DVR fordert mindestens 500 Euro Bußgeld für Handy am Steuer
Bild: KI-generiert
Verkehrssicherheit

DVR fordert mindestens 500 Euro Bußgeld für Handy am Steuer

Der Verkehrssicherheitsrat fordert mindestens 500 Euro Bußgeld für Handys am Steuer statt der bisherigen 100 Euro. Eine bundesweite Rechtsgrundlage für automatische Handy-Blitzer gibt es bislang nicht.

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Wer am Steuer zum Smartphone greift, zahlt heute 100 Euro Bußgeld. Nach dem Willen des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) sollen daraus mindestens 500 Euro werden – das Fünffache. Der Verband erhöht damit den Druck auf Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), der die dafür nötige Technik bundesweit erlauben will.

DVR-Präsident Manfred Wirsch sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, das Bußgeld müsse auf mindestens 500 Euro steigen. Am 3. November griff die ZDF-Sendung „heute“ das Thema auf, einen Tag später verbreitete die dpa die Forderung bundesweit. Der Verband tritt seit Jahren für schärfere Regeln ein, im Juli mit der DVR-Forderung nach einem Führerschein für E-Scooter.

Fünfmal so hoch – beschlossen ist nichts

Beschlossen ist davon nichts. Der Verkehrsgerichtstag in Goslar empfahl im Januar 2026 lediglich mindestens 250 Euro und zwei Punkte, ein Arbeitskreis schlug eine Staffel von 250, 500 und 750 Euro vor. Einen Zeitplan für bundesweite Handy-Blitzer gibt es bis heute nicht.

Der DVR-Vorstand hatte Anfang Oktober 2026 beschlossen, das Ministerium solle im Straßenverkehrsgesetz eine bundeseinheitliche, technikoffene Ermächtigungsgrundlage für Monocams schaffen – ausdrücklich auch ohne Anfangsverdacht. Eine solche bundesweite Grundlage fehlt bis heute.

Bußgeld für Handy am Steuer: geltend, empfohlen, gefordert

Beträge in Euro

Quelle: DVR, Verkehrsgerichtstag 2026

Bilger will die Blitzer bundesweit zulassen

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will Handy-Blitzer bundesweit ermöglichen, wie t-online über den Vorstoß des Ministers berichtet. Dafür braucht er eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes. Bilger verweist auf die Unfallzahlen: „Mehr als tausend Unfälle passieren jedes Jahr durch elektronische Geräte wie Handys am Steuer – Tendenz steigend. Das ist eindeutig zu viel.“

„Handy-Blitzer sind eine äußerst sinnvolle Investition in die Verkehrssicherheit.“
Manfred Wirsch, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats

Für Wirsch hängt die Wirkung an der Entdeckungswahrscheinlichkeit: Wer wisse, dass ein Verstoß jederzeit erkannt werden könne, verzichte eher auf das Smartphone. Entscheidend bleibt damit das Gesetz, das Bilger ändern will. Ohne neue Ermächtigungsgrundlage bleibt es bei einzelnen Modellstandorten wie dem in Rheinland-Pfalz.

Rheinland-Pfalz ist der einzige Testfall

Rheinland-Pfalz hat als einziges Bundesland eine Rechtsgrundlage für die Geräte: Seit dem 1. März 2025 erlaubt § 30 Abs. 8 des Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes die Monocams. Am 11. April 2025 gab Innenminister Michael Ebling den Regelbetrieb auf einer Brücke über die A60 bei Mainz-Finthen frei.

Zuvor hatte die Polizei 2022 in Mainz und Trier ein Pilotprojekt mit der aus den Niederlanden stammenden MONOcam gefahren und in den ersten 90 Tagen mehr als 1.200 Verstöße festgestellt. Von April bis November 2025 leiteten die Kontrollteams 950 Handy-Verstöße an die Zentrale Bußgeldstelle weiter, die Unfallbilanz 2025 zählt 976 Unfälle infolge von Ablenkung.

Von der Modellbrücke zur Bundesforderung

  1. 2022
    Pilotprojekt in Mainz und Trier

    Die Polizei testet die MONOcam gemeinsam mit der niederländischen Polizei und stellt in den ersten 90 Tagen mehr als 1.200 Verstöße fest.

  2. 1. März 2025
    Erste Rechtsgrundlage tritt in Kraft

    § 30 Abs. 8 des rheinland-pfälzischen Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes erlaubt die Kontrollen – bis heute die einzige Grundlage in Deutschland.

  3. 11. April 2025
    Regelbetrieb auf der A60-Brücke

    Innenminister Michael Ebling gibt den Dauerbetrieb bei Mainz-Finthen frei.

  4. Januar 2026
    Verkehrsgerichtstag bleibt bei 250 Euro

    Die Empfehlung lautet mindestens 250 Euro und zwei Punkte, ein Arbeitskreis schlägt eine Staffel von 250, 500 und 750 Euro vor.

  5. Anfang Oktober 2026
    DVR-Vorstand fordert Bundesregelung

    Der Vorstand beschließt, das Verkehrsministerium solle eine bundeseinheitliche, technikoffene Ermächtigungsgrundlage für Monocams schaffen.

  6. 3. November 2026
    Wirsch nennt 500 Euro

    Der DVR-Präsident fordert in den Funke-Zeitungen mindestens 500 Euro Bußgeld, am Folgetag verbreitet die dpa die Forderung bundesweit.

Was Abschreckung wirklich bringt

Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer, hält höhere Strafen für wirksam: „Unsere Forschung zeigt, dass dann mehr Menschen als bisher von der Handynutzung am Steuer lassen würden.“ Der Berliner Verkehrsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin sieht das nüchterner: „Überwachen und Strafen ist die Losung, und die funktioniert eigentlich immer.“

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Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung erwartet noch mehr Fälle: Die „Digital Natives“ kämen gerade erst am Steuer an und hielten „überhaupt keine Minute aus“, ohne zu prüfen, ob es etwas Neues gibt. Offen ist, ob die Verkehrsministerkonferenz in Hohenschwangau den Weg für eine Bundesregelung frei macht – und ob daraus mehr wird als eine Prüfung.