Eskalation nach verpasstem Listenplatz
Bereits im Januar 2026 eskalierte Dieners Unzufriedenheit mit der Landespartei. Bei der Listenaufstellung für die Landtagswahl am 20. September 2026 erhielt der 63-jährige Diplom-Agraringenieur keinen vorderen Listenplatz. Diener, der seit 2021 über die Landesliste im Schweriner Landtag saß und als Kreistagspräsident des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte amtiert, kritisierte öffentlich, die CDU kümmere sich nicht mehr um die Belange des ländlichen Raums und habe sich politisch „eingemauert“.
Am 29. Mai 2026 erklärte Diener schließlich den Austritt aus der CDU-Landtagsfraktion und blieb fraktionsloser Abgeordneter. Als Gründe nannte er die Brandmauer zur AfD, die Vernachlässigung ländlicher Themen und den schlechten Listenplatz. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Sebastian Ehlers, kommentierte, die Entscheidung sei nicht überraschend gekommen und mutmaßte, mit einem besseren Listenplatz hätte Diener die Fraktion nicht verlassen.
Wechsel zur AfD: „Ein Signal über Mecklenburg-Vorpommern hinaus“
Rund einen Monat später bestätigte Diener gegenüber der Deutschen Presse-Agentur und dem NDR, dass er zu einem Wechsel in die AfD-Fraktion bereit sei und es entsprechende Gespräche gegeben habe. Zugleich kündigte er den Austritt aus der CDU an; ob er AfD-Mitglied werde, ließ er offen. Wie Diener der Zeit sagte, vertrete die CDU inzwischen „teilweise Positionen der SPD“, während die AfD Positionen habe, die früher die CDU vertreten habe. Die Partei entwickle sich „von einer Volks- zu einer Acht-Prozent-Partei“.
Er kritisierte die Brandmauer scharf: „Man braucht einen Strategiewechsel, statt uns immer weiter einzumauern.“ Seinen Schritt sieht er als Signal über das Land hinaus: „Ich mache da nicht mehr mit!“
„Ich möchte nicht politisch Mitte-Links sein. Wenn sich Leistung nicht mehr lohnt, ist unser Land, ist unsere Demokratie am Ende.“Thomas Diener, Landtagsabgeordneter
AfD-Fraktionschef Enrico Schult bestätigte, in den vergangenen Wochen Gespräche mit Diener geführt zu haben, und rechnet mit Zustimmung bei der Fraktionssitzung am 1. Juli. Da die Landesliste der AfD bereits beschlossen ist, kann Diener nicht für den Landtag kandidieren, werde aber noch an der letzten Landtagssitzung in der AfD-Fraktion teilnehmen.
„Das ist fachlich und menschlich eine große Bereicherung.“Enrico Schult, AfD-Fraktionschef
Politischer Sprengsatz: Brandmauer wankt
Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern wertet den Vorgang als Beleg für das Scheitern der Brandmauer-Politik. In Umfragen liegt die Partei bei rund 35 Prozent, die CDU dagegen nur noch bei etwa 10 Prozent. Diener zieht ein bitteres Fazit: Sein Wechsel sei ein notwendiges Signal für eine politische Neuausrichtung zugunsten des ländlichen Raums.
Im Kreistag der Mecklenburgischen Seenplatte, wo Diener weiter als Präsident amtiert, erklärten fünf der sechs Fraktionen, ungeachtet des Fraktionsaustritts zu ihm zu halten. Ein Wechsel auch dort in die AfD-Fraktion ist laut Schult denkbar.
Die Entscheidung am 1. Juli wird mit Spannung erwartet. Sie könnte weit über das Bundesland hinaus Wirkung entfalten und die Debatte über den Umgang mit der AfD neu entfachen.





