Auf 1500 Metern traf kein einziger Schuss. Zwei Einschläge registrierten die Prüfer rund 25 Meter vor der Scheibe. Getestet wurde am 2. Februar 2026 auf dem Truppenübungsplatz bei Nowa Dęba das ferngesteuerte Waffenmodul ZSMU A3B aus staatlicher Produktion – die Baugruppe, mit der die Besatzung eines Kampfpanzers K2 das 12,7-Millimeter-Maschinengewehr bedienen soll, ohne das Fahrzeug zu verlassen.
Doch Polen kauft sie nicht im eigenen Land. Im Oktober 2026 schlossen Hyundai Rotem und der norwegische Rüstungskonzern Kongsberg einen Vertrag über rund 700 Millionen norwegische Kronen, umgerechnet etwa 60 Millionen Euro. Aus der bestellten Fahrzeugkonfiguration ergibt sich ein Bedarf von rund 120 Modulen des Typs Protector RS4.
Was der Test ergab
Die Trefferquoten beim Schießen aus dem Stand auf eine stehende Scheibe von 2,3 mal 2,3 Metern stehen in den vom Fachportal WNP veröffentlichten Testunterlagen: 26,7 Prozent auf 500 Metern, gefordert waren über 90. Auf 1000 Metern zehn Prozent statt über 70. Auf 1500 Metern null Prozent – bei einer Vorgabe von über 50.
Getestet wurde nicht das für die K2 vorgesehene Modul A3K, sondern das vorhandene A3B – und nicht auf einem K2, sondern auf dem gepanzerten Fahrzeug Waran. Beanstandet wurden die Bildqualität der Wärmebildkamera, ein unzuverlässig arbeitender Videotracker, die Stabilisierung und der Entfernungsmesser. Das militärische Fazit der Dokumente: Das Modul ermögliche kein treffsicheres Schießen in unmittelbarer Feindberührung.
Trefferquote auf stehende Ziele: gefordert gegen erreicht
Schießen aus dem Stand, Scheibe 2,3 mal 2,3 Meter, Test am 2. Februar 2026
Warum Norwegen den Zuschlag bekam
Die Auswahl lief über Monate. Im September 2025 erwogen technische Treffen von Rüstungsagentur, Generalstab und Inspektion der Landstreitkräfte erstmals ferngesteuerte Waffenmodule für die K2PL-Konfiguration, darunter das A3K von ZM Tarnów und der Protector RS4. Ende Oktober 2025 warnte Hyundai Rotem, eine Entscheidung nach Oktober verzögere die Lieferung der K2PL. Offiziere des Generalstabs empfahlen daraufhin das Kongsberg-Modul mit Integration der Trophy-Radare.
Für RS4 sprach aus Sicht der Militärs die Serienreife – neben dem australischen Angebot das einzige serienproduzierte System –, Erfahrung mit über 80 Plattformen, technische Betreuung in Polen und die Synergie mit den bereits beschafften Abrams-Panzern, die in der US-Version dasselbe System tragen. Im Dezember 2025 bot ZM Tarnów Tests des A3B an und erklärte laut Militär zugleich, das A3K existiere noch nicht.
Von der Kandidatenliste zum norwegischen Auftrag
- September 2025Erste Kandidatenliste für das Waffenmodul
Technische Treffen prüfen fünf ferngesteuerte Module für die K2PL, darunter das ZSMU A3K von ZM Tarnów.
- Ende Oktober 2025Hyundai Rotem warnt vor Verzögerung
Eine Entscheidung nach Oktober 2025 verzögere die Lieferung der K2PL; Offiziere empfehlen Kongsbergs Protector RS4.
- Dezember 2025ZM Tarnów bietet Test an
Der Hersteller schlägt vor, das vorhandene A3B zu prüfen; laut Militär erklärt er zugleich, das A3K existiere noch nicht.
- 2. Februar 2026Schießtest in Nowa Dęba
Auf dem Fahrzeug Waran: 26,7 Prozent Treffer auf 500 Metern, zehn Prozent auf 1000, null Prozent auf 1500.
- Oktober 2026Vertrag mit Kongsberg
Hyundai Rotem ordert Module für rund 700 Millionen norwegische Kronen, erste Lieferungen sollen im Frühjahr 2027 beginnen.
- 2. November 2026WNP veröffentlicht die Unterlagen
Das Fachportal macht die militärischen Notizen und Korrespondenz aus Februar und März 2026 öffentlich.
Der Streit um die Wertschöpfung
Politisch steht die Führung des Verteidigungsministeriums unter Druck. Der Europaabgeordnete Michał Dworczyk, früher selbst stellvertretender Verteidigungsminister, griff die Leitung des Hauses öffentlich scharf an und markierte die Vize-Minister Magdalena Sobkowiak-Czarnecka und Paweł Bejda von der PSL.
„Ludzie! Czy Wy w kierownictwie MON naprawdę zwariowaliście?! Chyba nie ma nic prostszego niż wieżyczka z karabinem kalibru 12,7 mm, którą może zrobić choćby ZM Tarnów, HSW czy WB! Czy nawet ten najprostszy komponent do K2 musi robić ktoś z zagranicy?“
ZM Tarnów wollte die Testergebnisse nicht bestätigen und verwies auf das Geschäftsgeheimnis. Das Unternehmen betont, mehrere hundert ZSMU-1276 A3 und A3B seien bereits vertraglich gebunden und über hundert Exemplare geliefert – unter anderem für spezialisierte Rosomak-Varianten und Führungsfahrzeuge der Artillerie aus Huta Stalowa Wola.
Was jetzt folgt
Fachleute sehen ein strukturelles Problem. Andrzej Kiński, Chefredakteur der Zeitschrift „Wojsko i Technika“, hält es für möglich, dass ZM Tarnów die neue Konstruktion nicht rechtzeitig fertigstellte, während Kongsberg ein fertiges Produkt von der Stange hatte, das im Gefecht erprobt ist. Marek Świerczyński von Polityka Insight kritisiert, Militär und Rüstungsindustrie unterlägen verschiedenen Ministerien, niemand verantworte den Gesamtprozess.
Im September 2026 zeigte ZM Tarnów das A3K erstmals öffentlich, auf dem Fahrzeug Legwan bei der Messe MSPO in Kielce. Rüstungsagentur und Generalstab ließen die Tür offen, sofern das Modul die Prüfungen besteht. Kiński warnt zugleich, das Militär dürfte auf Vereinheitlichung setzen: Weitere K2PL-Serien und Begleitfahrzeuge würden wohl erneut Kongsberg-Module erhalten – Rheinmetall und KNDS planen parallel einen neuen Kampfpanzer. Offen bleibt, ob PGZ das A3K vor der nächsten Bestellung prüffähig bekommt.
