Direkter Appell an Moskau
Am 4. Juni 2026 veröffentlichte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen offenen Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Darin fordert er umfassende Waffenruhe und ein persönliches Treffen zur Beendigung des Krieges. Der auf der Webseite des ukrainischen Präsidialamts in mehreren Sprachen publizierte Brief ist ein seltener direkter Appell Selenskyjs an seinen Kriegsgegner. The Guardian veröffentlichte den vollständigen Text.
Selenskyj wählt einen persönlichen Ton: „Als Sie vor mehr als 26 Jahren in Russland an die Macht kamen, wurden Sie von vielen Menschen in der Ukraine positiv gesehen. So war es. Aber das ist nun Vergangenheit.“ Er betont, dass die Ukraine keinen endlosen Krieg anstrebe, und appelliert an die russische Bevölkerung: Die Mehrheit der Russen sei der Angriffe, der Inflation und der Treibstoffknappheit überdrüssig und bereit für Frieden.
Wir in der Ukraine wollen keinen dauerhaften Krieg.Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
An Putin gewandt warnt Selenskyj: „Auch Sie werden viel härter um Ihre eigene Existenz kämpfen müssen – nicht um die Russlands, sondern um Ihre eigene. Und das ist keine Drohung von mir oder der Ukraine. Es ist eine Tatsache der russischen Geschichte, die Sie gut kennen: Wenn Russland müde wird, kommt der Wandel.“ Er bot an: „Wir können auf diese Ermüdung hinarbeiten. Sie können Ihren Krieg beenden.“
Wir wissen sehr genau, dass ein Leben ohne Krieg unendlich viel besser ist. Und dieses Leben wollen wir erreichen.Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Trump zeigt sich offen, Kreml schließt Gespräche aus
Die Reaktionen fielen gespalten aus. US-Präsident Donald Trump erklärte vor Journalisten, er fände ein Treffen zwischen Putin und Selenskyj gut. Der Kreml hingegen erteilte direkten Gesprächen eine sofortige Absage und bekräftigte, den Krieg fortzusetzen. Putin hatte Selenskyj in der Vergangenheit wiederholt als „illegitimen" Präsidenten bezeichnet und Verhandlungen abgelehnt, meldet Euronews.
Der offene Brief ist der vorläufige Höhepunkt einer monatelangen Kampagne Selenskyjs für härteren internationalen Druck auf Moskau. Vor der UN-Vollversammlung im September 2025 kritisierte er die Wirkungslosigkeit internationaler Institutionen: „Trotz all dieses Blutvergießens gibt es keine einzige internationale Institution, die den Krieg wirklich stoppen kann.“ Beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2026 mahnte er Europas Passivität an und forderte eigene europäische Streitkräfte. Am vierten Jahrestag des russischen Großangriffs erklärte er vor dem EU-Parlament: „Putin selbst ist Krieg.“
Mit seinem direkten Schreiben setzt Selenskyj nun auf einen riskanten Kurs. Er bietet Verhandlungen an, droht aber gleichzeitig mit den Konsequenzen für Putins Machterhalt, sollte der Krieg weitergehen. Der Brief schließt mit dem Aufruf zu sofortiger Feuerpause und einem Gipfeltreffen auf höchster Ebene. Die offene Ablehnung aus dem Kreml lässt den Konflikt unvermindert weiter eskalieren.





