Putin zeichnet Bismarck-Nachfahren mit Puschkin-Medaille aus
Bild: KI-generiert
Kreml-Zeremonie

Putin zeichnet Bismarck-Nachfahren mit Puschkin-Medaille aus

Wladimir Putin hat den deutschen Unternehmer und Publizisten Alexander von Bismarck im Kreml mit der Puschkin-Medaille geehrt. Von Bismarck pflegt Kontakte zu AfD und BSW und wirbt für Freundschaft mit Russland – Putin nutzt die Zeremonie zugleich für eine Botschaft an Deutschland.

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Wladimir Putin hat am Mittwoch, 4. November 2026, im Moskauer Kreml einen Deutschen mit einer staatlichen Auszeichnung geehrt: Der Unternehmer und Publizist Alexander von Bismarck erhielt am russischen Feiertag der nationalen Einheit die Puschkin-Medaille – überreicht vom Präsidenten persönlich.

Der Geehrte ist ein entfernter Verwandter des Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815 – 1898) und früheres CDU-Mitglied. Er lebt auf Schloss Döbbelin im Landkreis Stendal in der Altmark und pflegt von dort aus Kontakte in die russische Hauptstadt – und zu deutschen Parteien, die die Ukraine-Hilfe beenden wollen.

Was in Moskau verliehen wurde, benennen die Seiten unterschiedlich: Die staatlichen russischen Agenturen melden die „Puschkin-Medaille", deutsche Medien schreiben vom „Puschkin-Orden". Gewürdigt werden damit Verdienste um die russische Kultur und ihre Verbreitung im Ausland, wie aus Berichten über die Verleihung des Puschkin-Ordens hervorgeht.

Ein Dialog, den die deutsche Seite aussetzte

Von Bismarck ist in der russischen Kulturpolitik kein Unbekannter. Den russisch-deutschen „Bismarck-Dialog“ gründete er eigenen Angaben zufolge als Reaktion darauf, dass die deutsche Seite den „Petersburger Dialog“ aussetzte. Seitdem tritt er als Gastgeber und Vermittler zwischen deutschen Politikern und Moskau auf.

Im Kreml formulierte er am Mittwoch, wozu diese Reise dienen soll. Seine Dankesrede richtete sich an das Publikum in seiner Heimat:

„Ich freue mich sehr, heute hier im Kreml zu sein, an diesem Tag, als Deutscher. Das sollte ein Beispiel für unser Land in Deutschland sein. Ich werde zurückkehren und den Menschen in Deutschland sagen, wie wichtig es ist, dass wir auch künftig Freunde und nicht Feinde bleiben.“
Alexander von Bismarck, Unternehmer und Publizist

Der Satz ist der politische Kern des Auftritts: Von Bismarck wirbt in seiner Dankesrede für Freundschaft zwischen Russland und Deutschland. In den vergangenen Monaten hat er diese Rolle mehrfach öffentlich eingenommen – mit Kontakten zu AfD, BSW und, seit Mittwoch, bis in den Kreml.

Potsdam, Berlin, Magdeburg: der Weg in den Kreml

Schon Ende 2023 geriet von Bismarck in die Kritik: Er nahm am umstrittenen Potsdamer Treffen rechter und rechtsextremer Kreise über „Remigration“ teil. Seine Familie distanzierte sich von der Teilnahme, er selbst bestreitet, dass Vertreibungspläne besprochen wurden.

Im Juni 2024 saß er beim Empfang zum russischen Nationalfeiertag in der Botschaft in Berlin an der Seite des AfD-Bundestagsabgeordneten Stefan Keuter. Zwei Jahre später begleitete er zwei BSW-Europaabgeordnete zu Gesprächen nach Moskau; die AfD-Bundestagsfraktion lud ihn zu einem Kongress über Meinungsfreiheit und Medien ein.

Im September empfing er nach Recherchen des NDR den BSW-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, Peter Schabbel, auf Schloss Döbbelin. Anfang Oktober trat er bei der Eröffnung eines TV-Studios des „Compact“-Magazins in Magdeburg auf, das als rechtsextremistisch gilt, und bot an, Kontakte nach Russland zu vermitteln.

Von Potsdam in den Kreml

  1. Dezember 2023
    Potsdamer Treffen

    Von Bismarck nimmt am umstrittenen Treffen rechter und rechtsextremer Kreise über „Remigration“ teil; die Familie distanziert sich, er bestreitet Vertreibungspläne.

  2. Juni 2024
    Empfang in der russischen Botschaft

    Beim Empfang zum russischen Nationalfeiertag in Berlin steht er an der Seite des AfD-Bundestagsabgeordneten Stefan Keuter.

  3. Juni 2026
    Reise mit BSW-Abgeordneten

    Er begleitet zwei BSW-Europaabgeordnete zu Gesprächen nach Moskau.

  4. September 2026
    Besuch auf Schloss Döbbelin

    Nach NDR-Recherchen empfängt er den BSW-Spitzenkandidaten Peter Schabbel in der Altmark.

  5. 8. Oktober 2026
    Auftritt in Magdeburg

    Bei der Eröffnung eines TV-Studios des „Compact“-Magazins bietet er die Vermittlung von Kontakten nach Russland an.

  6. 4. November 2026
    Puschkin-Medaille im Kreml

    Putin überreicht ihm die Auszeichnung am Tag der nationalen Einheit.

Putin verbindet die Feier mit einer Botschaft

Der Präsident nutzte die Zeremonie für eine außenpolitische Botschaft an Deutschland. In seiner Ansprache sagte er:

„Besonders jetzt ist es sehr wichtig, dass die Menschen – auch auf politischer Ebene – sehen, dass Russland erstens niemandem jemals gedroht hat und auch nicht droht und dass wir zweitens Zusammenarbeit anstreben.“
Wladimir Putin, Präsident Russlands

Der Satz tritt dem Vorwurf entgegen, Moskau bedrohe Europa. In Deutschland ist dieser Vorwurf die Grundlage für Sanktionen und für die Militär- und Finanzhilfe an die Ukraine, die AfD und BSW im Landtag von Sachsen-Anhalt gemeinsam beenden wollen.

Für von Bismarck fällt beides zusammen: Er wirbt seit Jahren für Gespräche mit Moskau – und wird dafür nun mit einer staatlichen Medaille geehrt, die russische Kulturverdienste im Ausland würdigt.

Weitere Geehrte und eine offene Rechnung

Bei derselben Zeremonie zeichnete Putin weitere Personen aus: den transnistrischen Präsidenten Vadim Krasnoselsky mit dem Orden der Ehre und Iwan Jessin mit dem Präsidentenpreis für den Beitrag zur Stärkung der Einheit der russischen Nation.

Am Donnerstag berichteten deutsche Medien über die Ehrung; im Zentrum der Berichte stehen die AfD- und BSW-Kontakte des Geehrten.

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Offen ist, was die Ehrung in der Landespolitik auslöst. Im Magdeburger Landtag fordern AfD und BSW gemeinsam ein Ende der deutschen Militär- und Finanzhilfe für die Ukraine. Ob die Puschkin-Medaille dort zum Thema wird, ist nicht entschieden – der Geehrte selbst hat angekündigt, in Deutschland über seine Reise zu berichten.