Schwarz, vermummt, die Kapuze über den Kopf gezogen: So stand Bob Dylan (85) am Mittwoch Papst Leo XIV. (71) im Apostolischen Palast gegenüber. Der Vatikan hatte zur Privataudienz geladen – und veröffentlichte selbst die Fotos, an denen sich der Streit entzündet.
Der Bericht von Vatikannews über die Privataudienz beschreibt die Begegnung am Nachmittag des 4. November als kurz: Begrüßung und „ein paar heitere Wortwechsel“, Musik habe es nicht gegeben. In den Verlautbarungen führte der Vatikan den Gast als „Mr. Robert Allen Zimmerman“ – geboren in Duluth, Minnesota, später nahm er den Künstlernamen an. Beide Männer stammen aus dem Mittleren Westen der USA.
Papst Leo XIV. traf am Mittwoch, dem 4. November, in einer Privataudienz mit dem amerikanischen Singer-Songwriter Bob Dylan zusammen.
Rosenkranz gegen Autobiografie
Der rituelle Teil war ein Gabentausch. Leo XIV. überreichte dem Musiker einen Rosenkranz. Dylan revanchierte sich mit einem Exemplar seiner Autobiografie „Chronicles: Volume One“, das er dem Papst nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu mit Widmung übergab. Der Mann, der 1979 als wiedergeborener Christ Schlagzeilen machte, schenkt dem Oberhaupt der katholischen Kirche sein Lebensbuch – und erhält dafür einen Gebetskranz.
Sein Verhältnis zur Religion hat Dylan nie verborgen; durch sein Werk ziehen sich Glaubensbilder von „Knockin' on Heaven's Door“ bis „Gotta Serve Somebody“. In einem Interview sagte Dylan über seinen Glauben:
„Ich bin ein religiöser Mensch. Ich lese viel in den Schriften, meditiere und bete, zünde in der Kirche Kerzen an. Ich glaube an Verdammnis und Erlösung, auch an Vorherbestimmung.“
Der Papst zitierte ein Manuskript von 1963
Die Begegnung war keine spontane Laune. Im Juli 2026 zitierte Leo XIV. im Vorwort zu dem im vatikanischen Verlag erschienenen Buch „Disarmata e disarmante. La pace è un dono“ Zeilen aus einem kaum bekannten Dylan-Text, an die Atombombe gerichtet: „I hate you cause yer man-made and man-owned, an' man-handled“. Das Gedicht „Go Away You Bomb“ entstand 1963 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, geschrieben nach Angaben des New Yorker Folklore-Center-Gründers Izzy Young am Tag nach dessen Anfrage.
„Wie der Singer-Songwriter und Dichter Bob Dylan schrieb, die Atombombe bildlich ansprechend, in einer seiner dichterischen Kompositionen: „Ich hasse dich, weil du von Menschen gemacht, besessen und behandelt bist.““
Aufgenommen wurde das Stück nie: Das maschinengeschriebene, handschriftlich korrigierte Manuskript blieb bis zu seiner Wiederentdeckung im Jahr 2013 unveröffentlicht und kam im Sommer 2013 bei Christie's zur Auktion. Spadaro verwies zudem auf eine biografische Linie: Dylan sei mit dem heiligen Augustinus vertraut, dem Bezugspunkt der Spiritualität des Papstes, und widmete ihm 1967 auf „John Wesley Harding“ das Lied „I Dreamed I Saw St. Augustine“. Der Papst wiederum traf in diesem Jahr Bad Bunny und Patti Smith und wurde im Oktober zum ersten Papst, der bei US-Midterms per Briefwahl abstimmte.
Schwarze Kapuze im Apostolischen Palast
Zu sehen war ein Mann ganz in Schwarz: ein Kapuzenpullover mit über den Kopf gezogener Kapuze, darüber Mantel oder Jacke, schwarze Lederhandschuhe und als einziger Akzent eine lose geknotete, gepunktete Krawatte; auf einem Bild hielt er zusätzlich einen Regenschirm. Papst Leo XIV. trug dazu sein traditionelles weißes Gewand.
Die Fotos, die der Vatikan selbst verbreitete, lösten Gesprächsstoff aus: Verglichen wurde der Gast mit einem Mönch, dem Sensenmann oder dem vermummten Imperator Palpatine aus „Star Wars“. Ein Teil der Reaktionen war ungehalten – „Nimm die Kapuze ab! Zeig ein bisschen Respekt“ –, andere erinnerten daran, dass traditionell Frauen, nicht Männer, in Gegenwart des Papstes ihr Haupt bedecken. Die Glosse der Wiener „Presse“ zum Auftritt ließ den „Barden ..., wie ein Mönch, ganz in Schwarz“ an die „Pforten des Vatikan“ klopfen.
Schon 1997 vor Johannes Paul II.
Es war nicht Dylans erste Papstbegegnung. Im September 1997 sang er beim 23. Nationalen Eucharistischen Kongress in Bologna vor Johannes Paul II. und rund 300.000 jungen Menschen, darunter „Knockin' on Heaven's Door“. Danach nahm er seinen Cowboyhut ab, stieg die Stufen zur Papstbühne hinauf und wechselte einige Worte. Der Papst zitierte in seiner Ansprache „Blowin' in the Wind“: Auf die Frage, wie viele Straßen ein Mensch gehen müsse, antwortete er, es gebe nur einen Weg – den Jesu Christi.
Von einem Manuskript von 1963 zur Audienz im Vatikan
- 1963Dylan schreibt „Go Away You Bomb“
Auf Bitte von Izzy Young, Gründer des Folklore Center in Greenwich Village, verfasst Dylan das Antikriegsgedicht – veröffentlicht wird es nie.
- September 1997Auftritt vor Johannes Paul II. in Bologna
Beim Eucharistischen Kongress singt Dylan vor rund 300.000 Menschen; der Papst zitiert danach „Blowin' in the Wind“.
- 2013Manuskript kommt bei Christie's unter den Hammer
Das maschinengeschriebene, handschriftlich korrigierte Manuskript wird wiederentdeckt und im Sommer 2013 versteigert.
- 21. Juli 2026Der Papst zitiert Dylan in einem Buchvorwort
In „Disarmata e disarmante. La pace è un dono“ zitiert Leo XIV. das Gedicht und warnt vor Aufrüstung und Atomwaffen.
- 4. November 2026Privataudienz im Apostolischen Palast
Rosenkranz gegen Autobiografie: Der Papst empfängt Dylan, der Vatikan veröffentlicht Fotos – im Netz entbrennt Streit über die Kapuze.
Beim Auftritt vor dem Vatikan sang Dylan nach Notizen des US-Senders NPR „Tryin' to Get to Heaven“ mit der Zeile „I've been all around the world, boys / Now I'm trying to get to heaven before they close the door“. Was die beiden Männer am Nachmittag besprachen, teilte der Vatikan nicht mit.
