Russland setzt neue Drohne Geran-5K erstmals gegen die Ukraine ein
Bild: KI-generiert
Luftkrieg

Russland setzt neue Drohne Geran-5K erstmals gegen die Ukraine ein

Nur noch rund 60 Prozent der russischen Geran-4 fängt Kiew ab – jetzt ist mit der Geran-5K eine weitere Variante aufgetaucht. Sie ist kantig, schnell und für die ukrainische Luftverteidigung schwer zu orten.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Rund 60 Prozent der russischen Geran-4 fängt die ukrainische Luftverteidigung nach eigenen Angaben nur noch ab – für die Geran-5 nannte der Generalstab in Kiew zuletzt keine Quote. Jetzt ist eine weitere Variante aufgetaucht, die schneller und schwerer zu treffen sein dürfte.

In Suttons Analyse der Geran-5K heißt es, die Ukraine sei „in den vergangenen Tagen“ erstmals von einer bis dahin unbekannten russischen Marschflugkörper-Drohne getroffen worden. Der britische Militäranalyst H. I. Sutton, Betreiber des OSINT-Portals Covert Shores, veröffentlichte den Befund am 1. November 2026.

Äußerlich hat die Geran-5K mit der bisherigen Geran-5 kaum noch etwas gemeinsam: kantiger, abgewinkelter Rumpf, hoch angesetzte Flügel, seitliche Lufteinlässe, einfaches V-Leitwerk, vollständig in den Rumpf eingebettetes Strahltriebwerk. Diese Bauweise dürfte den Radarquerschnitt verringern.

Die Geran-5, im Januar 2026 erstmals gegen die Ukraine eingesetzt und weiterhin eine der Hauptbedrohungen, trägt dagegen einen rohrförmigen Rumpf, tief sitzende Flügel und ein außen montiertes Triebwerk. Bei abgenommener Nasenverkleidung wird sichtbar: Der Gefechtskopf sitzt in der Nase und entspricht jenem der Geran-2 (Shahed), der Geran-4 und der Geran-5.

Die Zuordnung stützt sich nach Suttons Darstellung auf Serien- und Bauteilnummern abgestürzter Exemplare sowie weitere nicht öffentliche Informationen; in russischer Terminologie handele es sich um eine Geran-5. Belegstück ist ein abgestürztes Exemplar vom Oktober 2026 mit hoch angesetzten Flügeln und seitlichen Einlässen.

Warum es überhaupt eine neue Zelle braucht

Sutton betont, die Geran-5 und die Geran-4 seien bereits so leistungsfähig, dass unklar sei, was die neue Konstruktion antreibt. Die Arbeiten müssen begonnen haben, bevor die Geran-5 in nennenswerter Stückzahl zum Einsatz kam. Eine Theorie: Es handelt sich um einen konkurrierenden Entwurf für die fünfte Geran-Generation, der länger in der Entwicklung brauchte.

„Die Geran-5 und die Geran-4 sind bereits so leistungsfähig, dass unklar ist, was diesen neuen Entwurf vorantreibt.“
H. I. Sutton, Militäranalyst (Covert Shores)

Offen bleibt auch die Fertigung. Ob die Vorteile gegenüber der Geran-5 eine Großserienfertigung rechtfertigen, sei unklar, schreibt Sutton – „ebenso ihr aktueller Produktionsstatus“. Der Name Geran verweist auf das Alabuga-Werk, in dem die Shahed-Drohne als Geran-2 gebaut wird.

Kiew nennt die Waffe K5-K

Die ukrainische Seite beschreibt dieselbe Entwicklung mit anderer Nomenklatur. Am 22. Oktober 2026 veröffentlichte Serhii „Flash“ Beskrestnov, Berater des ukrainischen Präsidenten für Verteidigungstechnologien, erste Fotos einer neuen kleinen russischen Marschflugkörper-Drohne und nannte sie Geran-5 K5-K.

„Zu den auffälligsten Merkmalen der Rakete gehören ein optisches Navigationssystem sowie größere Reichweite, Geschwindigkeit und Flughöhe.“
Serhii „Flash“ Beskrestnov, Berater des ukrainischen Präsidenten

In Militarnyis Übersicht zu zwei neuen Geran-5-Ablegern wird die Waffe als eine von zwei neuen kleinen Marschflugkörpern eingeordnet; eine davon soll auf bis zu 900 km/h beschleunigen – das Tempo klassischer Marschflugkörper wie der Ch-101.

Militärvertreter nannten als Hauptziel Tempo: „Zunächst einmal die Geschwindigkeit“, sagten sie – höhere Geschwindigkeit koste allerdings Reichweite. Die neue Zelle hat demnach einen kastenförmigen Rumpf mit flachen Seiten, einen Rautenflügel, ein V-Leitwerk und seitliche Lufteinlässe. Formgebung und dunkle Verbundstoff-Haut dürften auch der Radar-Tarnung dienen.

Am 27. Oktober 2026 ging in der Oblast Odesa ein fast unbeschädigtes Exemplar nieder. Erstmals lässt sich die Zelle genau besichtigen: kastenförmiger Rumpf mit abgerundeten Kanten, Pfeilflügel, ein kleines Turbojet-Triebwerk, das durch das V-Leitwerk ausströmt, beidseitige Lufteinlässe. Bis Spezialisten den Rumpf öffnen, stützen sich Aussagen zu Navigation, Reichweite und Tempo im Wesentlichen auf Beskrestnovs Angaben.

Doppelte Menge, deutlich mehr Reichweite

Seit etwa August 2026 nimmt der Einsatz von Geran-5 und der deutlich verbesserten, jetgetriebenen Geran-4 stark zu. In der zweiten Oktoberhälfte 2026 wurden laut ukrainischen Angaben rund 4.000 Geran-4 und Geran-5 pro Monat produziert – doppelt so viele wie die kolbenmotorgetriebene Geran-2, wobei der Großteil auf die Geran-4 entfällt.

Russland setzt die Jet-Drohnen in Wellen ein. Ihre Reisegeschwindigkeit von 450 bis 600 km/h übersteigt die der meisten ukrainischen Abfangdrohnen (250 bis 320 km/h) deutlich. Nach HUR-Angaben erreicht die Geran-4 Ziele in bis zu 770 Kilometern Entfernung, die Geran-5 bis zu 950 Kilometer.

Für die Luftverteidigung wird das eng: Abfangfenster von 20 Sekunden sind laut Besatzungen keine Seltenheit. Kiew reagiert mit Abfangdrohnen, Flugabwehrgeschützen und elektronischer Kampfführung – und muss nun zusätzlich damit rechnen, dass optische Navigation die Wirkung von GPS-Störsendern unterläuft. Auf russischer Seite dagegen fängt die Luftverteidigung fast alle Flamingo-Raketen ab.

Von der ersten Geran-5 zur Geran-5K

  1. Anfang 2026
    Erster Einsatz der Geran-5

    Russland setzt die Basisversion erstmals gegen die Ukraine ein.

  2. August 2026
    Sprung bei den Stückzahlen

    Der Einsatz von Geran-5 und der jetgetriebenen Geran-4 nimmt deutlich zu.

  3. 22. Oktober 2026
    Kiew zeigt erste Fotos

    Beskrestnov nennt die neue Waffe Geran-5 K5-K und verweist auf optische Navigation.

  4. 27. Oktober 2026
    Fund in der Oblast Odesa

    Ein fast unbeschädigtes Exemplar erlaubt erstmals die Untersuchung der Zelle.

  5. 28. Oktober 2026
    Neue Startanlage bei Millerowo

    Der ukrainische Militärgeheimdienst meldet den Bau 3,5 Kilometer vom Flugplatz entfernt.

  6. 1. November 2026
    Erster Kampfeinsatz der Geran-5K

    Sutton meldet den Einsatz der neuen Variante und belegt die Zuordnung über Bauteilnummern.

Navigation ohne Satellitensignal

Nach HUR-Angaben wurde eine neue Version der Geran-4 mit zusätzlichen autonomen Navigationsfähigkeiten ausgerüstet, darunter ein optisches Geländeabgleich-System; ein ähnliches System werde in die K5-Version der Geran-5 integriert. Ein Abgleich per Bildern der Erdoberfläche macht die Waffe weitgehend unabhängig von Satellitennavigation – und damit robust gegen elektronische Störung.

Beskrestnov kündigte am 28. Oktober 2026 an, die Ukraine müsse womöglich die nächtliche Beleuchtung von Straßen und Autobahnen drosseln, falls Russland Drohnen mit dem optischen Navigationsmodul Susanin in großem Stil einsetzt. 2022 habe man dies aus Angst und Unverständnis getan, sagte er – „jetzt werden wir es wohl bewusst tun müssen“.

Umfrage
Lädt

Startrampe 3,5 Kilometer vom Flugplatz

Zeitgleich expandiert Russland die Startinfrastruktur. Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR meldete am 28. Oktober 2026, in der Oblast Rostow entstehe unweit des Militärflugplatzes Millerowo eine neue Anlage für Angriffsdrohnen. Das Flugfeld liegt im Ort Dolotinka, rund 20 Kilometer östlich der Oblast Luhansk; die neue Anlage nur etwa 3,5 Kilometer davon entfernt.

Die Konfiguration deute darauf hin, dass dort jetgetriebene Angriffsdrohnen – wahrscheinlich Geran-4 und Geran-5 samt Modifikationen – vorbereitet und gestartet werden. Ende August 2026 waren an dem Standort keine nennenswerten Bauarbeiten zu erkennen, Mitte Oktober existierten bereits Startpositionen und weitere Infrastruktur.

Nach ersten Schätzungen könnte die Anlage bis zu 100 Starts pro Tag ermöglichen; die tatsächliche Intensität hängt von verfügbaren Drohnen, Treibstoff, Sprengköpfen, ausgebildeten Besatzungen und der Einsatzbereitschaft der Technik ab. Die Nachbarschaft zum Flugplatz erlaubt die Mitnutzung von Luftverteidigung, Straßen-, Kommunikations- und Logistikinfrastruktur.

Die OSINT-Gruppe Absolutely Reliable Source hatte den Bau zuvor öffentlich gemacht und für den 12. Oktober acht Positionen für Startvorrichtungen sowie 32 Flächen zur Drohnenvorbereitung gezählt; kommerzielle Satellitenbilder zeigten später acht Startplattformen auf rund 0,9 Quadratkilometern, errichtet binnen sechs Wochen. Die Anlage erweitert ein Netz von mindestens zwölf ständigen Startplätzen und könnte laut HUR Teil der Vorbereitung auf verstärkte Angriffe im Winter sein.

Ob die Geran-5K in Großserie geht, ist offen – und genau davon hängt ab, wie hart der Winter wird. Sollte Russland die optische Navigation im großen Stil einsetzen, droht der Ukraine ein weiterer Schritt: die Verdunkelung ihrer eigenen Straßen.