Polizei verhindert mutmaßlichen Brandanschlag auf Flüchtlingsheim in Winsen
Bild: KI-generiert
Rechtsextremismus

Polizei verhindert mutmaßlichen Brandanschlag auf Flüchtlingsheim in Winsen

Fünf Liter Benzin für 12 Euro, dazu Hammer und Sturmfeuerzeug: Zwei Jugendliche sollen in Winsen (Luhe) eine Flüchtlingsunterkunft in Brand setzen wollen — die Polizei erfuhr erst durch eine Redaktion davon. Die Staatsanwaltschaft teilte am 2. November mit, dass der 15-Jährige in Untersuchungshaft sitzt.

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In der Nacht zum 31. Oktober sollte in Winsen (Luhe) eine Flüchtlingsunterkunft brennen. Fünf Liter Benzin für 12 Euro, ein Hammer, ein Sturmfeuerzeug — die Polizei stoppte den Plan nach eigenen Angaben erst am Abend zuvor, als ein 15-Jähriger mit einem Benzinkanister auf der Straße stand.

Am Donnerstagabend, 29. Oktober, durchsuchten Beamte in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zwei Wohnungen: die des 19-jährigen Fabian W. in Winsen und die des 15-jährigen Marcello P. in Wahlstedt bei Bad Segeberg. Beide Smartphones wurden zur Auswertung beschlagnahmt. Über die Durchsuchungen in Winsen und Wahlstedt berichtete die Landeszeitung.

Der Plan im Gruppenchat

Die Chats liefen in der WhatsApp-Gruppe „Terror 18“, die Dwayne S. am 9. September anlegte und die binnen Tagen auf 43 Mitglieder wuchs. Aufnahme fand nur, wer sich zur Gewaltbereitschaft bekannte. Die Zahl 18 steht in der rechtsextremen Szene für Adolf Hitler; antifaschistische Rechercheure ordnen die Gruppe dieser Szene zu.

Der NDR hat die Chatverläufe hinter den Anschlagsplänen ausgewertet. Darin planten Marcello P. und Fabian W. den Angriff: Benzin, Hammer und Sturmfeuerzeug, dazu die Frage, wie die Doppelverglasung und die Alarmanlage der Unterkunft zu überwinden seien. Beide äußerten Tötungsabsichten gegen Geflüchtete.

„Das Haus wird da am Ende nicht mehr stehen, weißt du. Und genau das ist mein Ziel“
Marcello P., Beschuldigter, in einem Chatbeitrag

Fabian W. soll in der Nacht zum 26. Oktober mit einem Backstein die Scheibe der Unterkunft eingeworfen und ein Video der Tat in den Chat gestellt haben. Die Unterkunft liegt wenige hundert Meter von seinem Wohnhaus entfernt. Vier Tage später sollte das Gebäude abbrennen.

Ein Hinweis aus der Redaktion

Auch der NDR hatte von den Plänen erfahren und informierte die Polizei — nach eigenen Angaben am Mittwoch zunächst ohne Täterhinweise, weil diese noch nicht vorlagen. Am Freitagabend, vor dem Zugriff, gab die Redaktion einen weiteren Hinweis an die Ermittler. Die Plattform Exif-Recherche schreibt dagegen, die Polizei habe spätestens am Mittwoch von der Gefahr für Menschenleben gewusst.

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Zugriff am Freitagabend

Am Freitag kaufte Marcello P. gegen 18.30 Uhr an einer Tankstelle Benzin. Gegen 19 Uhr wollte er mit einem Benzinkanister das Haus verlassen; Antifaschisten sprachen ihn an, er wartete auf die Polizei, die ihn mit auf die Wache nach Bad Segeberg nahm. Die Ermittlungsbehörden berichten von Zeugen, die einen Jugendlichen mit Benzinkanister sahen.

Am Montag, 2. November, teilte die Staatsanwaltschaft Flensburg mit, der 15-Jährige sitze in Untersuchungshaft — auch wegen des dringenden Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Straftat. In der Nacht nach der Durchsuchung hatte er die Gruppe bereits gewarnt, am Abend des 29. Oktober war er noch auf freiem Fuß.

„Hier ist Marcello von Terror 18. Ich schreibe von einem anderen Telefon aus. Die Polizei hat gerade mein Haus durchsucht, weil mich jemand aus Terror 18 verraten hat. Bitte leite diese Nachricht an deine Gruppe weiter und warne alle, dass die Polizei mein Telefon hat.“
Marcello P., Beschuldigter, in einer Nachricht an die Gruppe „Terror 18“

Haftstrafen für die „Letzte Verteidigungswelle“

Der Fall steht in einer Reihe. Im August 2026 verurteilte das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg acht Mitglieder und Unterstützer der Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“, die der rechtsextremen Szene zugerechnet wird, zu Haftstrafen zwischen eineinhalb und fünf Jahren — unter anderem wegen versuchten Mordes und Brandstiftung. Auch andere Verfahren drehen sich um einen Anschlagsplan auf eine Bremer Kirche.

Wie viele der 43 Mitglieder von „Terror 18“ die Ermittler im Blick haben, ist bislang nicht bekannt; ob auch gegen Fabian W. Haftbefehl erging, ebenso wenig. Die Staatsanwaltschaft Flensburg äußerte sich nur zum 15-Jährigen. Für die Bewohner der Unterkunft in Winsen bleibt die Frage, ob der Anschlag abgewehrt oder nur verschoben ist.