Apothekerin Kutter erhält über 15.000 Kommentare und Morddrohungen
Elisabeth Kutter forderte AfD-Anhänger auf, ihre Bielefelder Apotheke zu meiden. Danach gingen mehr als 15.000 Kommentare ein, darunter Beleidigungen und Morddrohungen. Vor dem Laden demonstrierten rund 600 Menschen; der Umsatz verdoppelte sich nach ihren Angaben.
Elisabeth Kutter hat AfD-Sympathisanten aufgefordert, ihre Apotheke zu meiden – und dafür einen Shitstorm bis hin zu Morddrohungen kassiert. „Jeder, der mit der AfD sympathisiert, sie unterstützt, sie wählt: Bitte meide meine Apotheke!“, hieß es in dem Video, das die Inhaberin der Panda-Apotheke an der Radrennbahn in Bielefeld am 11. Oktober veröffentlichte.
„Ich würde es besser vorbereiten. Aber ansonsten würde ich es genauso wieder machen“, sagt sie heute. Den Anlass ihres Videos nennt sie selbst: die AfD-Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt und ihren Beitritt zur Initiative „Wirtschaft widerspricht“, der sich nach RTL-Angaben 179 Unternehmen angeschlossen haben.
Mehr als 15.000 Kommentare und Morddrohungen
Die Reaktion war massiv: Mehr als 15.000 Kommentare gingen ein, darunter Beleidigungen und Morddrohungen. Im Netz wurde die Apotheke zeitweise in „Hitler Apotheke“ umbenannt, ihr Google-Eintrag fiel von 4,7 auf rund drei Sterne. Kutter stellte ihr Instagram-Profil privat.
Von dem Video bis zum Fazit
11. Oktober 2026
Kutter veröffentlicht ihr Video
Sie fordert AfD-Sympathisanten auf, ihre Apotheke, ihr Team und ihr Umfeld zu meiden.
14. Oktober 2026
Der „Spiegel“ berichtet über den Shitstorm
Der Clip hat fast 100.000 Aufrufe. Kutter stellt in einem zweiten Video klar, dass alle Kunden bedient werden.
20. Oktober 2026
Die AfD kündigt einen Infostand an
Der WDR meldet den geplanten Stand direkt vor der Apotheke. Kutters Umsatz hat sich nach ihren Angaben fast verdoppelt, der Staatsschutz ermittelt.
22. Oktober 2026
600 Menschen demonstrieren vor dem Laden
AfD-Abgeordnete stehen vor der Apotheke, die Polizei trennt die Lager. Kutter schließt um 16 Uhr und tritt in eine Regenbogenflagge gehüllt vor die Tür.
2. November 2026
Kutter zieht ihr Fazit
Sie würde die Aktion genauso wieder machen, nur besser vorbereiten.
Staatsschutz sichtet die Drohungen
Der Staatsschutz der Polizei Bielefeld sichtet die eingegangenen Nachrichten und prüft sie auf Strafbarkeit. Kutter selbst wehrt sich gegen den Vorwurf, sie verweigere Menschen Medikamente. Wegen des Kontrahierungszwangs und der Apothekenbetriebsordnung muss eine Apotheke jedes ordnungsgemäße Rezept beliefern.
In einem zweiten Video machte sie den Unterschied zwischen Service und Sympathie deutlich. Ihren Kritikern rief sie zu:
„Natürlich werdet ihr bedient. Natürlich bekommt ihr eure Medikamente, und ihr bekommt den gleichen hervorragenden Service, den wir allen Kunden anbieten, aber mögen tu ich euch trotzdem nicht. Ihr seid halt einfach nicht willkommen, das ist alles.“
Elisabeth Kutter, Inhaberin der Panda-Apotheke Bielefeld
Ein Infostand, 600 Demonstranten, ein Absperrband
Am 22. Oktober baute die AfD ihren Infostand direkt vor der Apotheke auf, mit den Bundestagsabgeordneten Maximilian Kneller und Stephan Brandner. Rund 600 Menschen folgten dem Aufruf des Bielefelder „Bündnis gegen Rechts“ zum Protest gegen den AfD-Stand vor der Panda-Apotheke.
Die Polizei trennte beide Lager mit Absperrband, die Kundgebung blieb bis auf Beleidigungen friedlich. Kutter schloss ihren Laden um 16 Uhr, trat in eine Regenbogenflagge gehüllt vor das Gebäude und nannte das Geschehen in dem Spiegel-Porträt der Apothekerin aus Bielefeld einen „Sieg für die Demokratie“.
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Verdoppelter Umsatz und Widerspruch aus der AfD
Wirtschaftlich hat der Streit ihr nicht geschadet: Ihr Umsatz hat sich nach ihren Angaben verdoppelt, so steht es in dem Focus-Bericht über die Folgen des Videos. Sie selbst sieht darin das Positive: „Ich sehe das Positive und das Positive für uns alle zusammen ist, dass der Umsatz sich verdoppelt hat.“
Der NRW-Fraktionschef der AfD, Martin Vincentz, kritisierte Kutters Aufforderung: „Diese Form von weiterer Eskalation, dieses ‚An den Rand treiben‘ von AfD-Wählern führt genau zu dieser Spaltung – dazu, dass man sich unversöhnt gegenübersteht.“ Ob der Staatsschutz aus den mehr als 15.000 Nachrichten Strafverfahren macht, ist offen.