sicherheitskräfte

    Seit dem 17. Oktober sind nach offiziellen Angaben 1.193 Polizisten und Gendarmen verletzt worden.

  5. 31. Oktober 2026
    Staatsrat sperrt Bastille – Nation

    Der Staatsrat bestätigt das Verbot, der Zug läuft von Porte de Bagnolet nach Porte de Charenton.

Opposition verlangt Härte

Die Opposition griff die Regierung sofort an. Marine Le Pen vom Rassemblement national und Bruno Retailleau von Les Républicains, beide Präsidentschaftskandidaten für 2027, verurteilten die Tat als „unerträglich“; Retailleau sagte, wer das getan habe, müsse dafür geradestehen, es handele sich um einen versuchten Mord.

„Die Bilder eines Polizisten in Flammen nach dem Bewurf mit Brandgeräten sind unerträglich.“
Marine Le Pen, Fraktionschefin Rassemblement national

Mélenchon fordert Rücktritt

Emmanuel Macron hält an Innenminister Laurent Nuñez fest und hatte nach dem Gewaltprotesttag mit 2.397 Festnahmen Mitte Oktober ein hartes Vorgehen angekündigt. Jean-Luc Mélenchon von La France insoumise, der zur Teilnahme aufgerufen hatte, verlangt weiterhin, der Präsident müsse nachgeben oder gehen.

„Er wird nachgeben oder gehen müssen. Je härter der Fall.“
Jean-Luc Mélenchon, LFI-Chef und Präsidentschaftskandidat

Für den 5. November haben die Gewerkschaften einen landesweiten Streik- und Demonstrationstag angekündigt, Schüler- und Studentenverbände neue Blockaden. Offen ist, ob die Präfektur die Route Bastille – Nation dauerhaft sperren lässt und wie sie weitere Züge durch die östlichen Außenbezirke absichert.