Krefeld schließt nach Säureunfall vier Schulen und 15 Kitas
Bild: KI-generiert
Gefahrgutunfall

Krefeld schließt nach Säureunfall vier Schulen und 15 Kitas

Ein Tanklastzug kippt mit 23 Tonnen Salpetersäure auf der Auffahrt Krefeld-Zentrum um, zehn Tonnen laufen aus – die Stadt ruft die höchste Warnstufe aus, vier Schulen und 15 Kitas bleiben zu. Am Mittag gibt die Feuerwehr Entwarnung, die Unfallursache ist offen.

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Zehn Tonnen ätzende Salpetersäure, ein auf der Seite liegender Tanklastzug und die höchste Warnstufe, die die Warn-App NINA kennt: In der Nacht zum Freitag hat in Krefeld über Stunden eine Gefahrenlage gegolten, die Teile von drei Stadtteilen erfasste.

Gegen 2:45 Uhr war der mit 23 Tonnen Salpetersäure beladene Lastwagen in der Auffahrt Krefeld-Zentrum der A57 an der Berliner Straße in Fahrtrichtung Nimwegen umgekippt und auf der Seite liegen geblieben. Rund zehn Tonnen der stark ätzenden Säure liefen über den beschädigten Fülldeckel aus und sammelten sich in einer Senke.

Kurz nach 3:00 Uhr löste die Feuerwehr über NINA, Cell Broadcast und die stadtweiten Sirenen die höchste Stufe aus: extreme Gefahr. Warnung an die Bevölkerung vor ätzender Säure galt zunächst für einen Radius von 1.000 Metern – rund 3,1 Quadratkilometer mit Teilen von Uerdingen, Bockum und Linn.

Vier Schulen und 15 Kitas bleiben zu

Im Sperrradius blieben vier Schulen und 15 Kitas den ganzen Tag geschlossen – fünf städtische und zehn nicht städtische Kitas sowie die Franz-Stollwerck-Schule, die Sollbrüggenschule, die Gesamtschule Uerdingen und das Berufskolleg Uerdingen. Auch das Bürgerbüro Bockum, eine Sparkassenfiliale und zwei Museen blieben zu.

Die A57 war zwischen Krefeld-Gartenstadt und Krefeld-Oppum voll gesperrt, die Bahnstrecke Krefeld – Duisburg ebenfalls; Regionalzüge fielen aus oder wurden umgeleitet, vor den Sperren bildeten sich lange Staus. Bei den Stadtwerken Krefeld fiel die Müllabfuhr aus, weil der Betriebshof im Sperrbereich lag. Rest- und Bioabfall sollen in der Folgewoche nachgefahren werden, die Altpapiersammlung entfällt ersatzlos.

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Abpumpen, absaugen, entwarnen

Im Lauf des Vormittags pumpten rund 200 Einsatzkräfte die verbliebenen 13 Tonnen Säure in einen baugleichen Tankwagen, ein Spezialsaugwagen nahm die ausgelaufene Menge auf. Unterstützt wurden sie von der Werkfeuerwehr des Chemparks Krefeld und einem Messzug aus Wuppertal, Remscheid und Solingen. Die Eindämmung des Gefahrgutunfalls bei Krefeld erlaubte es der Feuerwehr, den Sperrradius von 1.000 auf 200 Meter zu verkleinern.

„Wir haben hier ein giftiges Nachprodukt, das eine äußerst ätzende Wirkung hat und von daher haben wir auch einen relativ großen Gefahrenbereich.“
Andreas Klos, Leiter Gefahrenabwehr der Stadt Krefeld

Klos hatte den 1.000-Meter-Radius am Morgen mit genau dieser Ätzwirkung begründet. Nach der Verkleinerung auf 200 Meter gab die Feuerwehr um 11:16 Uhr über NINA Entwarnung: Die akute Gefahr ist vorüber. Riechbar blieb die Säure trotzdem – „Wir werden im Stadtgebiet wahrscheinlich noch über den ganzen Tag eine Geruchsbelästigung haben“, sagte Klos.

Ein Teil der Säure war über einen Abschlagkanal in Richtung Rhein gelaufen. Die Feuerwehr spülte den Kanal mit Hydrantenwasser, kontrollierte den pH-Wert am Rheinauslauf und stimmte das Vorgehen mit dem Landesumweltamt ab – Grundwasser, Trinkwasser und Natur seien nicht gefährdet. Wie schnell Säure im Fließgewässer Schaden anrichtet, zeigte der Säureunfall in Dillenburg mit toten Fischen Anfang Oktober.

Offen bleibt die Unfallursache

Der 65 Jahre alte Fahrer aus Lutherstadt Eisleben in Sachsen-Anhalt wurde leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. Gegen 05:30 Uhr musste zudem ein Anwohner aus dem Gefahrenradius in eine Klinik, eine Verletzung durch die Säuredämpfe ist nicht auszuschließen. Gegen 16:30 Uhr wurde der umgekippte Lastwagen mit einem Kran aufgerichtet und abgeschleppt, anschließend begutachteten Fachleute Fahrbahn und Erdreich.

Die Ermittlungen zur Unfallursache übernahm das Verkehrskommissariat der Polizei Düsseldorf, ein Ergebnis wird frühestens Anfang der Folgewoche erwartet. Bis dahin bleibt offen, warum der Tankzug in der Auffahrt Krefeld-Zentrum die Seitenlage verlor – und ob an der Einfahrt zur A57 etwas geändert werden muss, damit ein beladener Gefahrgutzug dort nicht erneut kippt.