Milliardengrab Stuttgart 21: Eröffnung erst Ende 2031
Die Deutsche Bahn reißt bei Stuttgart 21 den nächsten Zeit- und Kostenplan. Der neue Tiefbahnhof wird frühestens Ende 2031 in Betrieb gehen, das Gesamtprojekt nicht vor Dezember 2033. Und die Kosten steigen um bis zu drei Milliarden Euro auf nun geschätzt 11,8 Milliarden. Davon muss die Bahn die komplette Steigerung allein bezahlen.
Ursprünglich sollte der Bahnhof bereits 2019 eröffnet werden, zuletzt war Dezember 2026 anvisiert. Doch Bahnchefin Evelyn Palla erklärte den Termin für unmöglich. Eine interne Projektprüfung ergab, dass rund 100 Kilometer Kabel falsch verlegt wurden und ein 2013 errichtetes Technikgebäude ungeeignet ist. Zudem muss das gesamte Notstromkonzept neu erstellt werden, weil gesetzliche Vorgaben zu spät beachtet wurden.
Alter Kopfbahnhof als teures Auslaufmodell
Weil der Tiefbahnhof rund sieben Jahre später kommt als geplant, muss der alte Kopfbahnhof länger durchhalten. Seine veraltete Infrastruktur – vor allem das Stellwerk – droht zu kollabieren. Experten warnen vor möglichen wochenlangen Sperrungen im Hauptbahnhof und auf den Zulaufstrecken, mit massiven Auswirkungen auf den gesamten Bahnverkehr. Ein Vorgeschmack zeigte sich schon bei der kurzfristigen Sperrung der Panoramastrecke.
Bei einem Spitzentreffen des Lenkungskreises mit Ministerpräsident Cem Özdemir, Oberbürgermeister Frank Nopper und Bahnchefin Palla wurde ein geänderter Stufenplan beschlossen. Der alte Bahnhof bleibt noch bis zur Eröffnung der erweiterten S‑Bahn‑Stammstrecke im Sommer 2027 in Betrieb. Erst dann soll der Tiefbahnhof eingeweiht werden – Ende 2031. Eine Teileröffnung im Dezember 2026 wurde verworfen.
Gerichtsurteil: Kein Cent vom Land
Der Finanzierungsvertrag von 2009 deckelte die Kosten ursprünglich auf gut 4,5 Milliarden Euro. Inzwischen liegen die Schätzungen bei 11,8 Milliarden. Das Verwaltungsgericht Stuttgart – bestätigt durch den Verwaltungsgerichtshof Mannheim – wies die Klage der Bahn auf Kostenbeteiligung ab. Die DB wollte 4,7 Milliarden Euro der Mehrkosten auf das Land und andere Partner abwälzen, doch das Gericht stellte klar: Sie muss allein zahlen.
Die Projektorganisation wird neu aufgesetzt, ein detailliertes Inbetriebnahmekonzept soll im Sommer 2026 vorgelegt werden. Offen bleibt, wie die Bahn die zusätzlichen Milliarden stemmen will und welche Folgen die verspätete digitale Zugsicherung für den Fernverkehr hat. Bahnchefin Palla kündigte an, die Öffentlichkeit einzubeziehen – doch die nächste Kostenfalle scheint programmiert.





