Ostkongo meldet 5.026 Ebola-Tote in fünfeinhalb Monaten
Bild: KI-generiert
Bundibugyo-Virus

Ostkongo meldet 5.026 Ebola-Tote in fünfeinhalb Monaten

Mehr als 5.000 Menschen sind im Osten der DR Kongo an Ebola gestorben, fast jeder zweite Infizierte stirbt. Gegen das seltene Bundibugyo-Virus gibt es keinen zugelassenen Impfstoff, mehr als 100 Milizen blockieren die Hilfe – und eine Impfstudie liefert frühestens Mitte 2027 Daten.

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Mehr als 5.000 Menschen sind im Osten der Demokratischen Republik Kongo an Ebola gestorben. Die Gesundheitsbehörden meldeten am Wochenende 5.026 Tote und 10.351 bestätigte Infektionen – gut fünfeinhalb Monate nach dem offiziellen Beginn des Ausbruchs.

Es ist der zweitgrößte Ebola-Ausbruch der Geschichte, und er beschleunigt sich weiter: Am 27. Oktober überschritt das Land die Marke von 10.000 Fällen, drei Tage später die von 5.000 Toten. Fast jeder zweite Infizierte stirbt.

Ursula Langkamp, Landesdirektorin der Welthungerhilfe in der DR Kongo, begleitet die Epidemie seit dem Frühjahr. In dem am 1. November verbreiteten Interview mit dem WELT-Nachrichtensender zur Ebola-Lage sagte sie:

„Ich finde das sehr besorgniserregend und muss sagen, dass die Ausbreitung sehr schnell ist.“
Ursula Langkamp, Landesdirektorin der Welthungerhilfe in der DR Kongo

Schneller als jede Epidemie zuvor

Der Maßstab ist die Epidemie in Sierra Leone 2014/15: Dort dauerte es zwei Jahre, bis 4.000 Menschen gestorben und 11.000 infiziert waren. Der Kongo hat diese Todeszahl in gut einem Fünftel der Zeit überschritten – bei ähnlicher Fallzahl.

Langkamp zieht genau diese Rechnung: „In Sierra Leone waren es nach zwei Jahren 4000 Tote und 11 000 Ebola-Fälle, hier sind es jetzt nach fünfeinhalb Monaten 5000 Tote und fast 10 200 Fälle.“ Die Kurve steigt steiler als bei der Epidemie in Sierra Leone 2014/15.

Gemeldete Ebola-Todesfälle im Ostkongo 2026

Angaben der Gesundheitsbehörden zu unterschiedlichen Meldezeitpunkten

Quelle: WHO, IAVI, Tagesschau

Die offiziellen Zahlen sind wahrscheinlich zu niedrig. Der Leiter des Bereichs Tropenmedizin an der Uniklinik Düsseldorf, Torsten Feldt, schätzt, die tatsächliche Zahl der Infektionen liege zwei- bis dreifach über den gemeldeten. Jürgen May vom Bernhard-Nocht-Institut sagt: „Die bestätigten Zahlen sind wahrscheinlich die untere Grenze.“ Langkamp verweist auf Menschen in abgelegenen Dörfern, die nie erfasst werden.

Ein Virus ohne Gegenmittel

Ausgelöst wird der Ausbruch vom Bundibugyo-Virus, einer seltenen Ebola-Art. Gegen sie gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie. Die Sterblichkeit liegt bei fast 50 Prozent der Infizierten.

Seit dem 23. Oktober läuft vor Ort eine Impfstudie, parallel prüft die „Tumaini“-Studie Kandidaten von Oxford, Moderna und Ervebo. Belastbare Wirksamkeitsdaten liefern beide frühestens Mitte 2027 – breit einsetzbar ist ein Impfstoff nicht vorher.

Damit steht die WHO vor einem Dilemma: Schnell impfen oder erst den Nachweis führen? Der Hamburger Virologen-Vorstand May warnt davor, die Prüfung zu überspringen – und liefert die Begründung gleich mit.

„Eine Massenimpfung ohne Wirksamkeitsnachweis könnte falsche Sicherheit erzeugen, Vertrauen kosten und, falls sie nicht ausreichend schützt, eine Studie unmöglich machen.“
Jürgen May, Vorstand des Bernhard-Nocht-Instituts

Milizen blockieren Aufklärung und Hilfe

Im Osten des Landes sind mehr als 100 Milizen aktiv, darunter die von Ruanda unterstützte M23. Vertreibungen, Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und eingeschränkter Zugang behindern Überwachung und Hilfslieferungen. Ende Oktober wurde eine Pflegekraft nach einem Ebola-Verdacht getötet.

Uganda schloss vorübergehend seine Grenze zur DR Kongo. Die Zahl der Toten ist für die Helfer längst keine Statistik mehr – der WHO-Programmleiter Patrick Otim hat dafür am Wochenende die passenden Worte gefunden.

„Das ist ein sehr tragischer Meilenstein, denn es handelt sich nicht nur um eine Zahl. Es sind Familien und Gemeinden, die von diesem Ausbruch schwer getroffen wurden.“
Patrick Otim, Programmbereichsleiter der WHO

31 Fälle außerhalb des Kongos

Außerhalb des Landes wurden bislang 31 Fälle registriert, mindestens vier Menschen starben. Nigeria meldete am 20. Oktober den ersten Fall – die Ehefrau eines Schweizer Diplomaten nach einer Ugandareise, wie Nigeria mit dem ersten Ebola-Fall in Abuja bestätigt. Kairo wies die Darstellung zurück, der Fall sei aus Uganda eingeschleppt worden.

Der einzige europäische Fall wurde im Juni in Frankreich bei einem Arzt festgestellt, der im Ostkongo im Einsatz war. Er genas später. Für die Behörden bleibt er der Beleg, dass die Reiseketten bis nach Europa reichen.

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Offen ist, ob die Impfstudie im Osten ohne Unterbrechung weiterläuft: Jede Vertreibung und jeder Angriff auf ein Gesundheitszentrum kostet Wochen, die der Zeitplan bis Mitte 2027 nicht hergibt. Am 1. November startete die Africa CDC zusätzlich die EBO-PEP-Studie zu Obeldesivir – auch dieser Therapieansatz muss seine Daten erst noch liefern.