Aiwanger tot in Berliner Hotel gefunden – Freie Wähler führungslos
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ist tot in seinem Berliner Hotelzimmer gefunden worden. Die Obduktion ergibt keine Hinweise auf Fremdverschulden. Doch die Freien Wähler stehen ohne Vorsitzenden da, im Ministerium führt nur Staatssekretär Gotthardt, und der Bundesparteitag ist abgesagt.
Hubert Aiwanger ist tot. Der bayerische Wirtschaftsminister und Bundesvorsitzende der Freien Wähler wurde am frühen Abend des 4. November leblos in seinem Zimmer im Hotel Neuer Fritz in Berlin-Mitte gefunden. Zehn Tage vor dem geplanten Bundesparteitag verliert die Partei ihre zentrale Figur.
Am Mittwochmorgen hatte der 55-Jährige gegen 10.15 Uhr alle Termine wegen eines Magen-Darm-Infekts abgesagt, darunter ein Gespräch mit der „Handelsblatt“-Redaktion. Am Nachmittag fehlte er bei der Eröffnung des neuen Hauptstadtbüros der Freien Wähler, wo er eine Rede halten sollte — er ließ sich „aus gesundheitlichen Gründen“ vertreten.
Staatsanwaltschaft Berlin und die 6. Mordkommission des Landeskriminalamts ermitteln. Nach den Erkenntnissen der Obduktion ohne Fremdverschulden gibt es keine Anhaltspunkte für eine Straftat; die Behörden gehen von einem natürlichen Tod aus. Weitere gerichtsmedizinische Untersuchungen dauern an.
Trauerbeflaggung und ein Kondolenzbuch
Markus Söder nannte den Tod eine „absolute Tragödie“; seine Gedanken seien zuerst bei Aiwangers Familie und den Kindern. Der Ministerpräsident ordnete Trauerbeflaggung an, im Prinz-Carl-Palais in München liegt seit Freitag ein Kondolenzbuch aus. Söder und Landtagspräsidentin Ilse Aigner wollen sich dort um 15 Uhr als Erste eintragen.
Aiwanger lebte mit der Regensburger Landrätin Tanja Schweiger zusammen und hinterlässt zwei gemeinsame Söhne; verheiratet war er nicht. Cem Özdemir nannte ihn einen „streitbaren Politiker mit Ecken und Kanten, der für seine Überzeugungen kämpfte“. Seine Vergangenheit beschäftigt die Justiz weiter: Drei Jahre nach der Flugblattaffäre gibt es neue Ermittlungen gegen Aiwangers früheren Lehrer.
Gotthardt führt die Geschäfte
Im bayerischen Wirtschaftsministerium führt Staatssekretär Tobias Gotthardt die Amtsgeschäfte. Der Freie-Wähler-Politiker brach dafür eine Reise in Singapur ab.
„Die Nachricht von Huberts plötzlichem Tod trifft mich zutiefst, ist für uns alle unbegreifbar.“
Tobias Gotthardt, Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium
Formal ist das eine Übergangslösung: Ministerpräsident Söder muss einen neuen Minister berufen, der Landtag muss zustimmen. Bis dahin trägt ein Staatssekretär die Verantwortung für Bayerns Wirtschaftsressort — in einer Woche, in der auch die Partei an der Spitze führungslos ist.
Parteitag abgesagt, Nachfolge offen
Die Freien Wähler sagten den für den 14. November in Geiselwind geplanten Bundesparteitag ab und verschoben ihn auf 2027. Stellvertretend für den Vorstand kündigte Joachim Streit die Absage an.
„Wir wollen den Bundesparteitag absagen und ihn an einem anderen Termin stattfinden lassen.“
Joachim Streit, stellvertretender Bundesvorsitzender der Freien Wähler
Für Samstag ist eine Krisensitzung von Bundesvorstand, bayerischem Landesvorstand und Landtagsfraktion in München angesetzt. Dort muss die Partei klären, wer künftig führt. Suche der Freien Wähler nach neuem Gesicht beginnt in einer Lage, in der Fraktion und Ministerium gleichzeitig ohne ihren Kopf dastehen.
Florian Streibl, Fraktionschef im Landtag, sagte, Bayern werde ohne Aiwanger ein anderes sein. Ob die Partei ihre Struktur halten kann, entscheidet sich am Samstag in München — und spätestens dann, wenn Söder seinen Vorschlag für das Wirtschaftsministerium vorlegt.