Drei Bundeswehr-Soldaten vor Polens Sejm lösen Empörung aus
Erst drei Soldaten vor dem Sejm, dann Militärkolonnen auf A2 und A4: PiS und Konfederacja machen daraus einen deutschen Eingriff in Polen. Die Botschaft weist die Vorwürfe als Desinformation zurück, Die Faktenchecks nennen eine Konferenz und alliierten Transit.
Drei Bundeswehr-Soldaten auf der ulica Wiejska, wenige Meter vom Sejm entfernt – für Polens Rechte ist das ein deutscher Eingriff in die Innenpolitik. Seit dem 3./4. November kursieren in Polen Videos und Fotos von Bundeswehr-Soldaten und Militärfahrzeugen in Warschau sowie von deutschen Militärkolonnen auf den Autobahnen A2 und A4.
Der Konfederacja-Abgeordnete Konrad Berkowicz stellte ein Video deutscher Soldaten ins Netz und schrieb, Ministerpräsident Donald Tusk habe „Verstärkung aus Deutschland herangeholt“. Der PiS-Abgeordnete Dariusz Matecki filmte drei Soldaten auf der ulica Wiejska, schnitt die Antwort eines Soldaten ab – er sagte, er gehöre zur deutschen Botschaft und wolle eine Ausstellung besuchen – und veröffentlichte den Clip.
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Am 04.11.2026 gegen 12.00 Uhr ereignete sich auf der Autobahn A4 in der Nähe von Kostomłoty, Woiwodschaft dolnośląskie, ein Verkehrsereignis unter Beteiligung von zwei militärischen Lastkraftwagen, die den Streitkräften Deutschlands gehören.
Wie festgestellt wurde, war die Ursache des Ereignisses die Nichteinhaltung des gebührenden Abstands zwischen den fahrenden Fahrzeugen.
Infolge des Ereignisses wurden drei Soldaten der deutschen Streitkräfte mit allgemeinen Prellungen ins Krankenhaus gebracht, die ihr Leben und ihre Gesundheit nicht gefährden. Die Fahrer waren nüchtern.
Wir informieren, dass Polen ein Transitland war.
Wie aus der erteilten Durchfahrtsgenehmigung hervorgeht, erforderte die Kolonne keine Lotsung durch die polnischen Streitkräfte.
Den Ort des Ereignisses sicherten die Funktionäre der WRD KPP in Środa Śląska.
Pressesprecher
des Hauptkommandanten der Militärgendarmerie
ppłk Dariusz ROZKOSZ
X · @Zandarmeria
Botschaft weist Desinformation zurück
Die deutsche Botschaft in Warschau erklärte, sie lade zu den Feierlichkeiten zum 71. Gründungstag der Bundeswehr mit einer Ausstellung zu 70 Jahren Luftwaffe ein. Die Präsenz sei „ausschließlich zeremonieller und koordinativer Natur“, Desinformation über eine deutsche Einmischung in polnische Innenpolitik werde „entschieden zurückgewiesen“. Botschafter Miguel Berger verbreitete die Erklärung über seinen Account.
Konkret24 (TVN24) veröffentlichte einen Faktencheck zu den Soldaten vor dem Sejm, auch sprawdzamto.pl prüfte die Aufnahmen. Ergebnis: Die Fahrzeuge gehörten zu alliiertem Transit und zur Konferenz „Future Land Forces 2026“, die vom 3. bis 5. November in Warschau tagte und ein Jahr zuvor angesetzt worden war.
Mit einer Intervention im Konflikt um den Verfassungsgerichtshof haben sie nichts zu tun. Der war am 31. Oktober zwischen Tusk und Präsident Karol Nawrocki eskaliert; in rechten Kreisen kursierte danach die Falschnachricht, Tusk habe deutsche Polizisten zum Schutz des Gerichts angefordert.
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Reparationen und ein „Bantustan“
Matecki verknüpft den Clip mit grundsätzlichen Forderungen an Berlin: Deutschland solle geraubte polnische Kulturgüter zurückgeben und Kriegsreparationen zahlen – vorgebracht mit Blick auf die Soldaten vor dem Sejm.
„Bevor Vertreter der Bundeswehr in Warschau paradieren, sollte der deutsche Staat grundlegende Fragen beantworten: Wann werdet ihr Tausende von unrechtmäßig geraubten polnischen Kulturgütern und Kunstwerken zurückgeben? Wann wird Berlin Polen die fälligen Kriegsreparationen für das Blutbad des Zweiten Weltkriegs zahlen?“
Dariusz Matecki, PiS-Abgeordneter
Michał Woś (PiS) schrieb: „Deutsches Militär unter dem Sejm. Was soll das?“ Der Konfederacja-Abgeordnete Włodzimierz Skalik fragte, was das deutsche Militär auf polnischem Boden mache und mit welchem Recht man es hereingelassen habe: „Sind wir Polen? Oder schon ein deutsches Bantustan?“ Auch Tobiasz Bocheński und Marek Jakubiak forderten Aufklärung, wie ein Bericht über die Empörung polnischer Abgeordneter zeigt.
Kollision auf der A4
Am 4. November kollidierten gegen 12 Uhr auf der A4 nahe der Anschlussstelle Kostomłoty zwei Militärlastwagen der Bundeswehr; drei deutsche Soldaten wurden leicht verletzt. Polen war Transitland, eine Begleitung durch die polnische Militärgendarmerie war nicht vorgeschrieben.
Zwei Gläser kaltes Wasser
Der Onet-Reporter Marcin Wyrwał widersprach der Empörung: Die deutschen Soldaten seien für die Übung „Koalicja 26“ im Land und dienten der Sicherheit Polens. Den Abgeordneten empfahl er „zwei Gläser kaltes Wasser auf den Kopf“ – das sollte helfen.
Der Streit fällt in eine angespannte Phase der deutsch-polnischen Beziehungen: Beim Streit um EU-Gelder zwischen Polen und Deutschland geht es um 6,6 Milliarden Euro aus der Europäischen Friedensfazilität. Ob die Abgeordneten im Sejm eine Debatte über die Bundeswehr-Präsenz erzwingen und ob die Botschaft ihre Feierlichkeiten nun anders ankündigt, ist offen.