Ein blutender Knoten am Hals, ein halbes Jahr Wartezeit – und am Ende die Diagnose schwarzer Hautkrebs im vierten Stadium. Patrice Aminati (31) hat jetzt erzählt, wie lange sie die ersten Warnzeichen ihres eigenen Körpers ignoriert hat.
Anlass ist die neue Terra-Xplore-Folge mit Patrice Aminati. Darin spricht sie mit dem Psychologen Leon Windscheid über die Monate vor der Diagnose. Abrufbar war die Folge ab Montag, 2. November 2026, 10 Uhr, in der ZDF-Mediathek.
Was sie dort beschreibt, ist eine Kette von Aufschüben. Während der Schwangerschaft veränderte sich ein Muttermal an ihrem Hals, wuchs zu einer Wucherung heran – und begann zu bluten. Für die Größe findet sie einen Vergleich aus der Küche.
„Wie so eine Rosine kannst du dir das vorstellen.“
Blut an einer Stelle, die vorher unauffällig war: Spätestens da war das Mal kein Schönheitsfehler mehr. Aminati aber wartete weiter.
Ein halbes Jahr Verdrängung
Das Bluten schob sie auf die Schwangerschaft. Rund ein halbes Jahr ging sie nicht zum Hautarzt, obwohl die Wucherung weiter wuchs. Ihre Begründung steht in dem Bericht über die ignorierten Warnzeichen: „Und dann habe ich das, wie jeder junge Mensch, so ein bisschen vor mir hergeschoben."
Dann kam der Kontrolltermin beim Dermatologen. Zwei Tage später rief die Praxis an: Der Befund sei da, sie solle sofort ins Krankenhaus kommen. Der Anruf traf sie in einer Zeit, in der ihr Alltag aus Baby, Wäsche und wenig Schlaf bestand.
„Ich habe gesagt: Ich habe ein kleines Baby zu Hause. Die Waschmaschine läuft! Mich hat das total überfahren.“
Mit 27 kam die Diagnose
2023, kurz nach der Geburt von Tochter Charly Malika, stand die Diagnose fest: schwarzer Hautkrebs, viertes Stadium. Aminati war 27. Seither bestimmt die Krankheit ihren Alltag – und sie spricht öffentlich darüber.
2024 spürte sie in einem Moment größter Todesangst Knoten unter der Haut und fand eigenen Angaben zufolge zum Glauben. 2025 galt die Erkrankung als unheilbar.
Ein Arzt sagte ihr laut ZDF voraus, sie werde Weihnachten 2025 nicht mehr erleben. Ende 2025 zog sie zu ihren Eltern in die Nähe von Dresden. Im Juli 2026 erhielt sie auf der Krebs-Messe Yes!Con in Berlin den „Ring of Courage“.
Von der Wucherung bis zur ZDF-Folge
- 2021/2022Ein Muttermal am Hals verändert sich
Während der Schwangerschaft wächst die Stelle zu einer Wucherung heran und beginnt zu bluten. Aminati führt das auf die Schwangerschaft zurück.
- 2023Diagnose mit 27
Kurz nach der Geburt von Tochter Charly Malika steht fest: schwarzer Hautkrebs im vierten Stadium.
- 2024Knoten unter der Haut
In einem Moment größter Todesangst spürt sie Knoten unter der Haut und findet eigenen Angaben zufolge zum Glauben.
- 2025Unheilbar, Umzug zu den Eltern
Ein Arzt sagt ihr laut ZDF voraus, sie werde Weihnachten 2025 nicht mehr erleben. Ende des Jahres zieht sie zu ihren Eltern in die Nähe von Dresden.
- Juli 2026„Ring of Courage“ in Berlin
Auf der Krebs-Messe Yes!Con wird sie für ihren Umgang mit der Krankheit ausgezeichnet.
- 2. November 2026Die ZDF-Folge erscheint
„Terra Xplore: Im Kopf von Patrice Aminati“ ist ab 10 Uhr in der ZDF-Mediathek abrufbar, wenig später folgen die ersten Berichte über die verdrängten Warnzeichen.
Hautkrebs liegt in ihrer Familie
Hinweise auf ihr Risiko gab es früh. „In meiner Familie liegt auch Hautkrebs. Meine Mama hatte weißen Hautkrebs, mein Opa hatte schwarzen Hautkrebs“, sagt sie in der ZDF-Folge.
Als mögliche Ursache nennt sie hohe Sonneneinstrahlung im Kindesalter. Sie habe am Ostseestrand in der Sonne gelegen, „bis man krebsrot war“.
„Ich habe wahnsinnige Angst“
Sie beschönigt nichts. Sie nennt es „grausam“ und „furchtbar“ und sagt: „Ich habe wahnsinnige Angst.“ Zugleich frage sie sich ständig, was sie für ein Mensch sein wolle und mit welcher Haltung sie da durchgehen möchte.
Halt findet sie im Glauben. Sie beschreibt ihn als Stütze und Hilfe – und als Placebo, wenn es sein muss.
„Es ist eine Stütze und eine Hilfe, und es ist tröstlich. Es ist ja eigentlich wie ein Placebo. Ich weiß auch nicht, ob da oben einer auf der Wolke sitzt. Aber Hauptsache, es hilft dir.“
Windscheid, der Psychologe, beschreibt die Wirkung des Gesprächs knapp: „Man kommt ins Denken.“
Der Austausch ist nicht der erste. Schon im Oktober sagte sie in einem ZDF-Gespräch mit Windscheid, sie habe sich nach der Krebsdiagnose selbst gehasst. Wie sie über ihren Selbsthass nach der Krebsdiagnose sprach, hat sie damals öffentlich gemacht.
Bis zum 18. Geburtstag
Der stärkste Antrieb ist ihre vierjährige Tochter Charly Malika. Aminati will mindestens bis zu deren 18. Geburtstag für sie da sein.
Ihr Ziel formuliert sie drastisch: „Ich habe die Verantwortung für dieses Kind. Zumindest bis sie 18 ist. Und wenn ich sie auf allen Vieren über diese Ziellinie bringe.“
Sie will aber auch für sich selbst weitermachen. „Ich will weiterleben. Ich habe noch Durst und Hunger aufs Leben", sagt sie. Im August hat sie beschrieben, warum Aufgeben für sie keine Option ist.
Die Prognose jenes Arztes hat sie längst widerlegt: Weihnachten 2025 hat sie erlebt. Sie wird palliativ behandelt, wie viel Zeit bleibt, weiß niemand. Ihr nächstes Ziel ist ein Geburtstag – die Ziellinie, die sie selbst gezogen hat.
